Robust durch die Krise – Wohlstand erneuern

Jahreswirtschaftsbericht 2023 Robust durch die Krise – Wohlstand erneuern

Die Wirtschaftsaussichten zum Jahresbeginn sind besser als erwartet. Die Bundesregierung rechnet in ihrem Jahreswirtschaftsbericht mit einem leichten Wirtschaftswachstum von 0,2 Prozent für 2023. Die Regierung hilft mit Entlastungen und will die Transformation voranbringen.

Foto zeigt einen Umschlagbahnhof.

Die Bundesregierung erwartet für dieses Jahr eine leichte Zunahme des Bruttoinlandsprodukts um 0,2 Prozent. 2024 soll die Wirtschaft um 1,8 Prozent wachsen.

Foto: picture alliance / Peter Kneffel

Deutschland hat die wirtschaftlichen Folgen des Kriegs in der Ukraine bislang gut bewältigt. Die deutsche Wirtschaft behauptet sich – trotz Energiekrise und Lieferkettenproblemen. „Deutschland zeigt, was es kann“, sagte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck bei der Vorstellung des Jahreswirtschaftsberichts. „Wir haben eine Krise beherrschbar gemacht. Die schlimmsten Szenarien konnten wir vermeiden“, so Habeck. Im vergangenen Jahr sei eine neue Dynamik entfacht worden. Deutschland könne schnell sein und viel leisten. 

Das Kabinett hat den Jahreswirtschaftsbericht 2023 beschlossen. Er trägt den Titel „Wohlstand erneuern“.

Leichtes Wachstum und steigende Erwerbstätigkeit

In ihrem Jahreswirtschaftsbericht 2023 erwartet die Bundesregierung für dieses Jahr eine leichte Zunahme des Bruttoinlandsprodukts um 0,2 Prozent. 2024 soll die Wirtschaft um 1,8 Prozent wachsen. Die Bundesregierung wird alles dafür tun, um diese positive Tendenz zu stärken.

Die Zahl der Beschäftigten liegt auf Rekordniveau und hat zuletzt weiter zugelegt. In diesem Jahr soll die Erwerbstätigkeit weiter auf etwa 45,7 Millionen steigen.

Die Ausgangslage zum Jahresbeginn ist besser als erwartet: 2022 wuchs die Wirtschaftskraft um 1,9 Prozent, hatte das Statistische Bundesamt bereits am 13. Januar mitgeteilt. Für 2023 bestehen weiterhin große Unsicherheiten aufgrund des Kriegs in der Ukraine, der schwachen weltwirtschaftlichen Entwicklung und der hohen Energiepreise.

Sichere und klimaschützende Energieversorgung

Die Bundesregierung hat umfangreiche Maßnahmen ergriffen, um die Energieversorgung zu sichern und die ausfallenden russischen Energieimporte kurzfristig zu ersetzen. Sie hat zudem die entscheidenden Rahmenbedingungen zum schnelleren Ausbau erneuerbarer Energien geschaffen, um die Klimaschutzziele zu erreichen. Sie fördert den Hochlauf von Klimaschutztechnologien. Sie setzt verstärkt auf Energieeinsparungen und Energieeffizienz. Für eine sichere, klimaschützende Energieversorgung und eine erfolgreiche Transformation schließt die Bundesregierung neue Energie- und Rohstoffpartnerschaften - mit Asien, Afrika und Amerika.

Entlastungspakete helfen

Deutschland hat sich innerhalb weniger Monate unabhängig gemacht von russischen Energielieferungen und die Energieversorgung gesichert.

Die Bundesregierung stellt drei Entlastungspakete mit mehr als 95 Milliarden Euro zur Verfügung und 200 Milliarden Euro für einen Abwehrschirm für die Wirtschaft, um die hohen Energie- und Verbraucherpreise abzumildern, die Energieversorgung bezahlbar zu halten und Einkommen zu stärken. Sie unterstützt damit Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen massiv.

Die Inflation geht langsam zurück. Die Bundesregierung rechnet für 2023 mit einem geringeren Anstieg des Verbraucherpreisniveaus um 6,0 Prozent gegenüber vergangenem Jahr. 2022 erlebte Deutschland eine historisch hohe Inflationsrate von durchschnittlich 7,9 Prozent, im Herbst betrug diese sogar zehn Prozent. Die Maßnahmen der Bundesregierung werden weiter spürbare Entlastungen bringen.

