100 Jahre Sozialverband

Mit Herz und Verstand für soziale Belange

Bundeskanzlerin Merkel hat den Sozialverband Deutschland als "kompetenten Mitstreiter" in der Politik gewürdigt. Der Verband lebe soziale Verantwortung und zeichne sich durch unermüdliches Engagement für Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit aus, unterstrich die Kanzlerin bei einem Festakt zum 100-jährigen Bestehen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht auf dem Festakt "100 Jahre Einsatz für soziale Gerechtigkeit" des Sozialverbands Deutschland e.V.

Merkel: "Soziale Verantwortung lässt sich nicht einfach verordnen, sondern setzt Engagement voraus".

Foto: Bundesregierung/Steins

Soziale und wirtschaftliche Folgen eines Krieges wurden 1917 erstmals zu einem millionenfachen Schicksal. In diese Zeit hinein gründete sich der "Reichsbund". Den Versehrten zu helfen, "allen Schwierigkeiten zum Trotz ein Leben in Würde führen zu können", war sowohl ein zutiefst menschliches Anliegen als auch Inspiration zur Verbandsgründung. Das betonte Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrer Rede zum 100-jährigen Bestehen des Sozialverbands Deutschland (SoVD).

Die Gründung des heutigen SoVD geht maßgeblich auf Erich Kuttner zurück. Als verwundeter Soldat lag Kuttner 1916 im Lazarett. Ansprüche auf ein existenzsicherndes Auskommen hatten die Kriegsversehrten nicht. Um für eine bessere Versorgung einzutreten, gründete Kuttner den heutigen Sozialverband Deutschland. Im Dritten Reich wurden Kuttner als Widerstandskämpfer von den Nationalsozialisten verhaftet und 1942 im Konzentrationslager ermordet.

Herausforderungen änderten sich

Die Idee zündete: Bereits 1919 zählte der "Reichsbund der Kriegsopfer" rund 500.000 Mitglieder. Der Selbstauflösung im Jahr 1933 folgte seine Wiederbelebung ein Jahr nach Ende des Zweiten Weltkrieges. Seitdem verfolgt er die sozialpolitische Entwicklung der Bundesrepublik. Nach der Deutschen Einheit wurde der Reichsbund auch in den neuen Bundesländern wieder aufgebaut. Seit 1999 nennt er sich "Sozialverband Deutschland".

Die Herausforderungen und die Lebensumstände hätten sich im Laufe der Jahre verändert. Die Idee eines zu seinem Glück vereinten Europa sei für die Menschen 1917 "völlig undenkbar" gewesen, so Merkel. Doch bei allem Wandel zeichne sich der SoVD unverändert durch sein "unermüdliches Engagement für Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit" aus, so Merkel.

Gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt wichtig

In seinen Gründungsjahren sei es ein Kernanliegen des Verbandes gewesen, dass Arbeitsplätze für Kriegsversehrte entstehen. "Damals wie heute ermöglicht Arbeit den Lebensunterhalt eigenständig zu finanzieren. Aber Arbeit wirkt zusätzlich sinn- und identitätsstiftend", unterstrich die Kanzlerin.

Gute wirtschaftliche Rahmenbedingungen seien deshalb auch sozialpolitisch von großer Bedeutung. Steigende Beschäftigungszahlen und Reallöhne seien deshalb genauso gut wie der deutliche Abbau der Arbeitslosigkeit. Doch auch künftig müssten gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt Ziel der Politik bleiben.

Veränderungen aktiv gestalten

Die Bundesregierung nehme die Sorge vieler Menschen angesichts der Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt, etwa durch den digitalen Wandel, sehr ernst. Doch Stillstand würde zu Wohlstandverlusten führen. Deshalb gelte es, Veränderungen aktiv zu gestalten – "entsprechend unseren Werten und Interessen", so Merkel.

Der SoVD hat heute rund 565.000 Mitglieder. Er ist in zwölf Landesverbänden und 2.300 Ortsverbänden organisiert. Seit 2003 führt Adolf Bauer den Verband als Präsident. Der SoVD versteht sich als überparteiliche sozialpolitische Interessenvertretung. Seinen Mitgliedern bietet er Beratung in sozialrechtlichen Fragen, aber auch Möglichkeiten der Freizeitgestaltung oder Gruppenreisen an.

Soziale Verantwortung lasse sich nicht verordnen, betonte die Kanzlerin: "Sie setzt Engagement von Menschen voraus". Der Sozialverband lebe dieses Engagement vor und fördere es. "Sie richten Ihren Blick immer gezielt auf genau diejenigen, die Hilfe brauchen", dankte die Kanzlerin dem Verband. Sie wünsche sich den SoVD weiterhin als kompetenten Mitstreiter, der sich "mit Herz und Verstand gleichermaßen für die sozialen Belange" einsetze.

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