Verbot von Konversionstherapien

Schutz der sexuellen Selbstbestimmung

Therapien gegen Homosexualität - sogenannte Konversionstherapien - sollen für Minderjährige und nicht einwilligungsfähige Erwachsene verboten werden. Das sieht ein Gesetzentwurf vor, den das Kabinett verabschiedet hat. Damit will die Bundesregierung die sexuelle Selbstbestimmung von Menschen schützen. Bei Verstößen gegen das Verbot droht eine Freiheitsstrafe.

Ein Transparent mit der Aufschrift "Sebstbestimmung"

Neben der Konversionstherapie selbst soll auch die Werbung für solche Behandlungen verboten werden.

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In Deutschland werden nach wie vor Maßnahmen durchgeführt, die eine sexuelle Orientierung - wie Homo- oder Bisexualität - oder die selbstempfundene geschlechtliche Identität - wie Trans- oder Intersexualität - verändern oder unterdrücken sollen. Diese sogenannten Konversionstherapien hinterlassen bei Betroffenen oftmals psychische Schäden. Negative und schädliche Effekte sind wissenschaftlich zuverlässig nachgewiesen. Ein Nutzen hingegen nicht.

Daher hat das Bundeskabinett einen Gesetzentwurf beschlossen, der Konversionsbehandlungen für Minderjährige und für nicht voll einwilligungsfähige Erwachsene verbietet. Untersagt ist auch die Werbung für solche Behandlungen. Ziel ist der Schutz der sexuellen Selbstbestimmung. Dem Gesetz müssen noch der Bundestag und der Bunderat zustimmen.

Verstöße gegen das Verbot der Konversionstherapie werden als Straftaten mit einer Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr sanktioniert. Wer gegen das Verbot der Werbung, des Anbietens und Vermittelns verstößt, muss mit einem Bußgeld von bis zu 30.000 Euro rechnen.

Kostenfreie Beratung 

Der Gesetzentwurf sieht zudem ein Beratungsangebot der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) vor - und zwar für alle, für Betroffene genauso wie für diejenigen, die sich beruflich mit dem Thema befassen. Die Beratung soll kostenfrei sein, mehrsprachig und anonym erfolgen. Sie soll sowohl als Telefon- als auch als Onlineberatung angeboten werden.

Das Gesetz gilt nicht für Erwachsene, die selbstbestimmt handeln können. Ausgenommen sind auch Behandlungen bei Störungen der Sexualpräferenz wie Exhibitionismus oder Pädophilie. Genauso wenig sind Behandlungen eingeschlossen, die Menschen in Anspruch nehmen, wenn sie sich mit ihrem angeborenen biologischen Geschlecht nicht identifizieren können und daher eine Angleichung des Körpers an das empfundene Geschlecht anstreben.