Südafrika – eine besondere Freundschaft

Porträtfoto von Martin Schäfer, deutscher Botschafter in Südafrika

Martin Schäfer ist deutscher Botschafter in Südafrika.

Foto: Marco Krüger / Deutsche Botschaft Pretoria

Ein lauter, heißer Club voller junger Musiker in Soweto – ein DJ-Workshop. Und mittendrin der deutsche Botschafter. Ich höre mir die Tapes an und rede mit den jungen Leuten. In Port Elizabeth besuche ich eine Container-Bibliothek in einem Township und spreche mit Schülerinnen und Schülern über ihre Zukunftspläne. Natürlich gehört auch der Kontakt zur Regierung zu meinem Alltag. Genauso wie die Betreuung von Besuchern aus Deutschland. Im Februar 2020 war die Bundeskanzlerin zu Gast, wenige Wochen vor dem Corona-Ausbruch. Und mitten in der Corona-Krise dann unter größtem Druck 20 Flüge zur Heimholung vieler Tausend Deutscher, die in Südafrika im Urlaub gestrandet waren. Meine Arbeit ist jeden Tag anders und immer spannend.

Vom Unrecht in die Freiheit

2020 war ein besonderes Jahr für Südafrika, Deutschland und die Beziehungen zwischen unseren Ländern. Südafrika hat den 30. Jahrestag der Freilassung Nelson Mandelas gefeiert. Am 11. Februar 1990, nach 27 Jahren Gefangenschaft, wurde Mandela jubelnd am Rathaus von Kapstadt begrüßt. Die Apartheid war am Ende, Jahrzehnte von Unrecht und Unterdrückung waren vorbei.

Wir in Deutschland haben 30 Jahre Wiedervereinigung gefeiert. Beileibe kein Zufall: Ohne die friedliche Revolution im Osten und den Fall der Mauer in Berlin hätte es wohl auch kein Ende der Apartheid in Südafrika gegeben. Unsere Länder eint der schwierige, aber erfolgreiche Weg aus schmerzvollen, von Unrecht geprägten Kapiteln der Geschichte hin zu Demokratie, Frieden und Freiheit.

Dass dieser lange Weg noch nicht zu Ende ist, kann man in Südafrika überall sehen. Ungleichheit, Armut und Arbeitslosigkeit stellen das Land vor große Bewährungsproben, mehr denn je nach einem harten Kampf gegen die Corona-Pandemie. Staatspräsident Cyril Ramaphosa möchte Reformen anstoßen und braucht dafür Investoren, auch aus Deutschland. Er will Korruption und Misswirtschaft bekämpfen, Vertrauen zurückgewinnen und den hohen Erwartungen aller Südafrikaner gerecht werden.

Wir sind eng verbunden

Deutschland hat großes Interesse daran, dass Südafrika der Weg nach vorne gelingt. Politisch und wirtschaftlich sind wir eng miteinander verbunden. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hielt bei seinem Staatsbesuch Ende 2018 eine große Rede zur gemeinsamen Geschichte unserer beiden Länder. Anfang 2020 war Bundeskanzlerin Angela Merkel zu Gast bei Präsident Ramaphosa. Es ging um eine engere Zusammenarbeit bei den erneuerbaren Energien und der Berufsbildung – Themen, bei denen wir viel anzubieten haben. Aber auch auf internationaler Ebene arbeiten wir eng zusammen. Gemeinsam haben wir als nichtständige Mitglieder im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen gesessen und sind für eine regelbasierte Weltordnung eingetreten. Südafrika hatte 2020 für ein halbes Jahr den Vorsitz der Afrikanischen Union inne, Deutschland die EU-Ratspräsidentschaft. Gemeinsam tragen wir Verantwortung auch für unsere Nachbarkontinente.

DJ Ralf Gum ist bekannter als der Botschafter

Was mich aber besonders freut: Neben all diesen wichtigen politischen Anknüpfungspunkten sind es die unzähligen Initiativen auf zivilgesellschaftlicher Ebene, die die Freundschaft zwischen unseren Ländern so besonders machen. Von den jungen Freiwilligen, die sich jedes Jahr in Sozialprojekten engagieren, über kreative Kooperationen in Kunst, Mode und Sport bis zu Künstlern wie dem deutschen DJ Ralf Gum, der in Südafrika mit seiner Musik und seinem Engagement viel bekannter ist als der deutsche Botschafter.

Südafrika steht vor vielen Herausforderungen, gewiss. Viel wichtiger jedoch ist das enorme Potenzial, das dieses großartige Land mit seinen wunderbaren Menschen birgt. Für mich ist es eine große Freude, deutscher Botschafter in Südafrika zu sein.

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