EU-Projekttag an Schulen

Vorurteile gegenüber Europa abbauen

Menschen aus anderen Ländern kennenlernen, Zweifel an Europa zerstreuen, Vorurteile gegenüber der EU abbauen - das wünschte sich die Bundeskanzlerin von den Schülerinnen und Schüler des Französischen Gymnasiums in Berlin. Zum 10. EU-Projekttag war Merkel Podiumsgast dieser traditionsreichen Schule.

Bundeskanzlerin Angela Merkel im Gespräch mit Schülern anlässlich des EU-Projekttags.

Am EU-Projekttag diskutierte die Kanzlerin mit Schülerinnen und Schülern über Grundprinzipien Europas.

Foto: Bundesregierung/Bergmann

Für Rebecca, Johanna, Ferdinand, Dorothea, Nikolai, Isabella, Matoi und die anderen Schülerinnen und Schüler des Französischen Gymnasiums/ Lycée Français waren es aufregende Stunden. Ist es doch nicht alltäglich, selbst mit der Bundeskanzlerin persönlich über Europa zu diskutieren. Wie in jedem Jahr nahm Angela Merkel am EU-Projekttag der Schulen teil.

Das Französische Gymnasium in Berlin sei ein Beispiel jahrhundertelanger deutsch-französischer Gemeinsamkeit, die heute im 21. Jahrhundert glücklicherweise friedlich und freundschaftlich gelebt werden könne, betonte die Kanzlerin. "Es ist sehr beeindruckend, was die Schülerinnen und Schüler hier lernen, wie selbstverständlich sie in eine Welt eintauchen, in der französischer und deutscher Lehrstoff gemeinsam gelernt wird, wie sie aus der Schule gehen und zwei Sprachen können", so die Bundeskanzlerin.

Der Schulbesuch von Angela Merkel begann um 10.30 Uhr mit dem Lied "Aux Champs-Elysées". Danach präsentierten Carolina und ihre Mitschülerinnen ihre prämierten Fotoprojekte zum Thema "Europäische Union" und "Schüleraustausch in Straßburg". Die Theater-AG zeigte dem hohen Gast in drei kleinen Stücken die Geschichte der Schule, die bereits 1689 begann. Danach trafen sich die Politikkurse in der Aula der Schule zum Podiumsgespräch mit der Bundeskanzlerin. 

Europa gemeinsam stärken

Kanzlerin Merkel freute sich über die guten Leistungen der Schülerinnen und Schüler. Merkel: "Aber ich habe die Schülerinnen und Schüler auch gebeten, alle diejenigen, die Zweifel an Europa haben, zu ermuntern, Europäer aus anderen Ländern kennenzulernen, mit anderen zu sprechen und in Kontakt zu treten und nicht Vorurteile aufzubauen, wie das zurzeit leider auch häufig der Fall ist."

Angesprochen auf populistische Strömungen in Europa, erklärte die Bundeskanzlerin: "Mich trägt zum Beispiel die Überzeugung, dass wir Europa stärken müssen, dass wir, wenn wir unsere Ziele im 21. Jahrhundert durchsetzen wollen, dies nicht allein können und dass sich deshalb der Einsatz für Europa lohnt."

Ist der Bologna-Prozess erfolgreich? 

Gemeinsam hatten die Schülersprecher und Podiumsteilnehmer die Themen für das Gespräch mit der Bundeskanzlerin ausgewählt. Es ging um die deutsch-französischen Beziehungen, die Bildungsmöglichkeiten in Europa und um die Zukunft der Europäischen Union. Für Johanna als künftige Wirtschaftsstudentin war es wichtig, die Meinung der Kanzlerin zum Bologna-Prozess zu hören. Ferdinand interessierten mögliche Pläne für eine gemeinsame Schulpolitik Europas. Auch das Europa der verschiedenen Geschwindigkeiten stand auf der Tagesordnung.

Fast eine Stunde lang nahm sich die Bundeskanzlerin Zeit dafür, die vielen Fragen der Schülerinnen und Schüler zu beantworten und ihre Sicht auf Europa zu erklären. "Wir müssen den Schatz der deutsch-französischen Beziehungen pflegen, jede Generation muss das neu erarbeiten… Die Menschen müssen verstehen, dass es mit Europa besser ist, als ohne Europa… Europa wird von den 28 Mitgliedstaaten gemacht, nicht von Brüssel… Ich habe mich dafür eingesetzt, dass ERASMUS auch in der Berufsausbildung zur Anwendung kommt… Der Bologna-Prozess ist ein Erfolg, nur die Juristen sind darüber traurig…", das waren einige ihrer Antworten.

Die Bundeskanzlerin machte gegenüber den Schülerinnen und Schülern deutlich, dass die europäischen Grundprinzipien für sie nicht zur Diskussion stünden. Es könne sein, dass in manchen Fällen nur einige EU-Mitgliedstaaten mitmachen würden. Besser sei es natürlich, wenn alle dabei seien. Die Haltung der EU nach den Terroranschlägen in Frankreich und Brüssel sei ein gutes Bespiel dafür, dass alle bereit sind, Beistand zu leisten, wenn ein Land in Not sei, so Merkel.

Das Französische Gymnasium Berlin/Lycée Français ist die älteste öffentliche Schule Berlins. Seine Geschichte geht bis 1689 zurück. Französisch war immer Unterrichtssprache, selbst während der Zeit des Nationalsozialismus.
Das Schulgebäude befindet sich heute in Berlin-Tiergarten. 875 Schülerinnen und Schüler lernen hier. Der Unterricht richtet sich nach französischen Lehrplänen. Die Schüler können sowohl das Baccalauréat als auch das deutsche Abitur in französischer Sprache ablegen.
Die Schule verfügt über eine reichhaltige Bibliothek. Berühmte Schüler des Gymnasiums waren Victor Klemperer und Kurt Tucholsky. Auch Gesine Schwan machte hier ihr Abitur. Partnerschule in Frankreich ist beispielweise das Collège Jean Sturm in Straßburg.

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