Meeresoffensive für Artenvielfalt und Klimaschutz

Gipfel für Meeresschutz Meeresoffensive für Artenvielfalt und Klimaschutz

Ozeane machen etwa 70 Prozent der Erdoberfläche aus – doch durch Verschmutzung und Plastikmüllstrudel sind ihre natürlichen Funktionen gefährdet. „Unser Klima, unsere Gesundheit, unsere Ernährung, kurz: unser aller Leben hängt davon ab“, sagte Bundeskanzler Olaf Scholz in einer Videobotschaft zum „One Ocean Summit“. Bundesumweltministerin Steffi Lemke kündigte eine Meeresoffensive an.

Eine Plastikflasche am Ostseestrand.

Die Bundesregierung setzt sich für den Schutz der Meere weltweit ein und engagiert sich für internationale Lösungen.

Foto: picture alliance / ZB / Patrick Pleul

Intakte Meere sind maßgeblich für Klimaschutz und Biodiversität. Sie liefern Rohstoffe und Nahrungsmittel. Sie dienen als Verkehrswege und halten erneuerbare Energievorräte bereit. Und natürlich bieten sie wertvollen Erholungsraum.

„Wir sitzen alle in einem Boot. Der Schutz der Meere geht uns alle an. Er ist auch ein entscheidendes Thema der deutschen G7-Präsidentschaft“, sagte Bundeskanzler Olaf Scholz in seiner Video-Botschaft zum „One Ocean Summit“. Er kündigte ebenfalls den Beginn einer Koalition der EU und ihrer Mitgliedsstaaten zum Schutz der Artenvielfalt an (High Ambition Coalition on Biodiversity Beyond National Jurisdiction).

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Video Kanzler Scholz zum „One Ocean Summit“

Rasches und entschlossenes Handeln ist nötig

„Zur Realität gehören aber auch Überfischung, Verschmutzung und gigantische Plastikmüll-Strudel. Vieles von dem, was wir Menschen tun, gefährdet die natürlichen Funktionen der Meere. Rasches und entschlossenes Handeln ist nötig, damit diese einzigartige Lebens-Quelle nicht unwiederbringlich zerstört wird“, hatte Bundesumweltministerin Steffi Lemke zuvor beim „One Ocean Summit“ in der französischen Hafenstadt Brest gesagt.

Der „One Ocean Summit oder „Ein-Ozean-Gipfel“ fand vom 9. bis 11. Februar 2022 unter der französischen Ratspräsidentschaft der Europäischen Union und mit Unterstützung der Vereinten Nationen statt. Zum Abschluss beriet der französische Staatspräsident Emmanuel Macron mit etwa 20 Staats- und Regierungschefs sowie hochrangigen Vertretern internationaler Institutionen und der Wirtschaft über konkrete Initiativen zum Meeresschutz und zur nachhaltigen Meeresnutzung und Bewirtschaftung.

Meeresoffensive für Artenschutz und gegen Meeresmüll

Die Bundesregierung setzt sich für den Schutz der Meere weltweit ein und engagiert sich für internationale Lösungen. Bundesumweltministerin Lemke kündigte beim Ozeangipfel eine deutsche Meeresoffensive an, „um Schutz und umweltverträgliche Nutzung der Meere miteinander in Einklang zu bringen“. Die Koordination der Meerespolitik soll dabei in den Händen eines Meeresbeauftragten liegen – eine neu geschaffene Funktion, die die Wichtigkeit der Aufgabe hervorhebt.

Mit der Offensive wolle sie sich für eine ambitionierte internationale Ozeanpolitik einsetzen, denn „das globale Artensterben und die weltweite Meeresverschmutzung lassen sich nur im Konzert der Staatengemeinschaft lösen“, so Lemke. 2022 stünden die Aussichten gut, beim Meeresschutz deutlich voranzukommen – national, in Europa und weltweit.

Die Ministerin hob hervor, es gehe zuerst darum, die Verhandlungen der Vereinten Nationen für ein Übereinkommen zum Schutz der Biodiversität und der nachhaltigen Nutzung der Hohen See zügig abzuschließen. Zudem plädiert sie für einen raschen Beginn der Verhandlungen über ein rechtsverbindliches UN-Abkommen gegen Meeresmüll und Plastikverschmutzung. Nicht zuletzt gebe es „vor unserer eigenen Haustür viel zu tun: bei der Umsetzung der europäischen und regionalen Ziele im Meeresschutz“.

Meeresschutz für die Nachhaltigkeit: Ozeane und Meere sollen erhalten und nachhaltig genutzt werden, heißt es in den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen. Derzeit stehen erst acht Prozent der Weltmeere unter Schutz, bis 2030 sollen es 30 Prozent sein. Der Handlungsdruck ist groß: 20 Prozent der weltweiten Korallenriffe sind zerstört, ebenso wie 30 Prozent aller Seegraswiesen und 35 Prozent aller Mangrovenwälder. Weltweit treiben mehr als 150 Millionen Tonnen Plastikmüll in Meeren. Meerestiere sterben, weil sie Plastikteilchen mit Nahrung verwechseln oder in Kunststoffresten hängen bleiben. Die Meeresverschmutzung und Vermüllung durch Plastik müssen deutlich verringert und die Versauerung der Ozeane so weit wie möglich reduziert werden.

