14. Dezember 1989 - Auf dem Weg zur Deutschen Einheit

Die Stasi soll sich weiter wandeln

14. Dezember 1989: Der DDR-Ministerrat beschließt die Auflösung des "Amtes für Nationale Sicherheit". Aus der Nachfolge-Organisation der "Stasi" soll ein neues "Amt für Verfassungsschutz" werden. Doch die sanfte Wandlung  scheitert am Widerstand der Straße.

Demonstrierende Bauleute in Berlin fordern Abschaffung des Überbrückungsgelds für Mitarbeiter des ehemaligen Ministeriums für Staatssicherheit (MfS )Parole: Stasi raus! 11.01.1990

Stasi-Zentrale: Abschied auf Raten

Foto: ullstein bild

Mit Umbenennung nicht getan

Nur widerwillig löst sich das Regime von der Macht. Es ist die Macht, die das Regime verlässt: Begleitet von Namenswechseln und Kursmanövern kämpft im Herbst 1989 auch das Ministerium für Staatssicherheit ums Überleben. Erst im November 1989 war die "Stasi" umbenannt worden: in "Amt für nationale Sicherheit". Unter neuem Namen hofft mancher nun auf ein Fortbestehen des alten Gefüges. Doch der alte DDR-Geheimdienst, einst "Schild und Schwert der Partei", der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, steckt in der Krise.

Während sich immer mehr Stasi-Mitarbeiter im Stillen zurückziehen, ist die SED zu schwach, um noch einmal "Schild und Schwert" zu heben: Das DDR-Parlament, die "Volkskammer", hat den Führungsanspruch der SED aus der Verfassung gestrichen. Nun sind die Genossen Teil einer Koalitionsregierung. Sie können ihre alten Beschützer nicht mehr schützen. Gleichwohl: Viele versuchen es.

Bürger besetzen Stasi-Zentralen

Zumindest den Niedergang wollen viele ein wenig bremsen. Aus dem Ministerium für Staatssicherheit ist zunächst das "Amt für Nationale Sicherheit" geworden. Aus dem soll jetzt ein "Amt für Verfassungsschutz" entstehen. Doch es regt sich Unmut in der Bevölkerung.

Vielen sei klar gewesen, dass der Apparat weiterarbeiten würde wie zuvor, sagt Hannelore Köhler (Video). "Das wollten wir nicht."

Es ist denn auch der Widerstand der Bürger, der die Kette trügerischer Wandlungen unterbricht: Zuerst sind da die Forderungen der Montagsdemonstranten: "Stasi in die Produktion".

Aufgerüttelt durch Gerüchte um Aktenvernichtungen, greifen die Bürger schließlich zum Äußersten. Sie stürmen die Kommandozentralen der Stasi. In Erfurt, Rostock und Leipzig verschaffen sie sich Zugang zu den Quartieren ihrer alten Peiniger. Es geht um ein kostbares Gut: Wissen. Endlich Freund und Feind erkennen. Wer hat mitgemacht?

In den Archiven der Stasi lagern Akten und die Hoffnung auf Wahrheit. Im Rausch der Ereignisse nutzt auch mancher abtrünnige Spitzel die Gunst der Stunde, um Schriften zu vernichten. Spuren werden verwischt.

Der Runde Tisch drängt auf Entscheidung

Die Ereignisse bestimmen auch das Geschehen am Runden Tisch. Die SED gerät unter Druck, stimmt schließlich der "Auflösung des Amtes für Nationale Sicherheit" zu. Doch nicht nur die SED hadert: Sogar auf Seiten der Opposition sitzen vereinzelte Stasi-Spitzel mit am Runden Tisch. Stimmen sie der Auflösung des Geheimdienstes zu, müssen sie um ihre Enttarnung fürchten: Offene Stasi-Archive könnten auch ihre Taten preisgeben. Stimmen sie jedoch gegen die Schließung, geraten sie erst recht in Erklärungsnot.

Manche politischen Akteure dieser Tage entgehen ihrer Enttarnung nicht. Und das von der Regierung Modrow angestrebte "Amt für Verfassungsschutz" kommt nicht mehr zustande.

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