Hintergrund: Relevante Informationen sichtbar machen

Hintergrund: Relevante Informationen sichtbar machen

Nicht jede Information die vorhanden ist, wird auch wahrgenommen

  • Die menschliche Wahrnehmung ist selektiv. Nur ein Bruchteil der Informationen, die die Sinnesorgane erfassen, wird bewusst wahrgenommen. Vor allem Sachinformationen können aber nur dann eine Wirkung entfalten, wenn sie Teil der bewussten Wahrnehmung werden.
  • Um die Wahrscheinlichkeit einer bewussten Wahrnehmung zu erhöhen, sollten bei der Gestaltung von Informationen grundsätzliche Mechanismen von Wahrnehmungsprozessen berücksichtigt werden.
  • Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Information bewusst wahrgenommen wird, wird unter anderem durch ihre Platzierung beeinflusst. Bereits geringe Änderungen können hier einen erheblichen Unterschied machen. Dies gilt beispielsweise bereits für die Frage, ob eine Information oberhalb oder unterhalb einer Überschrift platziert ist, oder ob ein Dokument als Tabelle oder als Fließtext formatiert ist.
  • Blickbewegungsmessungen, aber auch qualitative Forschungsmethoden wie strukturierte Einzelberichte (Laut-Denken-Protokolle) und Diskussionen in Fokusgruppen können helfen, Wahrnehmungsprozesse sichtbar zu machen.

Der Zeitpunkt, zu dem eine Information gegeben wird, ist relevant

  • Die gleiche Information kann unterschiedlich wirken, je nachdem ob sie am Anfang oder am Ende eines Entscheidungsprozesses wahrgenommen wird. Ist beispielsweise eine Kaufentscheidung bereits gefallen, werden zusätzliche Informationen häufig nicht mehr berücksichtigt.
  • Auch hier ist es ratsam, mittels empirischer Methoden sicherzustellen, dass wichtige Informationen möglichst zu Beginn eines Entscheidungsprozesses wahrgenommen werden.

Die gleiche Information kann bei unterschiedlichen Personengruppen unterschiedlich wirken

  • Informationen werden vor dem Hintergrund von bestehendem Wissen und Erfahrungen bewertet. Deshalb ist es wichtig, den Kenntnisstand der Adressaten zu kennen.
  • Die Nutzung von Fokusgruppen kann dazu beitragen, den Kenntnisstand und damit die Wirkung von Informationen bei speziellen Zielgruppen zu verstehen. Durch repräsentative Befragungen kann die Breitenwirkung einer Information geprüft werden. Erkenntnisse aus diesen Verfahren können dabei helfen, geeignete Informationsformate aus Verbrauchersicht zu entwickeln.

Großer Gestaltungsspielraum kann für ungleiche Wettbewerbsbedingungen sorgen

  • Unterschiedliche Gestaltungsvarianten einer Information führen in der Regel zu unterschiedlichen Wahrnehmungswahrscheinlichkeiten. Ein entsprechender Gestaltungsspielraum kann daher dazu führen, dass sich die gleichen inhaltlichen Informationen je nach Umsetzung unterschiedlich auswirken.
  • Insbesondere im Fall einer Warnung, belohnt ein entsprechender Gestaltungsspielraum also gerade jene Anbieter, die sich nicht um eine gute Sichtbarkeit bemühen.
  • Empirisch getestete Vorgaben für die Platzierung und Gestaltung einer Information ermöglichen eine durchgängig hohe und zudem vergleichbare Wahrnehmbarkeit relevanter Informationen.

Diese Prinzipien wurden in dem Projekt Warnhinweis zum Kleinanlegerschutz angewandt.