Deutsche Einheit

2. Oktober 1989 - Auf dem Weg zur Deutschen Einheit

"Wir sind das Volk!"

2. Oktober 1989: An der vierten Leipziger Montagsdemonstration nehmen 20.000 Bürgerinnen und Bürger der DDR teil. Ihnen steht ein Großaufgebot von Polizei und Kampfgruppen gegenüber. Zum ersten Mal ist der Ruf "Wir sind das Volk!" zu hören.

Foto zeigt die Montagsdemonstration am 2. Oktober 1989.

Am 2. Oktober 1989 findet in Leipzig die größte Demonstration in der DDR seit dem Volksaufstand vom 17. Juni 1953 statt.

Foto: picture alliance/dpa

In der Leipziger Nikolaikirche versammeln sich am 2. Oktober 1989 circa 2.000 bis 2.500 Menschen. Schon eine halbe Stunde vor Beginn des wöchentlichen Friedensgebets muss sie wegen Überfüllung geschlossen werden. Als die Gottesdienstbesucher die Kirche verlassen, werden sie bereits von 3.000 bis 4.000 weiteren Menschen erwartet. Insgesamt beteiligen sich am Ende rund 20.000 Bürgerinnen und Bürger der DDR an der anschließenden Montagsdemonstration. Es ist die größte Demonstration in der DDR seit dem Volksaufstand vom 17. Juni 1953.

"Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit"

Zum ersten Mal wird der Ruf "Wir sind das Volk!" laut – als Reaktion auf eine Durchsage der Volkspolizei, wie sich ein Teilnehmer erinnert. Als aus einem Lautsprecher "Hier spricht die Volkspolizei!" tönt, antworten Demonstranten: "Wir sind das Volk!" Damit ist der Slogan der Friedlichen Revolution geboren.

Weitere Losungen lauten "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit", "Gorbi, Gorbi", "Neues Forum zulassen" und "Freiheit für die Gefangenen". Während in den Vorwochen noch vielfach "Wir wollen raus!" zu hören war, wird dieses Mal häufiger ein trotziges "Wir bleiben hier!" laut.

Polizei in Kampfmontur

Nach wie vor haben die Demonstranten Angst vor einer "chinesischen Lösung" – Angst davor, dass das SED-Regime auf sie schießen lässt. Erst recht, als sie sehen, dass die Polizeikräfte dieses Mal in voller Kampfmontur aufmarschiert sind, mit Schlagstöcken und Hunden. Zu dem befürchteten Massaker kommt es zwar nicht, aber am Ende rückt eine Kompanie der Volkspolizei mit Gewalt vor. Demonstranten erleiden Verletzungen, 20 werden "zugeführt", also festgenommen.

Im Frühsommer 1989 forderten Demonstranten auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking Reformen und Freiheit. Doch die chinesische Staatsführung setzte in der Nacht zum 4. Juni Soldaten gegen friedliche Demonstranten ein, Schüsse fielen, Panzer überrollten die Menschen. Dieses Verbrechen ging als die "chinesische Lösung" in die Geschichte ein. Kurz nach den Vorfällen solidarisierte sich die SED-Führung mit dem Regime in China.

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