Fragen und Antworten
Die Stromversorgung in Deutschland gehört zu den sichersten weltweit. Beim Heizen und im Verkehr läuft immer mehr elektrisch – wird dadurch ein Strommangel wahrscheinlicher? Szenario Stromausfall – wie groß ist das Risiko?
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Hochspannungsmasten leiten Strom. Längere und flächendeckende Stromausfälle drohen in der Regel nur dann, wenn sie, beispielsweise bei einem Unwetter, beschädigt werden.
Foto: imago images/imagebroker/Lilly
Eine sichere Stromversorgung ist für unseren Alltag essenziell – und zentraler Standortfaktor für die Wirtschaft. Das Stromnetz in Deutschland ist seit vielen Jahren eines der zuverlässigsten in Europa. Energie wird immer effizienter genutzt und teilweise eingespart; gleichzeitig wird die Bedeutung von Elektrizität in Zukunft anwachsen. Denn wo Verbrennungsprozesse mit Öl und Gas wegfallen, werden sie oft durch elektrische Alternativen ersetzt – Beispiele sind das E-Auto oder Wärmepumpen.
Klar ist: Die Energieversorgung in Deutschland ist sehr sicher. Doch wie hoch ist das Risiko, dass der Strom dennoch ausfällt? Was passiert dann? Und zeigen Preisspitzen an den Strombörsen und Stromimporte aus dem Ausland nicht, dass wir uns doch um die Stromversorgung in Deutschland sorgen müssen? Antworten auf die wichtigsten Fragen.
Ein großflächiger Stromausfall wird auch „Blackout“ genannt und betrifft viele Menschen gleichzeitig. Die Gründe für „Blackouts“ sind vielfältig. Oft sind Unwetter wie Stürme, Gewitter oder heftiger Schneefall die Ursache: Durch sie können wichtige Strom- oder Hochspannungsleitungen beschädigt oder zerstört werden. Ein längerer und flächendeckender Stromausfall kann die Folge sein. Das betrifft dann nicht nur Haushalte, sondern auch Unternehmen, Krankenhäuser, Schulen und alle anderen Stromempfänger.
Ein Stromausfall kann zudem entstehen, wenn das Stromnetz aus dem Gleichgewicht gerät: In das Netz muss immer genauso viel Strom eingespeist werden wie entnommen wird. Wenn das nicht passiert, greifen zunächst Sicherheitsmechanismen, die das Netz normalerweise stabilisieren. Nur bei sehr unerwarteten und starken Schwankungen helfen diese Sicherheitsmaßnahmen nicht.
Davon abzugrenzen sind kurze Stromausfälle, die immer wieder auftreten können – etwa aufgrund der Beschädigung eines Stromkabels bei Bauarbeiten. Sie sind lokal sehr begrenzt und dauern in der Regel nur wenige Minuten oder Stunden an.
Deutschlands Stromnetz gehört zu den sichersten und stabilsten weltweit. Großflächige und langanhaltende Stromausfälle hat es in der Vergangenheit in Deutschland nur äußerst selten gegeben. Sie bleiben auch weiterhin sehr unwahrscheinlich. Etwas häufiger, aber immer noch sehr selten kommt es zu kurzen und lokal begrenzten Stromausfällen.
Die Bundesregierung arbeitet gemeinsam mit der Bundesnetzagentur (BNetzA) kontinuierlich an einer sicheren Energieversorgung. Dies gilt auch für die Krisenvorsorge im Bereich Strom. Derzeit wird beispielsweise präventiv die „Sicherheitsplattform Strom“ im Auftrag der Bundesnetzagentur aufgebaut, um im Ernstfall schnell handeln zu können.
