„Es braucht bei aller Zuversicht weiterhin Umsicht und Vorsicht“

Foto zeigt Spahn und Wieler.

Bundesgesundheitsminiser Spahn (r.) mit RKI-Präsident Wieler: Fast ein Drittel der Bevölkerung ist mindestens einmal geimpft.

Foto: AFP/Getty Images

Wegen des umsichtigen Verhaltens der Bürgerinnen und Bürger und der Wirkung der Bundesnotbremse sinken die Infektionszahlen mit dem Coronavirus – das sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn am Freitag bei einer Pressekonferenz zur aktuellen Lage. Jedoch würden sich diese noch immer auf hohem Niveau befinden.

Der Abwärtstrend müsse nun verstetigt und ein Wiederanstieg der Zahlen verhindert werden, so Spahn. „Das geht aber nicht mit vorschnellen Lockerungen“, sagte er. Diese würden auch ein Risiko in sich tragen. Wenn es Lockerungen gebe, dann am besten in Außenbereichen und zusammen mit Testmöglichkeiten. Ein Infektionsrisiko sei draußen geringer als drinnen.

Das Erreichte nicht verspielen

„Jetzt geht's darum, in den nächsten Wochen noch gemeinsam durchzuhalten“, so der Minister. „In dieser Phase der Pandemie geht es tatsächlich darum, das Erreichte nicht zu verspielen.“ Bei aller Zuversicht brauche es weiterhin Umsicht und Vorsicht. „Zuviel Ungeduld dagegen würde nur dem Virus helfen.“ Nach Angaben des Robert Koch Instituts (Stand Freitag) sank die bundesweite Zahl der gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen weiter auf nun 125,7. Vor einer Woche waren es 153,4.

Mehr Flexibilität beim Impfen

„Unser Gesundheitswesen ist zwar stark gefordert, aber zu keinem Zeitpunkt überfordert gewesen“, sagte der Bundesgesundheitsminister. Zugleich gebe es deutliche Fortschritte bei den Impfungen. Mit Stand vom Freitag haben 31,5 Prozent der Bürgerinnen und Bürger bereits eine Erstimpfung erhalten, 8,8 Prozent den vollen Impfschutz. Kommende Woche werde jeder Dritte einmal geimpft sein.

Für Corona-Schutzimpfungen mit dem Impfstoff von Astrazeneca wird die Priorisierung aufgehoben. Das entschieden Bund und Länder am Donnerstag. Das bedeutet: Wer mit dem Vakzin geimpft wird, liegt nun im ärztlichen Ermessen – nach eigener Risikoabwägung, nach Aufklärung und Absprache mit dem Arzt. Kommende Woche werden mehr als eine Million AstraZeneca-Dosen an die Hausärzte geliefert. Mehr Informationen zur Corona-Impfung finden Sie in unseren Fragen und Antworten.

Zielmarke: Impfquote von mindestens 80 Prozent

Die gegenwärtige Entwicklung mit sinkenden Inzidenzen in allen Altersgruppen und steigender Impfquote sei sehr positiv, sagte RKI-Präsident Lothar Wieler und ergänzte: „Die steigende Impfquote wird in absehbarer Zeit sehr spürbare Erleichterungen bringen.“ Kontaktreduzierungen und Impfungen hätten es geschafft, dass der R-Wert sinke. Allerdings sei auf den Intensivstationen noch keine Erleichterung zu spüren. Wieler erinnerte daran, dass die Pandemie noch immer in vollem Gange sei.

In der Debatte um umfangreiche Lockerungen der Corona-Einschränkungen sagte Wieler: Es müssten deutlich über 80 Prozent der Bürgerinnen und Bürger gegen das Virus immunisiert sein. Dann werde es zwar noch Infektionen und lokale Ausbrüche geben, aber keine neuen Wellen. Es gebe Hoffnung, „dass wir die Pandemie bald kontrollieren können“. Dennoch sind neben den weiterlaufenden Impfungen auch immer noch weitere Maßnahmen zur Kontaktreduktion nötig – etwa die Einhaltung der bekannten Regeln wie Abstand halten, Hygiene, Mundschutz tragen und lüften.

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