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20 Jahre "Writers in Exile"

Schreiben im deutschen Exil

Krieg, Gewalt, politische Verfolgung – weltweit sind Millionen Menschen auf der Flucht, unter ihnen auch zahlreiche Autorinnen und Autoren. Das Stipendiatenprogramm "Writers in Exile" des PEN-Zentrums Deutschland bietet ihnen Zuflucht und Arbeitsmöglichkeiten in der Bundesrepublik. Bei einem Empfang im Bundeskanzleramt zum 20-jährigen Bestehen des Programms hat sich Kulturstaatsministerin Grütters mit Stipendiatinnen und Stipendiaten ausgetauscht.

Kulturstaatsministerin Grütters mit Stipendiatinnen und Stipendiaten des Programms "Writers in Exile".

Kulturstaatsministerin Grütters mit Stipendiatinnen und Stipendiaten des Programms "Writers in Exile".

Foto: Bundesregierung/Köhler

Für geflüchtete Kulturschaffende bedeutet das Exil eine große Herausforderung: Frühere Erfolge und die Anerkennung im Heimatland spielen auf einmal keine Rolle mehr, Autorinnen und Autoren müssen sich auf eine neue Sprache, ein neues Publikum und ein neues Umfeld einstellen. Zudem gilt es, die Besonderheiten des deutschen Kulturbetriebs kennenzulernen.

Das Stipendienprogramm "Writers in Exile" ermöglicht seit 1999 Schriftstellerinnen und Schriftstellern bis zu drei Jahre lang einen Aufenthalt in Deutschland sowie finanzielle Unterstützung, Orientierungshilfe im Alltag und Kontakte zu anderen Autorinnen und Autoren. Insgesamt 57 Stipendiatinnen und Stipendiaten waren bislang in dem Programm.

Bund fördert Exilkunst

Finanziert wird "Writers in Exile" aus dem Etat der Kulturstaatsministerin, 2019 mit rund 585.000 Euro. Dazu erklärte Monika Grütters in ihrer Rede bei dem feierlichen Empfang: "Gerade Deutschland trägt aufgrund seiner Vergangenheit eine große Verantwortung dafür, die Freiheit der Kunst zu schützen. Deshalb helfen wir verfolgten Künstlerinnen und Künstlern, damit sie bei uns in Freiheit arbeiten können und mit ihrer Stimme Gehör finden – in Deutschland, in ihren Heimatländern und weltweit."

Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des PEN-Zentrum dankte die Kulturstaatsministerin für ihren hohen persönlichen Einsatz, bei dem sie angesichts der politischen Verfolgung der Stipendiatinnen und Stipendiaten oftmals selbst großen psychischen Belastungen gegenüberstehen.

Das PEN-Zentrum Deutschland ist eine der weltweit über 140 Schriftstellervereinigungen, die im PEN International vereint sind. PEN setzt sich weltweit für den Schutz und die Freiheit von Kultur ein. Die Abkürzung steht für Poets, Essayists, Novelists.

Neue Studie zum Exil in Deutschland

Bei der heutigen Veranstaltung stellte Grütters zudem die Studie "Exil in der Bundesrepublik Deutschland" der Universität Osnabrück vor. Die Kulturstaatsministerin hatte die Untersuchung Anfang 2019 in Auftrag gegeben, um ein genaueres Bild der Lebenssituation verfolgter Schriftstellerinnen und Schriftsteller im Exil zu erhalten.

Die Studie zeigt: Deutschland bietet bereits viele Fördermöglichkeiten. Bundesweit richten sich 65 Kulturprojekte speziell an Exilkünstlerinnen und -künstler. Zugleich empfiehlt die Studie konkrete Maßnahmen, um deren Arbeits- und Lebensbedingungen noch weiter zu verbessern. Dazu gehören erleichterte Visaverfahren, eine höhere Diversität im deutschen Kulturbetrieb, etwa bei der Besetzung von Jurys, und es wird die Einrichtung von Anlaufstellen empfohlen, die über die Besonderheiten der deutschen Kulturförderung informieren.

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