Die digitale Plattform soll die Kommunikation und Koordination im Falle einer Energiemangellage verbessern. Sie ergänzt Prozesse der Übertragungs- und Verteilnetzbetreiber und sorgt für eine bessere Krisenvorsorge durch klare Regeln und eine effizientere digitale Koordination der Beteiligten. Beispielsweise soll mit der Plattform im Fall einer Energiemangellage verhindert werden, dass Industrieprozesse kurzfristig und unvorhersehbar abgeschaltet werden und damit eventuell geschädigt werden.
Deutschland hat eines der sichersten Stromnetze der Welt – dank zahlreicher Sicherungsmechanismen. Unter anderem stellt das „n-1-Prinzip“ sicher, dass der Strom beim Ausfall einer Leitung auf einem anderen Weg fließen kann und das Stromnetz weiterfunktioniert. Zudem gibt es Kraftwerke, die darauf ausgelegt sind, das Stromnetz im Notfall schnell wieder aufzubauen und hochzufahren.
Wichtig für die Sicherheit der Energieversorgung ist auch, die Stromproduktion sicherzustellen und einseitige Abhängigkeiten bei der Gasversorgung zu vermeiden. Das war eine der wichtigsten Lehren aus dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine, der in Deutschland aufgrund ausbleibender russischer Gaslieferungen eine Energiekrise zur Folge hatte. Deutschland hat sich seit 2022 breiter aufgestellt und bezieht die Energieträger aus verschiedenen Quellen. Ziel der Bundesregierung ist es, die Abhängigkeiten im Energiebereich insgesamt zu reduzieren und damit die Energiesicherheit zu erhöhen. Dazu gehören neben dem Ausbau der erneuerbaren Energien auch die Erschließung und Nutzung heimischer Energiequellen, einschließlich ausgewählter konventioneller Gasvorkommen. Bisher deckt Deutschland nur einen sehr geringen Teil seines Gasbedarfs aus eigenen Quellen.
Zur Energieunabhängigkeit und damit zur Versorgungssicherheit trägt auch der steigende Anteil erneuerbarer Energien bei. So wurden 2025 in Deutschland über 55 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien erzeugt. Diesen Ausbau will die Bundesregierung weiter beschleunigen: Bis 2030 sollen 80 Prozent Strom aus erneuerbaren Energien gewonnen werden.
Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ist das zentrale Instrument, um eine treibhausgasneutrale und sichere Stromversorgung mit regenerativen Energien zu erreichen. Die Bundesregierung hat kürzlich eine Novelle des Gesetzes im Kabinett beschlossen. Zudem ist am 22. Juli 2026 das „Strom-Versorgungssicherheits- und Kapazitätengesetz“ (StromVKG) in Kraft getreten. Damit soll sichergestellt werden, dass auch in Zukunft ausreichend flexible Kapazitäten auf dem Strommarkt verfügbar sind. So soll weiterhin jederzeit eine stabile Versorgung im Stromsystem gewährleistet bleiben – auch wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht.
Mehr erneuerbare Energien im Strommix bedeuten auch: mehr Anlagen als früher, die Strom einspeisen und wetterabhängige Stromerzeugung. Um das Stromsystem trotz dieser Schwankungen weiterhin stabil zu halten, braucht es steuerbare Kapazitäten, die im Bedarfsfall einspringen.
Das StromVKG führt daher einen sogenannten Kapazitätsmarkt ein. Damit soll der Bedarf für eine sichere Versorgung mit Strom ab 2031 gedeckt werden. Bereits in den nächsten zwölf Monaten sollen steuerbare Kapazitäten im Umfang von insgesamt elf Gigawatt ausgeschrieben werden – also Stromkapazitäten, die flexibel ein- und ausgeschaltet werden können. In den Jahren 2027 und 2029 werden zwei weitere Ausschreibungen folgen.
