69. Internationale Filmfestspiele Berlin

Berlin im Zeichen der Bären

Das Rennen um den Goldenen und die Silbernen Bären ist eröffnet: Die Berlinale-Filmkunst lässt einmal mehr "die Welt ein Stück zusammenrücken", erklärte Kulturstaatsministerin Grütters bei der Eröffnungsgala am Potsdamer Platz. Ein Mann stand an diesem Abend besonders im Rampenlicht: Festivaldirektor Dieter Kosslick, für den es nach 18 Jahren die letzten Filmfestspiele sind.

Berlinale-Leiter Dieter Kosslick und Kulturstaatsministerin Monika Grütters umarmen sich auf dem Roten Teppich am Potsdamer Platz.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters und der "Herr der Bären", Dieter Kosslick.

Foto: Bundesregierung/Bergmann

400 Filme aus 74 Ländern, von Afghanistan bis Vietnam - die internationalen Filmbeiträge verhandeln auch auf den diesjährigen Filmfestspielen die Themen unserer Zeit, erklärte die Staatsministerin in ihrer Rede bei der Eröffnungsgala im Theater am Potsdamer Platz. "So lässt die Berlinale die Welt einmal mehr über sprachliche, kulturelle und weltanschauliche Grenzen hinweg ein Stück zusammenrücken."

Der Goldene und die Silbernen Bären seien deshalb auch "eine Anerkennung für eine Filmkunst, die sich einmischt, eine Anerkennung für Künstlerinnen und Künstler, die den Ehrgeiz haben, nicht Öl, sondern Sand im politischen und gesellschaftlichen Getriebe zu sein", so Grütters weiter.

Die 69. Internationalen Filmfestspiele Berlin finden bis zum 17. Februar 2019 statt. Mit über 333.000 verkauften Eintrittskarten im vergangenen Jahr gilt die Berlinale als weltweit größtes Publikumsfestival. Vom Bund wird sie mit 8,2 Millionen Euro aus dem Haushalt von Kulturstaatsministerin Monika Grütters gefördert.

Filme für ein breites Publikum

Für jeden Geschmack ist etwas dabei: Ob Kurz- oder Lang-, Experimental- oder Dokumentarfilm - im Programm der 69. Berlinale sind die verschiedensten Gattungen, Genres und Filmlängen vertreten. 20 Weltpremieren werden zu sehen sein. Von den 400 gezeigten Filmen laufen 23 im Wettbewerb, davon sechs Filme außer Konkurrenz, so dass letztlich 17 Filme um den Goldenen und die Silbernen Bären konkurrieren.

Unter ihnen sind drei deutsche Filme. Fatih Akin zeigt seine Verfilmung von Heinz Strunks Roman "Der goldene Handschuh" über den Hamburger Serienmörder Fritz Honka. Regisseurin Angela Schanelec schickt ihr Drama "Ich war zu Hause, aber" mit Franz Rogowski und Maren Eggert ins Rennen. Der Film handelt von einem 13-Jährigen, der für eine Woche spurlos verschwindet. Auch der dritte deutsche Beitrag stammt aus einer weiblichen Feder: Nora Fingscheidt stellt ihr Spielfilmdebüt "Systemsprenger" vor.

Zudem läuft mit "Operative" eine internationale Koproduktion mit maßgeblicher deutscher Beteiligung außer Konkurrenz im Wettbewerb.

Kulturelle Filmförderung auf Erfolgskurs

Wie eine ganze Reihe weiterer deutscher Filme auf der 69. Berlinale sind auch diese Wettbewerbsbeiträge mit Unterstützung der kulturellen Filmförderung der Bundesregierung entstanden. "Wenn drei geförderte Filme im Wettbewerb eines der bedeutendsten Filmfestivals der Welt präsentiert werden, können wir mit Fug und Recht sagen: Es war richtig, die kulturelle Filmförderung massiv aufzustocken", zeigte sich die Kulturstaatsministerin erfreut.

"Wir haben damit die kreativen Freiräume der Filmemacher erweitert, so dass sie unabhängig von Standorteffekten oder Erwartungen an den ökonomischen Erfolg, künstlerisch anspruchsvolle und innovative Projekte realisieren können."

"Das Private ist politisch"

Sieben der diesjährigen Wettbewerbsfilme sind unter weiblicher Regie entstanden. Den Anfang machte am Eröffnungsabend die dänische Regisseurin Lone Scherfig mit der Weltpremiere ihres Dramas "The Kindness of Strangers".

Insgesamt würden die Filmemacher in diesem Jahr vermehrt private Themen abhandeln, sagte Festivaldirektor Kosslick. Deshalb stehe die 69. Berlinale auch unter dem Motto "Das Private ist politisch", einem Slogan der 68er-Frauenbewegung. Familie scheine ein zentrales Thema zu sein, so Kosslick weiter. "Wobei Familie in den meisten Fällen schwierige Verhältnisse bedeutet."

Kulturstaatsministerin Grütters würdigte es als einer jener "hehren politischen Ansprüche" der Berlinale, dass im Programm weibliche und männliche Perspektiven möglichst gleichermaßen zur Geltung kommen.

International besetzte Jury

Wie immer entscheidet auch in diesem Jahr eine international besetzte Jury über die Siegerfilme. Neben Jury-Präsidentin Juliette Binoche gehören die deutsche Schauspielerin Sandra Hüller und die britische Schauspielerin und Filmproduzentin Trudie Styler dazu.

Auf dem Roten Teppich werden unter anderen der britisch/US-amerikanische-Schauspieler Christian Bale, sein britischer Kollege Bill Nighy und die schottische Schauspielerin Tilda Swinton erwartet. Aus der Riege der deutschen Schauspielerinnen und Schauspieler haben Lars Eidinger, Franz Rogowski und Henry Hübchen ihr Kommen angekündigt. Auch Campino und seine Bandkollegen von den "Toten Hosen", über die eine Dokumentation gezeigt wird, werden mit von der Partie sein.

Ende einer Ära

Dass die Berlinale heute ein größeres Publikum denn je erreicht und sich weltweit als hoch angesehenes A-Festival behauptet, ist vor allem dem langjährigen Festivaldirektor Dieter Kosslick zu verdanken. Er hat dem Festival immer wieder neue und vor allem politische Impulse verliehen. Zudem hat sich unter Kosslicks Leitung der European Filmmarket etabliert - als einer der bedeutendsten Filmrechtemärkte weltweit, mit dem die Berlinale international Maßstäbe setzt. Aber auch mit anderen Initiativen, zum Beispiel den Berlinale Talents und dem World Cinema Fund, hat Dieter Kosslick die Berlinale in der internationalen Festivallandschaft ganz nach oben gespielt.

Die Kulturstaatsministerin würdigte Kosslicks Verdienste um "eine solche Filmkunst, die sich einmischt". Dieser habe er 18 Jahre lang den roten Teppich ausgerollt und mit der 69. Ausgabe noch einmal alle Register gezogen.

Video 01:52

Dieter Kosslick gibt im Video einen Ausblick auf die Highlights der Berlinale 2019.

Neue Doppelspitze

Ab 2020 werden dann Carlo Chatrian und Mariette Rissenbeek in einer Doppelspitze die Berlinale-Leitung übernehmen. Der gebürtige Turiner war zuletzt Leiter des Internationalen Filmfestivals von Locarno. Während Chatrian als künstlerischer Direktor wirkt, wird Rissenbeek die geschäftsführenden Aufgaben übernehmen. Als langjährige Geschäftsführerin von German Films ist sie ist eine profunde Kennerin der internationalen Filmszene.

Beitrag teilen