Mehr Energie aus erneuerbaren Quellen

Energiewende beschleunigen Mehr Energie aus erneuerbaren Quellen

Um die Klimaschutzziele zu erreichen und unabhängig von fossilen Energieimporten zu werden, soll der Anteil erneuerbarer Energien am Bruttostromverbrauch bis 2030 auf mindestens 80 Prozent steigen. Die Bundesregierung stellt die Weichen für den beschleunigten Ausbau von Wind- und Solarenergie, den Ausstieg aus fossilen Energien und für mehr Energieeffizienz.

Photovoltaik und Windenergieanlagen

Die Bundesregierung plant höhere Ausbauziele für Wind- und Sonnenenergie.

Foto: Paul Langrock/Zenit/laif

Erneuerbare Energien verursachen keine schädlichen Treibhausgasemissionen. Daher sind Wind- und Solarenergie – neben dem Energiesparen – die beste Wahl für den Klimaschutz.

Bis 2030 Wind- und Solarstrom verdoppeln

Um die Klimaschutzziele zu erreichen, muss der Ausbau der erneuerbaren Energien und der Stromnetze sehr viel mehr Fahrt aufnehmen. Bis 2030 soll der Bruttostromverbrauch zu mindestens 80 Prozent aus erneuerbaren Energien gedeckt werden. Ihr Anteil muss sich also innerhalb von weniger als zehn Jahren fast verdoppeln. Die Ausbaugeschwindigkeit muss sich verdreifachen.

Wind- und Solarenergie müssen dreimal schneller als bisher ausgebaut werden – zu Wasser, zu Land und auf dem Dach.

Dafür hat die Bundesregierung mit dem „Osterpaket“ am 6. April 2022 die größte energiepolitische Gesetzesnovelle seit Jahrzehnten verabschiedet. Nach dem Beschluss des Bundestags am 7. Juli hat auch der Bundesrat am 8. Juli 2022 das Paket zusammen mit dem Gesetz zum Windkrafftausbau an Land gebilligt.

Zum „Osterpaket“ gehören:
die umfassende Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes 2023 („EEG 2023“), Änderungen im Energiewirtschafts-, Bundesbedarfsplan-, Netzausbaubeschleunigungsgesetz, im Windenergie-auf-See-Gesetz sowie weitere energierechtliche Vorschriften.
Das Paket sieht unter anderem höhere Ausbauziele für Wind- und Sonnenkraft vor, eine höhere Einspeisevergütung für Solaranlagen, beteiligt Kommunen stärker am Ertrag der Anlagen und vereinfacht Bürgerenergiegesellschaften ihre Projektarbeit. Auch eine Beschleunigung des Stromnetzausbaus ist Teil des Pakets. Die dafür erforderliche Änderung im Energiewirtschaftsrecht hat der Bundestag bereits am 24. Juni verabschiedet. Nun wird sich abschließend der Bundesrat mit dem Paket befassen.

Windkraftausbau schneller planen und genehmigen

Um den Ausbau der Windenergie an Land deutlich schneller voranzubringen, sollen Planungs- und Genehmigungsverfahren von Windkraftanlagen beschleunigt sowie die notwendigen Flächen bereitgestellt werden. Bis zum Jahr 2032 sollen auf Länderebene zwei Prozent der Fläche für Windkraft ausgewiesen werden. Derzeit sind bundesweit 0,8 Prozent der Landesfläche für Windenergie an Land ausgewiesen – allerdings sind nur 0,5 Prozent tatsächlich verfügbar. Der Bundestag hat das „Wind-an-Land-Gesetz“ nun beschlossen. Änderungen im Bundesnaturschutzgesetz ermöglichen zudem straffere, schnellere und rechtssichere Verfahren für den Ausbau der Windenergie im Einklang mit Natur- und Artenschutz.