Ein Kapazitätsmarkt entlohnt Anbieter schon für die Bereithaltung von Leistung und nicht erst, wenn der von ihrer Anlage produzierte Strom abgenommen wird. Das schafft wichtige finanzielle Anreize für Investitionen in neue Anlagen sowie den Erhalt bestehender Kapazitäten – auch, wenn die Kraftwerke nur wenige Stunden im Jahr benötigt werden. Mit einem Zuschlag gehen aber auch Verpflichtungen einher. Anlagen müssen die zugesicherte Leistung zu relevanten Zeitpunkten nachweislich erbringen und Neuanlagen fristgerecht errichtet werden.
Um den Netzausbau voranzubringen und die Netze zu stabilisieren, hat die Bundesregierung auch das sogenannte Netzanschlusspaket im Kabinett beschlossen, also den Gesetzentwurf zur „Änderung des Energiewirtschaftsrechts zur Synchronisierung des Anlagenzubaus mit dem Netzausbau sowie zur Verbesserung des Netzanschlussverfahrens“. Ziel dieses Netzanschlusspaketes ist es, den Netzausbau kostengünstiger zu gestalten und die Netze zu stabilisieren. Davon profitieren alle Stromverbraucherinnen und -verbraucher, da die ungleiche Verteilung der Stromkapazitäten hohe Kosten erzeugt.
Die Netzanschlusskapazität entwickelt sich zu einem zunehmend knappen Gut, um das verschiedene Nutzergruppen konkurrieren. Ob Batteriespeicher, Rechenzentren oder Industriebetriebe: Sie alle wollen an das Stromnetz angeschlossen werden – möglichst kurzfristig und kostengünstig.
Daher sollen konkrete Anreize gesetzt werden, damit Großspeicher und große Erneuerbaren-Energien-Anlagen dort ausgebaut werden, wo im Netz Bedarf ist – und nicht dort, wo bereits ausreichend Anlagen vorhanden sind. Das Ziel ist dabei ausdrücklich nicht, den Erneuerbaren-Ausbau zu hemmen, sondern ihn regional besser zu verteilen und somit netzverträglicher zu gestalten.
Stromimporte und -exporte sind ein Zeichen für einen funktionierenden europäischen Binnenmarkt und schaffen in ganz Europa Wohlstand. Denn Strom wird immer von dort importiert, wo die Produktion gerade günstiger ist. Deutschland und seine europäischen Partner können so wechselseitig von den jeweils günstigsten Erzeugungsbedingungen profitieren.
Die Strommarktdatenplattform der Bundesnetzagentur (SMARD) gibt Auskunft darüber, wie hoch die Stromimporte nach Deutschland konkret sind: Im Jahr 2025 importierte Deutschland insgesamt 76,2 TWh, ein Rückgang um 1,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Gleichzeitig exportierte Deutschland 54,3 TWh Strom, 11,1 Prozent mehr als im Vorjahr. Daraus ergibt sich ein Nettoimport von 21,9 TWh, im Vorjahr waren es 28,3 TWh.
Zwischenzeitliche Ausschläge an den Strombörsen sind nichts Ungewöhnliches und kein Grund zur Besorgnis. Es gibt an den Strombörsen immer Schwankungen und wetterbedingte sowie saisonale Effekte.
In der Regel werden Stromausfälle innerhalb weniger Stunden behoben. In Notsituationen, insbesondere wenn Stromleitungen nach einem Unwetter beschädigt werden, kann es auch Tage dauern, bis der Strom wieder verfügbar ist. In diesen sehr seltenen Fällen ist die private Vorsorge wichtig.
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe informiert dazu, wie sich die Bürgerinnen und Bürger auf die Auswirkungen eines möglichen Stromausfalls vorbereiten können. In Notfällen unterstützt der Bund vor Ort mit Bundespolizei, THW und Bundeswehr – wie etwa im Januar 2026 bei dem Stromausfall in Berlin nach einem Kabelbrand.
Einen detaillierten und tagesaktuellen Blick auf Stromerzeugung und -verbrauch, Großhandelspreise sowie den grenzüberschreitenden Stromhandel ermöglicht SMARD, die Informationsplattform der Bundesnetzagentur über den deutschen Strommarkt.