Girls´Day im Kanzleramt

Mit der Kanzlerin im Technik-Parcours

Mädchen für Technik zu begeistern: Ziel des Girls´Day, den die Kanzlerin mit dem Empfang von 22 Mädchen eingeläutet hat. Auf einem Technik-Parcours lernte Merkel den Roboter Nano, eine Erste-Hilfe-App und die Berliner Schülerinnen Ella, Amelie und Johanna kennen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel beim Girls' Day im Bundeskanzleramt.

Einen Tag vorm deutschlandweiten Girls' und Boys'Day hat die Kanzlerin wieder ins Kanzleramt geladen.

Foto: Bundesregierung/Kugler

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Girls‘ Day im Kanzleramt

Johanna hat letzte Nacht kaum ein Auge zugemacht. "Ich bin schon ziemlich aufgeregt, das ist echt krass für mich", erzählt die 14-Jährige.

Es ist Mittwochmorgen neun Uhr, und in etwas mehr als zwei Stunden wird die Berliner Gymnasiastin die Kanzlerin persönlich treffen. Insgesamt sind 22 Mädchen der Jahrgangsstufen 8-10 von drei Berliner Schulen (Otto-Nagel-Gymnasium, Fritz-Karsen-Schule, Paula-Fürst-Schule) ins Kanzleramt gekommen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel beim Girls' Day im Bundeskanzleramt.

Johanna (re.) und Amelie (li.) erklären der Kanzlerin den Versuch zur Messung von Pflanzenwachstum.

Foto: Bundesregierung/Kugler

Girls´Day will Klischees überwinden

Auch wenn der Girls´Day in diesem Jahr zum 18. Mal stattfindet: Johanna ist davon überzeugt, dass der Aktionstag nach wie vor notwendig ist. Auch um Klischees zu überwinden. "Bei uns im Unterricht kommt es manchmal noch vor, dass zum Beispiel bei Problemen mit dem Smartboard nach einem Jungen gefragt wird. Dabei können viele Mädchen auch gut mit Technik umgehen", meint Johanna.

Die 15-Jährige Amelie berichtet von intensiven Diskussionen zum Thema Rollenbilder in ihrer Schule. "Einige finden schon noch, dass Frauen für eher typische weibliche Berufe und für den Haushalt geeignet sind. Aber wenn dies jemand sagt, gibt es schon Protest und es wird versucht, dagegen zu argumentieren". Für die 16-jährige Ella ist dagegen klar: Jungen und Mädchen sind gleichermaßen für die verschiedensten Berufe geeignet. Johanna unterstützt diese Auffassung: "Jungs können zum Beispiel auch ziemlich empathisch sein."

Technik-Parcours mit der Kanzlerin

Nach der ersten Diskussion ist es jetzt Zeit, sich auf den Rundgang durch den Technik-Parcours mit der Kanzlerin vorzubereiten. An den Stationen von sieben Unternehmen und der Bundespolizei wollen die Schülerinnen kurz mit Angela Merkel ins Gespräch kommen. Punkt 11.15 Uhr ist die Kanzlerin da, um zunächst eine Schätzfrage zu beantworten, die die Mädchen lösen sollten: Wie viel Prozent der jungen Menschen, die im Wintersemester 2016/2017 ein MINT-Fach (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) studiert haben, waren weiblich? Die Antwort: 29,87 Prozent. Merkel nimmt dies zum Anlass für ihr Statement: Mädchen für Berufe zu gewinnen, die nicht zu den klassischen Mädchenberufen zählen, "ist wichtiger denn je".

Merkel: Gute Karriereaussichten für Frauen

Auch der diesjährige Berufsbildungsbericht macht deutlich, dass in Berufen, in denen die Frauen traditionell unterrepräsentiert sind, die Zahl der neuen Ausbildungsverträge von Frauen um 3,2 Prozent weiter gesunken ist. Die Kanzlerin hält das für bedauerlich, "weil gerade Berufe im naturwissenschaftlich-technischen Bereich neue und spannungsreiche Berufsfelder mit guten Verdienstmöglichkeiten und mit sehr, sehr guten Karriereaussichten auf dem Markt sind und Chancen auf eine gute Ausbildung in Deutschland bieten".

Kanzlerin trifft Roboter NAO

Nun wird es ernst: Die Kanzlerin macht sich auf, um den Parcours zu besuchen. Jetzt haben Johanna und Amelie ihren großen Auftritt. Das Proben hat sich gelohnt: Fast wie angehende Expertinnen für digitale Wachstumsanalyse erklären sie der Kanzlerin die Versuchsanordnung an ihrem Stand. Einige Meter weiter macht Merkel Bekanntschaft mit NAO. "Guten Tag Frau Bundeskanzlerin", dröhnt es leicht blechern aus dem menschenähnlichen Roboter. Plötzlich bewegt sich dieser und fällt um. "Autsch", quietscht NAO laut; die bemitleidenden Blicke der Kanzlerin und der Schülerinnen sind ihm gewiss.

An der nächsten Station könnte NAO geholfen werden. Hier stellt Ella eine Erste-Hilfe-App vor. Mit Tipps zum richtigen Verhalten bei kleinen und großen Verletzungen.

Auf jeden Fall viel gelernt

Nach einer Stunde ist Schluss. Jetzt wirken Johanna, Amelie und Ella auch wieder ganz locker. "Mir hat der Tag hier viel gebracht, es ist toll zu sehen, welche technischen Möglichkeiten es heute so gibt", meint Johanna. Für sie ist klar, dass sie beruflich später etwas in Richtung Forschung oder Medizin machen möchte. Amelie weiß noch nicht, welchen Berufsweg sie einschlagen möchte. Anders als Ella: "Ich bleibe dabei, mein Ziel ist Schauspielerin". Nicht gerade ein Technik-Beruf. Aber wenn ihr später mal vor Lampenfieber schwindelig werden sollte, hilft ihr vielleicht eine Erste-Hilfe-App.

Organisiert hat die Auftaktveranstaltung zum Girls´Day in Zusammenarbeit mit dem Kanzleramt die Initiative D21.

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