Wie aus Narrativen eine Desinformation wird

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Russische Desinformationskampagnen Wie aus Narrativen eine Desinformation wird

Seit Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine haben Desinformationskampagnen von russischer Seite massiv zugenommen. Die Task Force des Europäischen Auswärtigen Dienstes analysiert seit 2015 russische Desinformation und zeigt auf, welche Narrative dabei wiederholt verwendet werden.

3 Min. Lesedauer

Logo EU vs DISINFO

Die Einheit des EAD analysiert Medien in 15 Sprachen und widmet sich russischer Desinformation im Kontext des Kriegs in der Ukraine.

Foto: www.euvsdisinfo.eu

Russische Propaganda und Desinformationskampagnen – in diesen Zeiten fast täglich ein Thema. In einigen Medien wird aktuell davor gewarnt, dass nachgemachte und gefälschte Medienseiten pro-russische Propaganda publizieren und hunderte Fake-Accounts in Sozialen Medien existieren.

Seit Kriegsbeginn in der Ukraine sind Deutschland und Europa einmal mehr mit russischer Desinformation konfrontiert. Besonders auffällig ist, dass beispielsweise russische Auslandsvertretungen oder russische Staatsmedien über Social-Media-Kanäle kontinuierlich wiederkehrende Narrative verwenden. 

Narrative sind Gesamtbotschaften, die durch einzelne Texte, Bilder und Videos durch Fake-Accounts in den Sozialen Netzwerken oder auf vermeintlichen Nachrichtenportalen verbreitet und ständig wiederholt werden. Einzelne Meldungen zahlen so immer auf eine Botschaft, ein Narrativ ein. Einige dieser Erzählungen werden schon seit vielen Jahren verwendet und je nach aktuellen Ereignissen und Einstellungen kombiniert oder verändert.  

Die East StratCom Task Force des Europäischen Auswärtigen Dienstes (EAD) wurde 2015 ins Leben gerufen, um Russlands zahlreichen Desinformationskampagnen entgegenzuwirken. Aufgabe der Taskforce ist es, regelmäßig und systematisch öffentlich zugängliche Quellen auszuwerten und gezielte falsche Informationen zu identifizieren, analysieren und dokumentieren. Auf der zugehörigen Webseite EuvsDisinfo informiert das Team in Brüssel über seine Analysen zu russischer Desinformation und stellt fünf zentrale kremlfreundliche Narrative heraus:

Narrativ Eliten gegen das Volk 

Mit dem Narrativ Eliten gegen das Volk  wird eine Elite für Missstände jeglicher Art verantwortlich gemacht. Die Befürworter des Narrativs behaupten, die Stimme des einfachen Volkes zu sein und für die entrechteten Bürger einzutreten, indem sie der Elite entgegentreten. Zwar erweckt dieses Narrativ laut Taskforce den Anschein, mit den einfachen Menschen zu sympathisieren, doch ist es in seinen Grundzügen  antidemokratisch. 

Narrativ Bedrohte Werte – Russland, der Hüter von Anstand und Moral

Zur Kritik an fortschrittlichen westlichen Werten wie den Rechten von Frauen, ethnischen und religiösen Minderheiten oder der LGBTQ-Community dient das Narrativ Bedrohte Werte . Die westliche Welt zerstört laut kremlfreundlichen Desinformationsstellen durch Dekadenz, Feminismus und politische Überkorrektheit grundlegende Werte. Russland hingegen sei der Hüter von Anstand und Moral, ergibt die Analyse der Taskforce.

Narrativ Verlorene Souveränität/bedrohte Nationalidentität

Das Narrativ der verlorenen Souveränität  beziehungsweise der bedrohten Nationalidentität gilt als Erzählung der Entmachtung. Bestimmten Ländern wird dabei ihre Souveränität abgesprochen. Mächtige Außenseiter, wie der Westen, würden sie lenken und in ihre Abhängigkeit bringen. Dadurch seien die nationale Identität und ihre Souveränität bedroht.

Narrativ Der drohende Kollaps

Die Taskforce hat zudem das Narrativ Der drohende Kollaps  identifiziert. Kremlnahe Desinformation zeichnet Geschichten rund um den angeblichen Zusammenbruch von einzelnen westlichen Ländern oder der gesamten EU. Ziel dieses Narrativs ist es, das Leben in Russland, das nicht vor dem Zusammenbruch stehe, gegenüber dem Leben in anderen Ländern hervorzuheben und so den russischen Staat zu legitimieren.

Narrativ Die Hahaganda

Das Konzept der Hahaganda  ist laut Taskforce eines der trügerischsten Instrumente der Desinformation. Dieses Narrativ basiert auf der Verhöhnung von Institutionen und Politikerinnen und Politikern, indem man sich über zugehörige Themen oder Personen lustig macht beziehungsweise diese ins Lächerliche zieht. Ziel ist es, die Glaubwürdigkeit und den Ruf der Institution und Person zu untergraben. Russische und kremlfreundliche Desinformationskanäle bezeichnen antiwestliche Äußerungen als Satire oder Ironie und wollen sie so unangreifbar machen. 
 

Weitere Analysen zu russischer Desinformation

Aktuelle Desinformation zu den Entwicklungen in der Ukraine deckt die Task Force hier in englischer Sprache auf. Einzelne Texte sind auf Deutsch abrufbar.

Das Bundesinnenministerium listet Beispiele für Desinformation auf, die die russische Regierung im Zusammenhang mit ihrem Angriffskrieg gegen die Ukraine kontinuierlich über verschiedene Kanäle in Deutschland verbreitet und entgegnet diesen.

Aktuelle Berichte der Sonderbeobachtungsmission der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) aus der Ukraine auf Englisch, Russisch und Ukrainisch finden Sie auf der Webseite der OSZE .