Besserer Schutz in Ost- und Nordsee

Die EU-Biodiversitätsstrategie verlangt, dass bis 2030 30 Prozent der Meeresfläche Europas unter Schutz gestellt werden – also auch in Nord- und Ostsee. Beide Meere werden intensiv genutzt auf Kosten der Meeresnatur. Mit den gerade in Kraft getretenen Managementplänen für die Schutzgebiete in der deutschen Ostsee „stehen jetzt über 30 Prozent der deutschen AWZ von Nord- und Ostsee unter Schutz“, so Lemke. Das Bundesamt für Naturschutz kann nun konkrete Maßnahmen starten, um etwa Unterwasserlärm zu reduzieren, Riffe wiederherzustellen oder naturverträgliche Fischfangmethoden zu entwickeln. Zusammen mit den Schutzgebieten der Länder stehen jetzt etwa 45 Prozent der deutschen Meeresfläche  unter Schutz.

Intakte Meere sind für beides wichtig: für Arten- und Klimaschutz. Sie regulieren das Klima, denn sie produzieren Sauerstoff und speichern viel CO2. Um die natürliche CO2-Speicherfähigkeit der Meere zu verbessern, will Lemke beispielsweise Seegraswiesen und Algenwälder fördern.

Auch im Rahmen der HELCOM, deren Vorsitz Deutschland derzeit innehat, setzt sich die Bundesregierung gemeinsam mit den anderen Anrainerstaaten für den Schutz der Ostsee ein. Im Fokus des Ostseeaktionsplans stehen vor allem Aktivitäten gegen die Verschmutzung der Ostsee durch Meeresmüll und durch Überdüngung. Bis 2030 soll ein Drittel der Ostsee unter strengem Schutz stehen. Für das Weltnaturerbe Wattenmeer übernimmt Deutschland im Rahmen der Trinationalen Wattenmeerzusammenarbeit gemeinsam mit Dänemark und den Niederlanden Verantwortung. Dank grenzüberschreitender Maßnahmen ist es den Partnerstaaten zum Beispiel gelungen, die Bestände von Seehunden und Kegelrobben zu stabilisieren.

Mehr Schutzgebiete weltweit

Die Bundesregierung setzt sich für einen zügigen Abschluss eines Abkommens der Vereinten Nationen zum Schutz der Biodiversität auf Hoher See ein. Insbesondere die Ausweisung von internationalen Schutzgebieten ist von großer Bedeutung. Die letzten weitgehend unberührten Meeresgebiete im Südpolarmeer müssten geschützt werden – im Weddellmeer und in der Ostantarktis, so Lemke. Sie seien ein unersetzlicher Lebensraum für viele marine Arten.

Deutschland hat sich zum weltweiten Schutz der Meere verpflichtet und engagiert sich intensiv für internationale Lösungen. So stehen während deutschen G7-Präsidentschaft der Schutz und die nachhaltige Nutzung der Meere ebenfalls auf dem Programm. 

Die völkerrechtlichen Grundlagen für den weltweiten Meeresschutz bilden das Seerechtsübereinkommen, die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung und die Biodiversitätskonvention der Vereinten Nationen.

Um die zentrale Rolle der Meeresnatur zu stärken, engagiert sich Deutschland zudem innerhalb der UN Dekade für Meeresforschung für nachhaltige Entwicklung. Dabei sollen das Wissen über den Ozean gestärkt, neue Forschungspartnerschaften ausgerufen und die Bedeutung des Ozeans stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt werden. Ein zentraler Aspekt ist die Verbesserung der natürlichen CO2-Speicherfähigkeit der Meere – auch als Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel.

Plastikmüll in den Meeren reduzieren

Vor weiterer Meeresmüll- und Plastikverschmutzung sollen die Meere durch ein international verbindliches Rahmenwerk geschützt werden. Die Bundesumweltministerin will sich für einen schnellen Beginn der Verhandlungen einsetzen. „Das Ergebnis muss dann umfassend und definitiv das Ende der Meeresvermüllung besiegeln“, fordert Lemke.

Bundesentwicklungsministerin Schulze sagte diesbezüglich
zusätzliche 20 Millionen Euro für den Weltbank-Fonds ProBlue zu, womit Deutschland zu einem der größten Geber des Fonds wird. Mit dem Geld wird der Einsatz gegen Meeresmüll und Meeresverschmutzung sowie ein nachhaltiges Management von Küsten- und Meeresgebieten gefördert.

Um das hohe Plastikaufkommen in der EU zu reduzieren, sind seit Mitte 2021 viele Einwegplastikprodukte EU-weit verboten. Seit Beginn 2022 sind im deutschen Handel leichte Kunststofftragetaschen passé. Alle Einweg-Getränkeflaschen aus Kunststoff und sämtliche Getränkedosen sind pfandpflichtig.

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Nachhaltigkeit Verbot von Einweg-Plastik kommt

Der Export schlecht recyclebarer Abfälle aus der EU in Entwicklungsländer ist untersagt. Denn es sollen keine Kunststoffabfälle in Länder ausgeführt werden, die diese nicht umweltgerecht entsorgen oder recyceln können. Denn dort besteht ein hohes Risiko, dass die Plastikabfälle auf Deponien und später in der Umwelt und im Meer landen. 

Die Bundesregierung will entschlossen gegen illegalen Abfallexport vorgehen: Ziel ist, dass Abfälle nur noch in zertifizierte Recyclinganlagen möglich ist. So werden die Umwelt und damit auch die Meere besser vor Plastikmüll geschützt.