Bühnen im virtuellen Raum

58. Theatertreffen Bühnen im virtuellen Raum

Wie jedes Jahr im Mai präsentiert das Berliner Theatertreffen die zehn bemerkenswertesten Inszenierungen aus dem deutschsprachigen Raum. Sie zeigen, wie Theater für die Präsentation im Netz kreativ konzipiert und aufbereitet werden kann. Weitere Angebote machen das Festival auch in digitaler Form zu einem Treffpunkt für Theaterschaffende und -begeisterte. Das gesamte Programm ist in diesem Jahr auf einer digitalen Bühne kostenfrei zu erleben.

„Einfach das Ende der Welt“. Nach Jean-Luc Lagarce. Regie Christopher Rüping | Schauspielhaus Zürich. Benjamin Lillie, Matze Pröllochs

Eröffnungsinszenierung „Einfach das Ende der Welt“ nach Jean-Luc Lagarce in der Regie von Christopher Rüping, Schauspielhaus Zürich.

Foto: Diana Pfammater

Die unabhängige Jury wählte die zehn Inszenierungen aus 285 digitalen und analogen Aufführungen des vergangenen Jahres aus. Sie werden pandemiebedingt während des Festivals, das vom 13. bis 24. Mai stattfindet, via Livestream oder als Aufzeichnungen präsentiert. Das gilt auch für die Eröffnungsinszenierung von „Einfach das Ende der Welt“, die Regisseur Christopher Rüping für das Schaupielhaus Zürich realisiert hat.

Zum Start des diesjährigen Theatertreffens geht erstmalig die Plattform Berliner Festspiele Digital online, die für das Festival eine experimentelle digitale Bühne und für das Publikum Möglichkeiten zum Austausch schafft.
Weitere Informationen finden Sie auf der  Festival-Webseite.

Digitale Technologien im Theater von heute

Mit diesem Angebot sei das digitale Theatertreffen ein Lichtblick nach einem „für die Branche niederschmetternden Pandemie-Jahr“, freute sich Kulturstaatsministerin Monika Grütters in ihrer Videobotschaft zum Start des Festivals.

Ganz offensichtlich habe die Notlösung „Theater im Netz“ vielen Ensembles auch Inspiration in Form neuer Ästhetiken und Erzählweisen beschert. „Die diesjährige 10er Auswahl des Theatertreffens jedenfalls zeigt eindrucksvoll, wie Theater von digitalen Technologien künstlerisch profitieren kann“, so das Fazit der Kulturstaatsministerin.

Realisiert wird das Theatertreffen von den Berliner Festspielen. Sie sind Teil der Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin GmbH – kurz KBB – ,  einer der bedeutendsten Plattformen internationaler Kulturarbeit in Deutschland. Neben den Berliner Festspielen mit dem Martin Gropius Bau gehören auch die Berlinale und das Haus der Kulturen der Welt zur KBB.

Einen wichtigen Akzent mit Blick auf die Digitalisierung setzt der digitale ShowcaseStages Unboxed“, den das Theatertreffen in Zusammenarbeit mit der Akademie für Theater und Digitalität und der Initiative Digitale Dramaturgie entwickelt hat. Hier geht es um Praxis und Status Quo von Theater im Netz. Gezeigt werden vier Produktionen, die sich repräsentativ mit zeitgenössischen Technologien auseinandersetzen.

Niederschwellig, offen und international

Dass die Digitalisierung nicht nur künstlerische Auswirkungen hat, sondern das Festival auch mit Blick auf das Publikum verändert, unterstreicht die Leiterin des Theatertreffens Yvonne Büdenhölzer. Das Team freue sich, ein Festival zu präsentieren, das „niederschwellig, offen und international“ sein wolle.

Treffpunkt für Theatermacherinnen und -macher sowie Fans aus aller Welt zu sein, war schon immer Anspruch des Festivals. Seine Rolle als Vernetzungs- und Diskursplattform und Open Space der Theaterkünste zeigt sich in dieser digitalen Ausgabe weiter gestärkt.

Themen und Fragen des Gegenwartstheaters

Das gilt auch für den Stückemarkt, der sich bereits seit 1978 der Förderung der Gegenwartsdramatik verschrieben hat. Seit 2018 sind Theaterschaffende aus der ganzen Welt eingeladen, sich mit neuen Stücken oder bereits fertigen Theaterprojekten zu bewerben. Die Performances und Lesungen des Stückemarktes finden in diesem Jahr ebenfalls digital statt.

“Worauf warten wir?“ lautet der Titel einer Gesprächsreihe, in der Theaterschaffende, Kulturarbeiterinnen und Kulturarbeiter zusammen mit Politikerinnen und Politikern die Bedingungen künstlerischen Arbeitens seit Beginn der Corona-Pandemie untersuchen. Dabei geht es auch um mögliche Zukunftsperspektiven für den Theaterbetrieb. 

Schon zum dritten Mal widmet sich das Theatertreffen im Rahmen des Diskursprogramms TT Kontext dem Thema „Geschlechter(un)gleichheiten“. Der genderkritische Blick gilt dabei nicht nur den ausgewählten Inszenierungen. Diskutiert werden auch Veränderungen hierarchischer Strukturen am Theater.

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