Atommüll-Endlagerung - eine Generationenaufgabe

Ausstieg aus der Kernenergie Atommüll-Endlagerung - eine Generationenaufgabe

Deutschland hatte 2011 beschlossen, schrittweise aus der Nutzung der Kernenergie zur Stromerzeugung auszusteigen. Das letzte Kernkraftwerk soll spätestens 2022 vom Netz gehen. Doch wohin mit den radioaktiven Abfällen? Die Suche nach einem geeigneten und sicheren Standort ist eine Generationenaufgabe und geht über bisherige und künftige Regierungen hinaus.

Endlager für radioaktive Abfälle Morsleben

Radioaktive Abfälle: Bis 2031 soll der Standort für die Endlagerung feststehen.

Foto: Thomas Imo/photothek.net

Entscheidend dafür war eine Neubewertung der Risiken: Die nukleare Katastrophe im japanischen Fukushima im selben Jahr machte deutlich, dass es unabsehbare Restrisiken gibt. Die von der Bundesregierung 2011 eingesetzte Ethikkommission "Sichere Energieversorgung" kam daher zu dem Ergebnis, die nukleare Erzeugung von Elektrizität lasse sich durch risikoärmere Technologien ökologisch, wirtschaftlich und sozial verträglich ersetzen.

Stromversorgung gesichert

Die Produktionskapazitäten der bereits stillgelegten Kernkraftwerke konnten durch bestehende Reserven ersetzt werden. Die verbleibenden Kernkraftwerke werden in den nächsten Jahren nach und nach durch den Zuwachs der erneuerbaren Energien, die bereits im Bau befindlichen fossilen Kraftwerke, Lastmanagement, Stromspeicher und zusätzliche hocheffiziente und flexible Gaskraftwerke (Kraft-Wärme-Kopplung, Gas-und-Dampf-Kraftwerke, Gasturbinen) ersetzt.

Rückbau

Der Rückbau eines nicht mehr betriebenen Kernkraftwerks ist – dem Verursacherprinzip entsprechend – Aufgabe des Betreibers. Er entwickelt hierzu zunächst ein Stilllegungskonzept und beantragt eine Genehmigung nach Paragraph 7 Absatz 3 des Atomgesetzes bei der zuständigen Landesbehörde. Die Kosten des Rückbaus muss er selbst tragen und hierfür während des Betriebs des Kernkraftwerkes in den Bilanzen Rückstellungen bilden. Diese setzen sich aus der gesamten Vermögensmasse der betreffenden Unternehmen zusammen. Zu den Rückbaukosten gehören auch die Kosten für die Entsorgung der bestrahlten Brennelemente und radioaktiven Abfälle einschließlich deren Endlagerung.

Standortauswahl für ein Endlager

Die Bundesregierung stellt sich der Verantwortung einer geordneten Entsorgung der hoch radioaktiven Abfälle. Mit dem Energiekonzept vom 6. Juni 2011 hatte die damalige Bundesregierung entschieden, ein neues, an geologischen Kriterien orientiertes Verfahren zur Standortsuche zu entwickeln. Nach der Einigung von Bundesregierung, Länder und Fraktionen über wesentliche Fragen ist das Standortauswahlgesetz am 24. Juli 2013 in Kraft getreten. Dies war der Beginn einer neuen Standortsuche für ein Endlager für insbesondere hoch radioaktive Abfallstoffe.

Um die Standortauswahl vorzubereiten, setzte der Deutsche Bundestag 2014 die „Kommission Lagerung hoch radioaktiver Abfallstoffe“ ein. Deren Vorschläge und Handlungsempfehlungen wurden in dem im Mai 2017 in Kraft getretenen "Gesetz zur Fortentwicklung des Standortauswahlgesetzes" umgesetzt. Ziel des Gesetzes ist eine offene, wissenschaftsbasierte und transparente Suche eines Endlagerstandortes nach dem Prinzip der "weißen Landkarte". Das heißt, keine Region wird von vornherein ausgeschlossen. Geplant ist, dieses Verfahren bis zum Jahr 2031 abzuschließen. Ab 2050 soll der Atommüll am endgültigen Standort eingelagert werden.