Die vorläufigen Wirtschaftsdaten für 2022 zeigen, dass die Entlastungsmaßnahmen der Bundesregierung helfen. Verbraucherinnen und Verbraucher sind wieder etwas optimistischer gestimmt. Ihr Konsum ist eine wichtige Stütze für die Konjunkturentwicklung.

Inflationsrisiken begrenzen, Preisbelastungen lindern

Die Bundesregierung sucht zudem mit den Sozialpartnern im Rahmen der „Konzertierten Aktion“ weiter nach Lösungen, um Inflationsrisiken zu begrenzen und Preisbelastungen zu lindern. Die Bundesregierung rechnet für dieses Jahr mit einer Steigerung der verfügbaren Einkommen um 4,9 Prozent. Ab 2024 sollen die verfügbaren Einkommen wieder über der Inflationsrate liegen.

Wohlstand erneuern – Transformation beschleunigen

Durch die Folgen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine erfährt die Transformation hin zu einer klimaneutralen und sozial nachhaltigen, innovationsgetriebenen Wirtschaft eine deutlich größere Dynamik. Die Notwendigkeit zur Veränderung wird deutlicher denn je. Dabei muss Deutschland ein starker und wettbewerbsfähiger Standort bleiben.

Die Bundesregierung nimmt daher mit ihrer Politik die Transformation der Wirtschaft ganz besonders in den Blick: Sie will ein innovationsfreundliches Umfeld mit Freiräumen für Unternehmen, Gründerinnen und Gründer schaffen. Die Bundesregierung werde die Industrie dabei stärker unterstützen, so Habeck.

Denn Deutschland braucht Investitionen und Innovationen, um den Strukturwandel erfolgreich zu meistern. Mit besseren Steuerabschreibungen und Superabschreibungen will sie mehr private Investitionen anreizen. Ein Industriestrompreis soll dazu beitragen, dass die deutsche Industrie auch in der Transformation wettbewerbsfähig bleibt.

Fachkräfte gewinnen und fördern

„Wir haben 800.000 offene Stellen momentan“, sagte der Bundeswirtschaftsminister. Die deutsche Wirtschaft braucht viele gut qualifizierte Fachkräfte, um Innovationen zu entwickeln und umzusetzen. Mit ihrer Fachkräftestrategie will die Bundesregierung Unternehmen und Verwaltungen dabei unterstützen, Fachkräfte zu gewinnen und zu halten. Sie setzt das Maßnahmenpaket jetzt nach und nach um: Aktuell mit den zwei Gesetzesvorhaben zum Fachkräfteeinwanderungsgesetz und dem Weiterbildungsgesetz.

Internationalen Handel stärken

Um neue, verlässliche Lieferketten zu sichern und unsere Wirtschaft widerstandsfähiger zu machen, setzt sich die Bundesregierung für Freihandelsabkommen mit weiteren Ländern in aufstrebenden Regionen ein. Deutschland wird das EU-Freihandelsabkommen mit Kanada ratifizieren.

Sozial-Ökologische Marktwirtschaft

Die Bundesregierung hat sich das Ziel gesetzt, die soziale Marktwirtschaft zu einer sozial-ökologischen Marktwirtschaft weiterzuentwickeln. Dafür nimmt sie andere Messgrößen in den Blick, die stärker als bislang die Qualität unserer wirtschaftlichen Entwicklung in den Fokus nehmen: Anhand von Wohlfahrts-, Gerechtigkeits- und Nachhaltigkeitsindikatoren wird dargestellt, wie sich die gesellschaftliche Wohlfahrt jenseits des BIP in Deutschland entwickelt hat. 

Eine sozial-ökologische Marktwirtschaft erfordert etwa zum Erhalt der Biodiversität einen Ordnungsrahmen, um eine zu starke Landnutzung oder Verschmutzung zu verhindern. Sie umfasst ebenfalls eine gemeinwohlorientierte Wirtschaft und soziale Innovationen, beispielsweise mit Geschäftsmodellen gegen Ressourcenverschwendung, Lösungen für bessere Bildung, Integration und soziale Teilhabe.