Abschlusspressekonferenz von Bundeskanzler Merz zum Antrittsbesuch in Sachsen-Anhalt
Zum Abschluss seines Besuchs in Sachsen-Anhalt betonte Bundeskanzler Friedrich Merz, „wie stark der Forschungsstandort Halle ist und wie stark auch mittelständische Industrie in dieser Stadt und in dieser Region ist.” Es gelte, Wirtschaft wie Wissenschaft zukunftsfähig zu machen.
- Mitschrift Pressekonferenz
- Dienstag, 18. November 2025
Nach seinem Besuch in Sachsen-Anhalt sagte der Kanzer, dass ihm die Begegnung mit den Menschen zeige, wie vielfältig, aber auch wie leistungsfähig Deutschland sei.
Foto: Bundesregierung/Guido Bergmann
Im Rahmen der Bundesländer-Besuche war Bundeskanzler Friedrich Merz in Halle (Saale) auch bei Wirtschaft und Wissenschaft zu Gast. Hier besuchte er das Max-Planck-Institut für Mikrostrukturphysik und die Sonotec GmbH, einen führenden Lösungsspezialisten in der Ultraschallmesstechnik.
Der Kanzler betonte im Anschluss, es sei wichtig, Unternehmen und Forschungseinrichtungen weiter zu erhalten und zukunftsfähig zu machen: „In der Bundesregierung sind wir intensiv daran, die Möglichkeiten für die Wirtschaft zu verbessern. Wir sind dabei, die Rahmenbedingungen für den Industriestandort, für den Produktionsstandort Deutschland zu verbessern.” Beispielsweise durch die Senkung der Energiekosten, Bürokratierückbau, den Einstieg in eine Reform der Sozialabgaben und gezielte Abschreibungsanreize für Investitionen.
Mit seinem Besuch in Sachsen-Anhalt setzt der Bundeskanzler seine Reihe der Antrittsreisen in die Bundesländer fort und knüpft an den letzten Termin in Mecklenburg-Vorpommern an. Bis zum Ende des Jahres möchte der Kanzler alle 16 Bundesländer besucht haben. Ziel ist es, die erfolgreiche und enge Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern auszubauen. Zu Gast war der Kanzler außerdem bereits in Sachsen, Baden-Württemberg, Brandenburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Bayern ,Saarland,, Bremen und Schleswig-Holstein.
Sehen Sie hier den Antrittsbesuch in Sachsen-Anhalt in Bildern:
Lesen Sie hier die Mitschrift der Pressekonferenz:
Bundeskanzler Friedrich Merz:
Meine Damen und Herren, ich möchte mich zunächst beim Ministerpräsidenten des Landes Sachsen-Anhalt Reiner Haseloff herzlich für die Einladung und die Gastfreundschaft in Sachsen-Anhalt bedanken. Wir haben gemeinsam verabredet, dass wir nicht in die Landeshauptstadt, sondern dass wir nach Halle an der Saale gehen. Zum Abschluss meines Besuches muss ich sagen: Es ist ein sehr eindrucksvoller Besuch gewesen. Ich nehme viele gute Eindrücke und auch manche neue Erkenntnis mit, zum Beispiel die, wie stark der Forschungsstandort Halle ist und wie stark auch mittelständische Industrie in dieser Stadt und in dieser Region ist. Dafür bin ich ausgesprochen dankbar. Ich bin dankbar dafür, dass ich Gelegenheit hatte, die Leopoldina zu besuchen, anschließend das Max-Planck-Institut, und dass ich die Gelegenheit hatte, wirklich einen Querschnittseindruck von dem zu bekommen, was in Sachsen-Anhalt geschieht.
Ich will aus meiner Sicht ergänzend sagen: In der Bundesregierung sind wir intensiv daran, die Möglichkeiten für die Wirtschaft zu verbessern. Wir sind dabei, die Rahmenbedingungen für den Industriestandort, für den Produktionsstandort Deutschland zu verbessern. Wenn ich dann Unternehmen wie die, die anzuschauen ich Gelegenheit hatte, sehe, dann bin ich wirklich sehr davon beeindruckt, was wir haben. Aber ich weiß auch, was wir weiter tun müssen, um diese Unternehmen, aber auch solche Forschungseinrichtungen wie zum Beispiel das Max-Planck-Institut hier in Halle zu erhalten und zukunftsfähig zu machen.
Dies ist mein elfter Länderbesuch. Ich nehme erneut viele persönliche Eindrücke mit, auch aus der Landesregierung. Wir haben eine intensive Diskussion mit dem Kabinett der Landesregierung von Sachsen-Anhalt gehabt. Wir haben über verkehrspolitische Fragen, über die Gesundheitsversorgung und viele andere Themen gesprochen.
