Fortschrittsbericht im Kabinett

Bioökonomie ist im Alltag angekommen

Deutschland nimmt in der Bioökonomie international eine Spitzenstellung ein. Diese effiziente Wirtschaft verknüpft nachwachsende Rohstoffe mit umweltschonenden Technologien und bietet damit erhebliches Innovationspotential. Die Bundesregierung berichtet über die Fortschritte der Politikstrategie Bioökonomie.

Eine Laborassistentin kontrolliert das Wachstum von Gras und Zuckerrohrpflanzen.

Nachhaltige Pflanzenzüchtung im Labor: Die Bundesregierung fördert diverse Forschungsvorhaben.

Foto: picture alliance / ZB

Fortschreitender Klimawandel, knappe Ressourcen, wachsende Weltbevölkerung und schwindende biologische Vielfalt: Das 21. Jahrhundert birgt eine Fülle von Herausforderungen.

Die Bioökonomie bietet Antworten, die ebenso nachhaltig wie innovativ sind. Sie setzt auf nachwachsende und nachhaltige Rohstoffe und verknüpft Ökonomie mit Ökologie sowie Wirtschaftswachstum mit Nachhaltigkeit. Die Ergebnisse beeindrucken: Algen helfen Treibstoff zu gewinnen; Plastikdübel werden unter anderem aus Rizinusöl hergestellt und Autoreifen aus Löwenzahn. Die Möglichkeiten der Bioökonomie sind groß.

Bioökonomie ist eine besonders rohstoffeffiziente Wirtschaft, die auf erneuerbare Ressourcen anstelle fossiler Rohstoffe setzt. Sie möchte Produkte, Verfahren und Dienstleistungen für alle Bereiche eines modernen, zukunftsfähigen Wirtschaftssystems bereitstellen.

Innovation und Entwicklung

Biobasierte Produkte sind im Alltagsleben fest integriert. Automobilhersteller nutzen Flachs für Teile der Karosserie, Textilhersteller verwenden Reststoffe der Lebensmittelindustrie für neue Hightech-Fasern. Bereits in den 1980er Jahren wurden mit Hilfe von Bakterien neuartige Krebsmedikamente hergestellt. Bierbrauer nutzen seit Jahrhunderten die Wirkung von Hefe zur Herstellung ihres beliebten Getränks.

Für viele Branchen ist der Einsatz nachwachsender Rohstoffe schon heute Routine. An Bedeutung gewinnt Biomasse auch im Energiebereich. Bioenergie ist eine wichtige Säule im Energiemix der Zukunft. Im Fokus der Entwicklung steht hier die effiziente Nutzung von Pflanzenreststoffen. So will man die Konkurrenz mit der Lebensmittelproduktion vermeiden.

Nationale Politikstrategie Bioökonomie

Die Bundesregierung möchte das große Innovationspotential der Bioökonomie für Wertschöpfung und Beschäftigung in Deutschland nutzen. Deshalb hat sie vor drei Jahren die Nationale Politikstrategie Bioökonomie beschlossen. Ziel ist ein Strukturwandel hin zu einer ressourceneffizienten und nachhaltigen Wirtschaft. Die Politikstrategie Bioökonomie definiert dafür Ziele und setzt Prioritäten. So hat beispielsweise die Ernährungssicherheit stets Vorrang vor der Erzeugung von Rohstoffen für Industrie oder Energie.

Der vorgelegte Fortschrittsbericht zeigt: Die Leitgedanken der Strategie sind umgesetzt und wichtige Ziele erreicht. Deutschland nimmt in der Bioökonomie mittlerweile international eine Spitzenstellung ein. Die Bandbreite der geförderten Maßnahmen ist groß. Sie reichen von der Initiative "Eine Welt ohne Hunger" des Entwicklungsministeriums, bis zur geförderten Kooperationen von Wirtschaft und Wissenschaft. Die Initiative "KMU-innovativ: Biotechnologie–BioChance" erleichtert Biotechnologieunternehmen den Start in den Markt. Diverse Forschungsvorhaben beschäftigen sich mit nachhaltiger Pflanzenzüchtung zur Ernährungssicherung und Energiegewinnung. Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Ausbildung von Fachkräften, die die innovative Forschung in den verschiedenen Bereichen der Bioökonomie vorantreiben.

Künftige Prioritäten

Nachhaltige Bioökonomie braucht einen einheitlichen Rahmen, lautet eine Erkenntnis des Fortschrittsberichts. Austausch und Abstimmung zwischen den Akteure bleibt weiterhin wichtig. Die Entwicklung der Bioökonomie hängt nicht allein von Forschung und Wirtschaft ab: Die Akzeptanz durch die Verbraucher ist entscheidend. Sie müssen weiterhin in die Entwicklung einbezogen werden. Zudem werden neue Wachstumsmärkte, innovative Technologien und Produkte identifiziert und die Forschungsagenda weiterentwickelt.

Die Strategie zur Bioökonomie baut auf der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung auf. Sie ist außerdem eng verzahnt mit der "Nationalen Forschungsstrategie Bioökonomie 2030". Diese stellt bis Ende 2016 rund 2,4 Milliarden Euro für Forschungsvorhaben bereit.

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