21. Dezember 1989

DDR hebt endgültig Schießbefehl auf

21. Dezember 1989: Sechs Wochen nach dem Mauerfall hebt DDR-Verteidigungsminister Theodor Hoffmann einen Befehl auf, den es offiziell nie gegeben hat: den Schießbefehl an der innerdeutschen Grenze.

DDR-Grenzsoldaten bewachen die Überreste der Berliner Mauer zwischen Brandenburger Tor und Reichstag - 20.02.1990

1989-12-21 Aufhebung des Schießbefehls endgültig

Foto: ullstein bild

Der geleugnete Befehl

Jahrzehntelang hat sich die DDR-Führung geweigert, die Existenz des Schießbefehls zuzugeben. Erst im Frühjahr 1989 hat Honecker informell angeordnet, nicht auf flüchtende Menschen zu schießen. Er ließ mitteilen: "Es gilt, zu beachten: Lieber einen Menschen abhauen lassen, als in der jetzigen politischen Situation die Schusswaffe anzuwenden." Die DDR-Grenztruppen haben diese Anordnung nur mündlich erhalten. Sie soll geheim bleiben.

Befehl 101/89

Erst jetzt, nach der Maueröffnung, wird der Schießbefehl auch offiziell aufgehoben – mit dem Befehl 101/89. Die Anwendung der Schusswaffe sei nur noch zur Abwehr von Angriffen auf das Leben der Grenzsoldaten oder anderer Bürger anzuwenden, heißt es. Doch wer soll das Leben der DDR-Grenzsoldaten noch bedrohen, jetzt, da alle DDR-Bürger jederzeit das Land verlassen können?

Traurige Bilanz der innerdeutschen Grenze

28 Jahre lang trennten die Berliner Mauer und die innerdeutsche Grenze die Menschen in Ost und West. Unzählige Grenzsoldaten mussten in dieser Zeit die Grenze bewachen und bis zur Aufhebung des Schießbefehls ihre Waffen gegen "Republikflüchtlinge" einsetzen.

Bislang liegen nur zu den Toten an der Berliner Mauer wissenschaftlich ermittelte Zahlen vor: Die Gedenkstätte Berliner Mauer und das Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam sprechen in ihrem Forschungsbericht von "mindestens 138".

Wie viele Menschen an der innerdeutschen Grenze gestorben sind, ist noch nicht abschließend erforscht. Bislang reichen die Angaben bis zu 1.065 Opfern (Museum Haus am Checkpoint Charlie, Berlin, 13. August 2004). Genaue Zahlen soll ein Forschungsprojekt ermitteln, das bis 2015 abgeschlossen sein soll. Ab 2016 sollen die Opfer an der innerdeutschen Grenze mit einem Totenbuch gewürdigt werden.

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