EU-Abkommen mit Vietnam tritt in Kraft

Freihandel EU-Abkommen mit Vietnam tritt in Kraft

Seit dem 1. August ist das Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und Vietnam in Kraft. Auf rund 65 Prozent der EU-Exporte nach Vietnam entfallen damit keine Zölle mehr. Über die nächsten zehn Jahre werden die Bestimmungen weiter gelockert.

Ein Containerschiff

Aus der EU können unter anderem Maschinen, Arzneinmittel und Chemikalien nun zollfrei nach Vietnam exportiert werden.

Foto: Getty Images/Gonzalo Azumendi

Als ein "wichtiges Zeichen für Freihandel und gegen Protektionismus" bezeichnete Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier das Freihandels- und Investitionsschutzabkommen der Europäischen Union mit Vietnam. "Vietnam ist ein wachstumsstarker Markt mit einem enormen Marktpotential für europäische Produkte und Dienstleistungen", sagte Altmaier, nachdem das Europäische Parlament dem Abkommen am 12. Februar zugestimmt hatte.

Das Freihandelsabkommen ist es seit dem 1. August in Kraft, nachdem auch der Europäische Rat es gebilligt hat. Das Investitionsschutzabkommen muss noch von allen EU-Mitgliedsstaaten ratifiziert werden, bevor es gültig wird.

Was ist jetzt zollfrei?

Seit dem 1. August entfallen Zölle auf viele wichtige EU-Exporte nach Vietnam. Dazu gehören Maschinen, Arzneimittel und Chemikalien. Aus Vietnam nach Europa können dafür beispielsweise Elektrogeräte, Möbel und Textilien abgabenfrei exportiert werden. Insgesamt entfallen in Vietnam 65 Prozent der Zölle auf EU-Exporte. Die Europäische Union streicht direkt 71 Prozent der Zollabgaben.

Letztlich sollen 99 Prozent des Austauschs zwischen der EU und Vietnam zollfrei sein. Dafür wurde im Vertrag eine zehnjährige Übergangsphase vereinbart. Als nächstes entfallen in drei Jahren beispielsweise die Zölle auf Rindfleisch, in fünf Jahren auf Milchprodukte. Laut der Europäischen Kommission ist es das umfassendste Handelsabkommen mit einem Entwicklungsland.

Ein weiterer Vorteil für den EU-Export: Vietnam schützt 169 traditionell europäische Lebensmittel vor der Nachahmung. So sind durch das Freihandelsabkommen beispielsweise Sherry, Portwein und Roquefort-Käse geschützt.

Warum ist das Abkommen wichtig?

Vietnam ist einer der wichtigsten Handelspartner der EU im Verband Südostasiatischer Staaten (ASEAN-Raum). Im vergangenen Jahr belief sich der Warenhandel mit der EU auf 45,4 Milliarden Euro. Damit ist Vietnam nach Singapur der zweitgrößte Handelspartner der EU im ASEAN-Raum.

Das Abkommen bietet nun noch mehr Raum für wirtschaftlichen Austausch. Als exportstärkstes Land der EU profitiert Deutschland besonders von solchen Freihandelsabkommen. Das ist auch beim Abkommen mit Vietnam so: Das Handelsvolumen zwischen Deutschland und Vietnam betrug 2018 13,87 Milliarden Euro. Davon waren 4,11 Milliarden Euro Exporte. Damit war Deutschland der größte EU-Handelspartner Vietnams.

Zwischen der EU und Singapur gilt bereits seit dem 21. November 2019 ebenfalls ein Freihandelsabkommen. Mit dem Abkommen wurden alle Zölle auf EU-Waren beseitigt. Davon profitieren unter anderem die fast 10.000 deutschen Unternehmen, die mit Singapur handeln.

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