Sachsen-Anhalt ist ein Kraftzentrum mitten in Deutschland. Es macht mir große Freude, das zu sehen. Auch die Begegnung mit vielen Menschen, auch mit Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern an ihren Arbeitsplätzen, zeigt mir einfach, wie vielfältig, aber auch wie leistungsfähig Deutschland ist. Es ist unser Auftrag in der Bundesregierung, dafür zu sorgen, dass das so bleibt, dass das noch besser wird und dass wir vor allem wettbewerbsfähig in Europa und auf der Welt bleiben. Selbst ein solches Unternehmen wie SONOTEC mit 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hier exportiert in die ganze Welt. Es ist ein Unternehmen, dessen Produkte auf der ganzen Welt nachgefragt werden. Die Forschungseinrichtung, das MPI, zeigt Daten, Entwicklungen und neue Verfahren und Techniken auf, die in der ganzen Welt beachtet und dann gekauft werden.
Ich kann es also nur noch einmal sagen: Es macht mir einfach große Freude, diese Besuche zu absolvieren. Sie geben mir abseits von Berlin einen Blick auf die Vielfalt und auf die Kraft unseres Landes. Diese Kraft nehme ich auch mit nach Berlin.
Ministerpräsident Reiner Haseloff:
Ganz herzlichen Dank, sehr geehrter Bundeskanzler, lieber Friedrich, dass du diesen Besuch heute mit uns gemeinsam gestaltet hast. So muss man es ja sagen. Auch das Programm haben wir ganz bewusst so breit angelegt, dass die Stärken des Landes, aber eben auch der Stadt Halle zum Ausdruck gebracht werden können.
Wie du schon sagtest, haben wir eine ganze Reihe von Themen, die uns wirklich sehr auf den Nägeln brennen, behandelt. Das geht querbeet durch alle Felder der Wirtschaftspolitik, der Energiepolitik, der Gesundheitspolitik und auch der kommunalen Haushalte. Aber auch bezüglich der Chancen haben wir viel miteinander gesprochen. Denn gerade auch die Investitionsmöglichkeiten durch das Sondervermögen geben viele Chancen, die vor Ort umgesetzt werden.
Halle ist ein Standort, der auch das zukünftige europäische Zukunftszentrum beherbergen wird. Ich denke, jetzt ist auch transparent geworden, warum sich dieser Standort gegenüber anderen durchgesetzt hat, weil eben die Kombination aus vielen Dingen – Transformationserfahrung, auch die Präsenz vieler spezifischer Leitbranchen, starker Mittelstand, aber eben auch Chemie und Umbrüche in der Energiepolitik bis hin vor allen Dingen auch zur traditionellen Wissenschaft, zur Forschung – zeigt, dass wir hier einen Mix aufweisen, der europaweit interessant ist und auch zukünftig diese Stadt und damit auch das Sitzland Sachsen-Anhalt stärken wird.
Wir haben dir auch die Leopoldina noch einmal nahegebracht. Durch Zufall oder auch keinen Zufall sind wir dort in eine sehr interessante Tagung hineingekommen, in der wir mit schweifendem Blick viele Nationen festgestellt haben. Das ist, denke ich, bis hin zu SONOTEC die eigentliche Botschaft, nämlich wie international Halle unterwegs ist. Das gilt von der Affinität bezüglich der Forschungsangebote bis hin zur Palette derjenigen, die hier in den Unternehmen arbeiten, sowohl am Max-Planck-Institut als auch hier bei SONOTEC. Auch durch die internationalen Verflechtungen sind viele Menschen aus der ganzen Welt hergekommen und fühlen sich hier wohl.
Wir haben auch noch einmal über die Sorgen und Nöte gesprochen, die ein hochkomplexer Staat auch mit sich bringt. Ich meine damit ein gewisses Maß an Bürokratie. Dabei haben wir festgestellt, dass wir auf der richtigen Bahn sind, dass die richtigen Entscheidungen durch die Bundesregierung gerade auf den Weg gebracht wurden, um Verbesserungen hineinzubringen.
Die beiden Senioren, die das Unternehmen aufgebaut haben, kenne ich schon viele Jahrzehnte. Ich durfte es schon viele Jahre positiv begleiten, genauso wie Sven Schulze und Kollege Willingmann, die bewusst auch aufgrund ihrer persönlichen Affinität und ihres Engagements heute bei den ganzen Besuchen mit dabei waren und das Ganze flankiert haben. Die Unternehmer, die hier tätig sind, sowohl die jungen als auch die älteren, haben klar das Signal ausgesendet: Wir sind auf dem richtigen Weg. Wir haben in den 35 Jahren Tolles geleistet. Die Wurzel dieses Unternehmens reicht ja noch weiter. Es hat es geschafft und ist heute internationale mit einem Exportanteil von je nach Produktfeld 70 Prozent bis 95 Prozent unterwegs.
Wir sollten also auch Selbstbewusstsein zum Ausdruck bringen und den „gap“ zwischen realer Wirklichkeit und dem, was in unserer Gesellschaft – in Anführungsstrichen – verspürt wird, auch durch Ihre Mitwirkung, meine Damen und Herren, schließen können. Das ist unsere gemeinsame gesellschaftliche Aufgabe zur Stärkung unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Strengen wir uns gemeinsam an, dann hat Deutschland eine gute Zukunft.