Mehr erneuerbare Energie schafft Unabhängigkeit von Kohle, Öl und Gas

Der beschleunigte Ausbau erneuerbarer Energien hilft zudem dabei, die Abhängigkeit Deutschlands von Importen fossiler Energieträger zu reduzieren. Vor dem Hintergrund des russischen Angriffskriegs in der Ukraine ist das ein wesentlicher Punkt. Zukünftig sind die erneuerbaren Energien als „überragend öffentliches Interesse“ eingestuft. Damit erhalten sie in Planungsprozessen Vorrang vor anderen abzuwägenden Interessen.

Steigender Strombedarf eingerechnet

Die Bundesregierung hat eingerechnet, dass der Strombedarf steigen wird. Denn Industrieprozesse, Wärmeerzeugung und Verkehr werden zunehmend elektrifiziert. 2030 sollen daher rund 600 Terrawattstunden (TWh) Strom aus erneuerbaren Energien bereitgestellt werden – ausgehend von einem höheren Bruttostromverbrauch von etwa 750 TWh.

2021 wurden laut Umweltbundesamt knapp 42 Prozent des Bruttostromverbrauchs aus erneuerbarer Energie gespeist. 2020 waren es noch etwas mehr als 45 Prozent.

Abschied von Kohle, Gas und Öl

Der Ausstieg aus der Kohleverstromung soll idealerweise bereits auf 2030 vorgezogen werden. Das Ende der Stromgewinnung durch die Verbrennung von Kohle wird Deutschlands Anteil am CO2-Ausstoß erheblich reduzieren. Bisher soll spätestens im Jahr 2038 das letzte Kohlekraftwerk in Deutschland stillgelegt werden – so ist es im Kohleausstiegsgesetz vom August 2020 vorgesehen.

Für den Klimaschutz: Weniger CO2-Emissionen bei der Energienutzung
Damit Deutschland seine Klimaschutzziele erreicht, müssen die Treibhausgas- oder CO2-Emissionen bis 2030 um mindestens 65 Prozent sinken. Im Energiesektor müssen sie bis dahin um mehr als die Hälfte zurückgehen - auf 108 Millionen Tonnen CO2 (Stand Novelle Klimaschutzgesetz 2021).

In der Industrie wird – neben der Energieeffizienz – die Elektrifizierung eine entscheidende Rolle spielen. Gas und Kohle sollen künftig durch eine stärkere Elektrifizierung der Industrie und Strom aus erneuerbaren Quellen sowie grünen Wasserstoff ersetzt werden.

Das Ziel der Treibhausgasneutralität setzt auch eine treibhausgasneutrale Wärmeversorgung und einen treibhausgasneutralen Verkehr voraus. Fast zwei Drittel der hier benötigten Energie werden fürs Heizen und fürs Warmwasser verbraucht. Etwa 55 Prozent der Gebäude werden mit Erdgas und Heizöl beheizt.

Finanzierung der Energiewende
Der Bund fördert den Ausbau erneuerbarer Energien ab Juli 2022 vollständig aus dem Energie- und Klimafonds (EKF) (künftig: Klimatransformationsfonds). Der EKF speist sich aus den Einnahmen des europäischen Emissionshandels und aus einem Teil der nationalen CO2-Bespreisung für Wärme und Verkehr.
Bisher trug auch die EEG-Umlage bei den Stromkundinnen und -kunden zur Finanzierung der Energiewende bei. Sie müssen seit dem 1. Juli 2022 keinee EEG-Umlage mehr bezahlen. Die EEG-Umlage wird 2023 vollständig abgeschafft.

Es bleibt beim Ende der Kernenergie

Die Bundesregierung bleibt dabei: Bis Ende 2022 steigt Deutschland aus der Kernenergie aus. Ihre Nutzung ist nicht nachhaltig und wirtschaftlich auch nicht sinnvoll. Erhebliche Investitionen wären nötig, um mit neuen Kernkraftwerken die Stromversorgung zu gewährleisten.

Es sei ein „teurer Weg“, bei dem viele Dinge ungeklärt seien. Dazu gehörten die Entsorgungs- und immer noch die Sicherheitsfrage. „Weil das eine solche Gefahr ist, hat sich Deutschland entschieden, aus der Nutzung der Atomkraft auszusteigen“, sagte Bundeskanzler Olaf Scholz am 12. Januar im Bundestag.