Energie

Moderne Kraftwerke schlagen Brücke ins regenerative Zeitalter

Die konventionelle Stromerzeugung bleibt mittelfristig im deutschen Energiemix unverzichtbar. Denn die Energiewende und eine zuverlässige und bezahlbare Energieversorgung sind kein Gegensatzpaar. Sie gehören zusammen.

Braunkohlekraftwerk Schkopau bei Halle (Sachsen-Anhalt)

Braunkohlekraftwerk Schkopau

Foto: transit / Busse

Bis zum Jahr 2022 wird Deutschland vollständig aus der Kernenergie aussteigen. Zentraler Baustein für unsere zukünftige Energieversorgung ist daher der zügige Ausbau erneuerbarer Energien.

Allerdings steht der dadurch erzeugte Strom nicht gleichmäßig zur Verfügung. Sonnenkollektoren und Windräder helfen nur, wenn die Sonne scheint oder der Wind weht.

Die Gesamtleistung aller Kraftwerke in Deutschland beträgt rund 213 Gigawatt (Stand: Dezember 2016). Rund die Hälfte davon als gesicherte Leistung, das heißt mit 99-prozentiger Wahrscheinlichkeit immer verfügbar. Das Angebot an dieser Leistung stellen fast ausschließlich die konventionellen Kraftwerke.

Der Wirkungsgrad moderner Kraftwerke hat sich jedoch deutlich verbessert. So können Kohlekraftwerke - dank verbesserter und moderner Technik - inzwischen Wirkungsgrade von über 40 Prozent erzielen. Die Wirkungsgrade von Erdgas-Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerke sind inzwischen schon deutlich höher und erreichen heute bereits über 60 Prozent. Das bedeutet, dass bei gleichem Einsatz von Kohle und Gas heute mehr Strom bzw. Wärme erzeugt wird als früher.

Standort Deutschland sichern

Langfristig sollen solche Schwankungen mit Hilfe neuer Technologien ausgeglichen werden, zum Beispiel durch neue Speichermöglichkeiten für Strom. Kurz- und mittelfristig benötigen wir aber ausreichend Kraftwerke, um kontinuierlich Strom zu erzeugen und auf Netzschwankungen flexibel reagieren zu können.

Deshalb sind für diesen Zeitraum Investitionen in hochmoderne Kohle- und Gaskraftwerke erforderlich, die als konventionelle Kraftwerke mit fossilen Brennstoffen arbeiten. Dieses Vorgehen ist notwendig, um Deutschland als starken Wirtschaftsstandort mit seiner großen Zahl an Arbeitsplätzen zu sichern.

Kraftwerkskapazitäten erhalten

Die konventionellen Kraftwerke erzielen auf Strommarkt, wie er bislang geregelt war, jedoch geringere Erträge als früher. Ein größeres Stromangebot, unter anderem dank der erneuerbaren Energien, die vorrangig verkauft werden, führt dazu, das die Kraftwerke ihren Strom seltener verkaufen und der Strompreis insgesamt sinkt.

Das Bundeswirtschaftsministerium hatte dazu eine gesellschaftliche Debatte über eine Neuregelung des Strommarkts angestoßen. Im Kern ging es darum, herauszufinden, wie Kraftwerksbetreiber einen fairen Ausgleich dafür bekommen können, dass sie Strommengen oder Stromerzeugungskapazitäten bereithalten, auch wenn sie teilweise nicht abgerufen und verkauft werden. Gleichzeitig war Thema, wie Anreize so gesetzt werden können, dass Überkapazitäten auf dem Strommarkt beseitigt werden. Rund 700 Stellungnahmen von Behörden, Verbänden, Gewerkschaften, Unternehmen und Bürgern sind eingeflossen in ein "Weißbuch", das im Juli 2015 erschien.

Neues Strommarktdesign beschlossen

Auf Grundlage dieser Diskussion hat die Bundesregierung das Strommarktgesetz beschlossen, das im August 2016 in Kraft getreten ist und ein sogenanntes neues "Strommarktdesign" schafft. Es ist auch Teil der 10-Punkte-Energieagenda des Bundeswirtschaftsministeriums, die den Fahrplan der Energiewende skizziert. Das Gesetz bereitet den Weg für einen Markt, auf dem Erzeugung, Nachfrage und Speicher miteinander konkurrieren und so für einen ausgeglichenen Betrieb des Strommarktes führen sollen. Stromhändler, die Strom verkaufen, müssen eine gleichgroße Menge beschaffen und zeitgleich ins Netz einspeisen. So sichert der Markt die Stromversorgung. Die freie Preisbildung sorgt auf diesem Markt für die richtigen und zielgenauen Investitionen in benötigte Kapazitäten.

Gleichzeitig schafft das Gesetz eine "Sicherheitsbereitschaft", die sogenannte Kapazitätsreserve: Ältere Braunkohlekraftwerke springen nur noch ein, wenn Not am Mann ist und sorgen so gleichzeitig für Sicherheit am Strommarkt und Einsparung von Treibhausgasen. Sie werden im Anschluss an diese Regelung Schritt für Schritt still gelegt.

Digitalisierung hilft dem Strommarkt

Als weiteres wichtiges Gesetzesvorhaben ist das Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende vom August 2016. Die flexible Anpassung von Stromverbrauch und Stromerzeugung ist eine der Herausforderungen der Energiewende. Intelligente Messsysteme und intelligente Netze helfen dabei, den Strom im Netz auszubalancieren. Gleichzeitig sorgt das neue Gesetz für ein europaweit beispielhaftes Datenschutzniveau.

Ergebnisse unter die Lupe nehmen

Das Bundeswirtschaftsministerium kümmert sich auch weiterhin um eine Umsetzung der Energiewende auch im Gespräch mit wichtigen Akteuren. Das Plenum der "Plattform Strommarkt" etwa setzt sich aus Vertretern von Behörden, Verbänden, Nicht-Regierungs-Organisationen sowie wissenschaftlichen Einrichtungen zusammen und tagt in regelmäßigen Abständen. Im Plenum werden die wesentlichen Ergebnisse der einzelnen Arbeitsgruppen vorgestellt und diskutiert. Sie nehmen die Erzeugungskapazitäten, Entwicklungen und Hindernisse innerhalb der deutschen Energiewende genau unter die Lupe. Der jährliche Monitoring-Bericht der Bundesregierung überprüft die Umsetzung der Energiewende mit Blick auf eine sichere, wirtschaftliche und umweltverträgliche Energieversorgung.

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