Frage: Herr Bundeskanzler, hier in der Nähe gibt es ein großes Kraftwerk. Bislang ist es ein Braunkohlekraftwerk. Haben Sie der Landesregierung heute ein Signal mitgebracht, dass dieses Kraftwerk künftig auch ein Gaskraftwerk sein könnte?
Bundeskanzler Merz: Ein guter Punkt! Wir haben über die Kraftwerksstrategie der Bundesregierung gesprochen. In der vergangenen Woche haben wir im Koalitionsausschuss beschlossen, diese Kraftwerksstrategie jetzt auf den Weg zu bringen und eine zusätzliche Leistung von etwa zehn Gigawatt durch Gaskraftwerke zu erzeugen. Die Ausschreibungen sollen im nächsten Jahr erfolgen. Die Genehmigung der EU-Kommission in Brüssel ist in Aussicht gestellt. Wir werden diese Gaskraftwerke vor allen Dingen an den Standorten brauchen, an denen wir keine Energieerzeugungskapazitäten haben oder an denen Energieerzeugungskapazitäten, die noch da sind, in Zukunft wegfallen. Das werden natürlich auch die Standorte sein, an denen wir perspektivisch noch die letzten Kohlekraftwerke schließen wollen.
Insofern wird es eine Auswahl von Standorten geben, die gerade diese Kriterien erfüllen. Ich gehe davon aus, dass der Osten und insbesondere die Region, die zum Beispiel das Chemiedreieck mit umfasst, dazugehört und dass es auch gewisse Präferenzen im Hinblick auf den Kraftwerksbau geben wird.
Wie gesagt, sind wir dabei, die Kraftwerksstrategie abzuschließen. Sie ist im Kern fertig und muss jetzt noch abschließend in Brüssel genehmigt werden. Dann wird es mit den Ausschreibungen im nächsten Jahr auf den Weg gehen.
Frage: Herr Bundeskanzler, Sie sind jetzt durch die Stadt gefahren. Wie gefällt Ihnen das hallische Stadtbild?
Bundeskanzler Merz: Mir gefällt das Stadtbild ausgesprochen gut. Ich muss Ihnen sagen: Mir gefällt gut, dass dieses Stadtbild von verschiedensten Institutionen geprägt wird, mitten in der Stadt das MPI und mitten in der Stadt die Leopoldina, am Rande der Stadt dieses Unternehmen, die Landesregierung dazu in der Stadt. Es ist eine schöne Stadt.
Frage: Herr Merz, zu Sachsen-Anhalt gehört neben Welterbe und Wissenschaft auch die AfD, die hier sehr stark ist. Sie haben einmal gesagt, die Union könne 40 Prozent bekommen und damit die AfD halbieren. Ist das für Sie als Bundeskanzler immer noch ein Ziel, oder ist das mittlerweile unrealistisch?
Bundeskanzler Merz: Wenn Sie hinzufügen würden, dass ich das Anfang 2019 gesagt habe, dann hätten Sie es in den richtigen Kontext eingeordnet. Wir waren damals noch in der Regierung.
[…]
Wir sind hier in einem Land, in dem die AfD jedenfalls im Augenblick offensichtlich einen gewissen Zuspruch hat. Ich möchte alles tun, um dazu beizutragen, dass es in der politischen Mitte nicht nur gute und richtige politische Entscheidungen gibt, sondern auch politische Mehrheiten.
Ich sehe die Zusammensetzung des hiesigen Kabinetts, der Koalition, die sich auch Deutschlandkoalition nennt. Das ist meines Erachtens die richtige Antwort auf die Herausforderungen vor denen wir stehen. Wir sind in einer Koalition mit der SPD in Berlin zusammen darum bemüht, genau dort, nämlich in der politischen Mitte unseres Landes, die Probleme zu lösen. Wenn wir nachweisen können, dass wir das können und dass wir das tun, dann wird es sicherlich nicht zu einem weiteren Erstarken der Ränder kommen.
[…]
Frage: Herr Merz, Sie haben den Standort Halle sehr gelobt. Was sagen Sie zur Bewerbung der Stadt Halle um den Sitz der Konzernzentrale der Deutschen Bahn?
Bundeskanzler Merz: Diese Entscheidung muss zunächst einmal die Deutsche Bahn selbst treffen. Gegebenenfalls werden wir mit dem Verkehrsminister darüber sprechen, aber dieses Thema ist auf meinem Schreibtisch im Augenblick noch nicht angekommen.
Ich bedanke mich sehr herzlich und wünsche Ihnen und vor allen Dingen den Sachsen-Anhaltinern alles Gute bei ihrer Arbeit. Ich begleite dieses Land ohnehin mit Sympathie, und sie ist heute noch ein Stück größer geworden.
Herzlichen Dank.