Vermögensaufbau und Altersvorsorge

Warnhinweis zum Kleinanlegerschutz

Nicht alle auf dem Finanzmarkt tätigen Unternehmen werden kontrolliert und stehen unter staatlicher Aufsicht. Benötigen Anbieter keine Erlaubnis der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) und müssen nur wenige gesetzliche Vorgaben erfüllen, so spricht man vom Grauen Kapitalmarkt. Anleger sind hier besonderen Risiken ausgesetzt.

Beratungsgespräch

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Foto: Colourbox

Mit dem Kleinanlegerschutzgesetz hat die Bundesregierung den Schutz von Anlegern bei Investitionen in Vermögensanlagen auf dem Grauen Kapitalmarkt verbessert. Mit dem Gesetz wurde 2015 unter anderem die Verpflichtung für Emittenten eingeführt, Vermögensanlagen mit einem Warnhinweis zu versehen und diesen drucktechnisch hervorzuheben. Die Kenntnisnahme dieses Warnhinweises muss von jedem Anleger vor der Zeichnung einer Vermögensanlage per Unterschrift bestätigt werden. Wird die Zeichnung elektronisch durchgeführt, wird die Unterschrift durch die Angabe eindeutig identifizierender Daten ersetzt. Diese Regelungen sollen dazu beitragen, dass sich Anleger vor der Entscheidung für eine Vermögensanlage bewusst mit deren Risiken und der Möglichkeit eines Totalverlusts auseinander setzen.

Derzeit sind durch den Gesetzgeber der Wortlaut des Warnhinweises und das Verfahren zur elektronischen Bestätigung der Kenntnisnahme vorgegeben. Die Umsetzung der drucktechnischen Hervorhebung und die Positionierung des Warnhinweises liegen in der Verantwortung des Herausgebers der Vermögensanlage. Dies führt in der Praxis zu einer Fülle unterschiedlicher Gestaltungsvarianten des Warnhinweises.

Die vorliegende Studie untersucht folgende Fragen:

  • Wie wirken sich verschiedene Gestaltungsvarianten des Warnhinweises auf dessen Sichtbarkeit aus?
  • Entfaltet der bestehende Wortlaut die beabsichtigte Wirkung einer Auseinandersetzung mit den Risiken der Vermögensanlage?
  • Ist das bestehende Verfahren zur elektronischen Bestätigung der Kenntnisnahme in seiner Wirkung einer Unterschrift vergleichbar?

Die empirische Untersuchung zeigt folgendes:

  • Eine deutliche Verbesserung der Sichtbarkeit des Warnhinweises ließe sich vor allem durch eine einheitliche Positionierung des Warnhinweises erreichen. Dabei wäre eine Positionierung oben auf der ersten Seite, unterhalb der Überschrift, die beste Variante. Ebenso würde eine einheitliche Gestaltung des Vermögensanlageninformationsblattes (VIB) in Fließtextform die Wahrnehmbarkeit erhöhen.
  • Von einer besseren Sichtbarkeit des Warnhinweises würden vor allem Personen mit niedrigerem Finanzwissen profitieren. In dieser Personengruppe zeigt sich ein besonders ausgeprägter Effekt des Warnhinweises. Er führte zu einem zurückhaltenderen Investitionsverhalten. Unabhängig davon zeigt die Untersuchung, dass der bestehende Wortlaut des Warnhinweises bei den Studienteilnehmern eine hohe Bereitschaft erzeugt, sich sorgfältig mit den Risiken der Vermögensanlage auseinander zu setzen. Alternative Formulierungen bewirken keine bedeutsame Steigerung dieser Bereitschaft.
  • Der Test verschiedener Möglichkeiten zur elektronischen Bestätigung der Kenntnisnahme zeigt, dass das bestehende Verfahren mit der Angabe eindeutig identifizierender Daten im Vergleich zu einer eigenhändigen Unterschrift als leicht bedeutsamer bewertet wurde. Die höchste Bedeutung wurde einem Verfahren mit einem sogenannten Medienbruch zugesprochen, bei dem die Bestätigung ausgedruckt, unterschrieben und postalisch versandt werden muss. Insgesamt führten alle getesteten Formen der Kenntnisnahme bei den Kleinanlegern zu einer vergleichbar hohen Bereitschaft, sich noch einmal gründlicher mit den Risiken der Vermögensanlage zu beschäftigen sowie zu einer vergleichbar hohen Neigung, von einer Investition in die Vermögensanlage abzusehen.
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