Wie erfolgt die Standortsuche?
In drei Phasen werden die Suchräume zunehmend eingeengt. Die Vorschläge der Bundesgesellschaft für Endlagerung mbH (BGE) werden am Ende jeder Phase vom Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) geprüft. Auf dieser Basis unterrichtet das Bundesumweltministerium den Bundestag und den Bundesrat über die jeweils vorgeschlagenen weiteren Schritte. Die jeweiligen Phasen enden mit einem Bundesgesetz.
Mehr Informationen dazu im Internetangebot des Bundesumweltministeriums.

Erster Zwischenbericht zur Endlagersuche vorgelegt

90 Teil-Gebiete in Deutschland weisen günstige geologische Voraussetzungen auf für ein künftiges Atommüll-Endlager. Dies geht aus einem am 28. September 2020 vorgelegten ersten Zwischenbericht der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) hervor. Dies bedeutet jedoch noch keine Vor-Festlegung auf eine endgültige Standortentscheidung. Der Bericht zeigt aber auch, dass es Gebiete in Deutschland gibt, die aufgrund ungünstiger geologischer Bedingungen aus Sicht der BGE im weiteren Verfahren nicht in eine Standortauswahl miteinbezogen werden.

Weiteres Verfahren

Das Standortauswahlgesetz misst der frühzeitigen Einbindung der Öffentlichkeit im Auswahlverfahren für einen endgültigen Atommüll-Endlagerstandort einen hohen Stellenwert bei. Der vorgelegte Zwischenbericht ist daher die Grundlage einer intensiven Öffentlichkeitsbeteiligung, die bis weit in das Jahr 2021 reicht. Dafür hat das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) eine Veranstaltungsreihe "Fachkonferenz Teilgebiete" eingerichtet. Die Ergebnisse der einzelnen Veranstaltungen werden der BGE für das weitere Vorgehen in der Standortauswahlsuche vorgelegt. Ziel ist es, die Teilgebiete weiter einzugrenzen und Empfehlungen zu erarbeiten, welche Regionen in der zweiten Verfahrensphase näher betrachtet werden sollen.

Großes Interesse an Endlagersuche

Der Suchprozess nach einem Endlager für den hochradioaktiven Atommüll stößt bei der Bevölkerung auf großes Interesse. Dies sei vorrangig auf die Veröffentlichung des ersten  Zwischenberichts Teilgebiete am 28. September 2020 zurückzuführen, so die BGE. Auch Informationen rund um die geplante Rückholung des Atommülls aus dem Bergwerk Asse im Kreis Wolfenbüttel seien häufig abgefragt worden. Die BGE hatte in diesem Jahr erstmals dargestellt, wie die 126.000 Fässer mit radioaktiven Abfällen geborgen werden könnten.

Außer der Schachtanlage Asse II betreibt die BGE noch das frühere DDR-Endlager Morsleben in Sachsen-Anhalt. Darüber hinaus baut sie das ehemalige Eisenerzbergwerk Schacht Konrad in Salzgitter zu einem Bundesendlager für schwach und mittelradioaktiven Atommüll aus.

Castoren

In Frankreich und Großbritannien lagert verglaster radioaktiver Abfall aus deutschen Wiederaufarbeitungsanlagen. Die deutschen Betreiber müssen diese Abfälle in insgesamt 26 Castoren zurücknehmen. Vereinbart war, die Castoren in drei Bundesländern zu lagern. Bisher signalisierten Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg eine entsprechende Bereitschaft. Beim Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE) liegen Anträge der deutschen AKW-Betreiber vor, die Atomabfälle aus der Wiederaufarbeitung deutscher Brennelemente in standortnahe Zwischenlager einlagern zu dürfen. Die von der Rückführung betroffenen Standortgemeinden Philippsburg, Biblis, Brokdorf und Isar wurden im Vorhinein über die bevorstehenden Antragstellungen informiert.