Dem deutschen Wald geht es nicht gut

Waldbericht 2021 Dem deutschen Wald geht es nicht gut

Dürre, Stürme, Waldbrände oder Borkenkäferbefall setzen dem deutschen Wald in den letzten Jahren zu. Die Bundesregierung unternimmt vielfältige Anstrengungen, damit unsere Wälder national und weltweit dem Klimawandel standhalten. Das zeigt der Waldbericht 2021, den das Kabinett beschlossen hat. Er nennt viele konkrete Zahlen und Fakten.

Waldlichtung mit Baumsämlingen, die vor Wildschäden geschützt werden.

Knapp 277.000 Hektar Wald müssen wiederaufgeforstet werden.

Foto: Getty Images/iStockphoto/Carmen Hauser

Welche Aufgabe hat der Bericht?

Mit dem Waldbericht unterrichtet die Bundesregierung den Deutschen Bundestag alle vier Jahre über die Entwicklung der Wälder und die waldpolitischen Handlungsfelder und Maßnahmen auf nationaler und internationaler Ebene. Der aktuelle Bericht umfasst den Zeitraum Oktober 2017 bis Mai 2021.

Welches sind die wichtigsten Ergebnisse des Berichts zum Waldzustand?

Die Schäden im deutschen Wald haben zugenommen. Noch nie waren so viele Bäume abgestorben wie 2020. Großflächig sterben vor allem Fichten auf schlecht mit Wasser versorgten Standorten ab. Es zeichnet sich jedoch ab, dass auch Laubbäume (zum Beispiel Buchen und Eichen) durch die fortdauernde Trockenheit beeinträchtigt sind. Nahezu alle Hauptbaumarten weisen Vitalitätseinbußen und Schadsymptome auf. Vier von fünf Bäumen haben lichte Kronen. Insgesamt gehören die Ergebnisse der Waldzustandserhebung 2020 zu den schlechtesten seit Beginn der Erhebungen 1984.

Aufgrund der extremen Dürre und warmen Sommer war in einigen Regionen ein starker Anstieg sowohl in Anzahl als auch im Flächenausmaß von Waldbränden zu verzeichnen. 2018 brannten rund 2.350 Hektar und 2019 etwas mehr als 2.710 Hektar Waldfläche. Betroffen waren insbesondere die stark kieferdominierten Wälder von Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern.

Derzeit beträgt die Fläche, die wieder aufgeforstet werden muss, 277.000 Hektar - eine Fläche etwas größer als das Saarland. Allein für den Zeitraum 2018 bis 2020 beträgt der Schadholzanfall 171 Millionen Kubikmeter. Die wirtschaftlichen Folgen für betroffene Forstbetriebe sind schwerwiegend.

Wie können unsere Wälder an das Klima angepasst werden?

Politik und Forstwirtschaft stehen vor der großen Aufgabe, die verbliebenen Wälder zu stabilisieren, die geschädigten Waldflächen wiederzubewalden und sie so zu gestalten, dass sie dem Klimawandel standhalten. Experten sehen die größte Chance in naturnahen, artenreichen Mischwäldern, mit standortgerechten, an den Klimawandel angepassten, überwiegend heimischen Baumarten. Diese sind resilienter und anpassungsfähiger gegenüber klimatischen Veränderungen. Die Waldstrategie 2050, die derzeit vom Bundeslandwirtschaftsministerium ausgearbeitet wird, setzt dort an.

Was tut die Bundesregierung für den deutschen Wald und die Waldbesitzer?

Die Bundesregierung hat gemeinsam mit den Ländern umfangreiche Hilfen auf den Weg gebracht, um Waldbesitzer zu unterstützen, die Wiederaufforstung voranzutreiben und die Wälder klimastabiler zu machen.

Über die Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes" (GAK) haben Bund und Länder bis zu 800 Millionen Euro von 2020 bis 2023 bereitgestellt. Über ein Viertel der Gesamtsumme – 228 Millionen (Stand 2. Juni 2021) -sind bereits abgeflossen. Für 2021 stehen bis zu 222 Millionen Euro weitere Bundes- und Ländermittel zur Verfügung.

Zusätzlich sind im Corona-Hilfspaket der Bundesregierung weitere 700 Millionen Euro für den Erhalt und die nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder vorgesehen. Bis Ende Mai 2021 waren bereits 240 Millionen Euro an Waldbesitzer ausgezahlt. Die als nachhaltig zertifizierte Waldfläche ist damit bereits um über 900.000 Hektar angestiegen.

Des Weiteren investiert die Bundesregierung über den Waldklimafonds massiv in die Waldforschung. Unterstützt werden Maßnahmen zum Erhalt und Ausbau des CO2-Minderungspotenzials von Wald und Holz sowie zur Klimaanpassung der Wälder. Allein für 2021 stehen 30 Millionen Euro zur Verfügung – fünf Millionen mehr als im vergangenen Jahr.

Mit der Charta für Holz 2.0 soll erreicht werden, dass mehr Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft verwendet wird – zugunsten von Klimaschutz, Ressourcenschonung und Wertschöpfung im ländlichen Raum. Das Förderprogramm „Nachwachsende Rohstoffe“ unterstützt über die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) derzeit über 350 Bioökonomie-Vorhaben aus den Bereichen Wald und Holz mit rund 105 Millionen Euro.

Was sehen die jüngsten Klimabeschlüsse der Bundesregierung für den Wald vor?

Das am 12. Mai 2021 von der Bundesregierung verabschiedete Klimaschutzgesetz unterstreicht den Beitrag natürlicher Ökosysteme zum Klimaschutz und macht konkrete Zielvorgaben. Besonders herausgestellt wird neben dem Humusaufbau landwirtschaftlich genutzter Böden, dem Erhalt und die Wiedervernässung von Mooren auch die Honorierung von Ökosystemleistungen der Wälder.

Das vom Kabinett am 23. Juni 2021 beschlossene Klimaschutz-Sofortprogramm 2022 sieht über 330 Millionen Euro für den Schutz der Moore, die nachhaltige Waldbewirtschaftung und den Humuserhalt und -aufbau vor.

Welche internationalen Aktivitäten gibt es zum globalen Schutz der Wälder?

Die Bundesregierung hat auch ihre internationalen Aktivitäten nochmals intensiviert und so wesentliche Beiträge zum Erhalt, der nachhaltigen Bewirtschaftung und dem Wiederaufbau der Wälder weltweit geleistet.

Hervorzuheben sind die Fördermaßnahmen für Entwicklungsländer im Rahmen des REDD+-Ansatzes zur „Verringerung von Emissionen aus Entwaldung und Degradierung von Wäldern“. Des Weiteren Initiativen und Fördermaßnahmen zur Wiederherstellung geschädigter Waldökosysteme sowie zur Förderung entwaldungsfreier Lieferketten bei wichtigen in die EU und von Deutschland importierten Agrarrohstoffen.