Zahl der Beratungen deutlich gestiegen

Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ Zahl der Beratungen deutlich gestiegen

Während der Corona-Pandemie haben sich weit mehr Frauen als vorher an das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ gewandt. Insgesamt wurden 2020 mehr als 51.000 Beratungen gezählt - ein Anstieg von 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Bundesfrauenministerin Giffey bezeichnete das Hilfetelefon als „Rettungsanker in Krisenzeiten“. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Bundesfamilienministerin Giffey mit dem Jahresbericht des Hilfetelefons "Gewalt gegen Frauen".

Bundesfamilienministerin Giffey stellte den Jahresbericht des Hilfetelefons "Gewalt gegen Frauen" vor.

Foto: picture alliance/dpa

Welche Entwicklung zeigt der Jahresbericht des Hilfetelefons „Gewalt gegen Frauen“?

Der Jahresbericht zeigt: Das bundesweite Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ ist und bleibt eine wichtige erste Anlaufstelle für gewaltbetroffene Frauen. Insgesamt wurden laut Bericht 51.407 Beratungen durchgeführt – das entspricht einem Anstieg von 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Gleichwohl nahmen die Anfragen zum Thema häuslicher Gewalt deutlich zu: Insgesamt gab es 20 Prozent mehr Beratungen als im Vorjahr. „Seit April liegt die Zahl der Fälle im Wochendurchschnitt bei rund 480. Damit geht beim Hilfetelefon alle 20 Minuten eine Anfrage dazu ein“, so Petra Söchting, Leiterin des Hilfetelefons.

Zugleich stieg auch die Anzahl von Menschen aus dem sozialen Umfeld betroffener Frauen, die Rat und Unterstützung beim Hilfetelefon suchten. In über 9000 Fällen haben sich Menschen aus der Nachbarschaft aus dem Freundes Verwandten Kollegenkreis an das Hilfetelefon gewandt. Das ist im Vergleich zum Vorjahr auch ein Anstieg von 20 Prozent. Petra Söchting nannte als Grund die geänderte Lebenssituation unter Corona. Menschen verbringen mehr Zeit zuhause und werden dadurch häufiger Zeugen oder Zeuginnen von Gewaltausbrüchen in der Nachbarschaft.

Auch die Nachfrage an fremdsprachlicher Beratung stieg um 25 Prozent, was eine schwierigere Situation von Frauen mit Migrationserfahrung in der Pandemie vermuten lässt.

Inwieweit hat die Corona-Pandemie Einfluss auf die Fallzahlen zur häuslichen Gewalt?

Mit dem Corona-bedingten Lockdown sind die Beratungskontakte des Hilfetelefons seit Ende März 2020 deutlich angestiegen und pendeln seither durchgängig auf diesem erhöhten Niveau. Dennoch kann ein unmittelbarer Rückschluss von gestiegenen Beratungszahlen beim Hilfetelefon auf die tatsächliche Zunahme von häuslicher Gewalt während der Corona-Krise derzeit noch nicht gezogen werden. „Wir können auf der Grundlage der Polizeilichen Kriminalstatistik für 2020 erste Hinweise sehen, wonach die Zahl der polizeilich bekanntgewordenen Fälle häuslicher Gewalt leicht angestiegen ist, so Giffey. Wir haben aber noch keine detaillierte Auswertung. Aber die gestiegenen Beratungszahlen machen deutlich, dass das Hilfetelefon eben unverzichtbar ist.“

Während der Pandemie hat das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ eine erhöhte Medienpräsenz erzielt. Die gestiegene Bekanntheit sorgte vermutlich zudem für mehr Kontaktaufnahmen – eine Entwicklung, die auch weiterhin erwartet wird.

Seit wann gibt es das Hilfetelefon?

Mit dem Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen" wurde 2013 erstmals ein deutschlandweit und rund um die Uhr erreichbares Hilfeangebot für Frauen geschaffen, die von Gewalt betroffen sind. Über 80 qualifizierte Mitarbeiterinnen bieten kompetente Erstberatung an und weisen die Betroffenen zur weiteren Betreuung auf Unterstützungseinrichtungen vor Ort hin. Das Bundesfrauenministerium fördert das Frauenhilfetelefon.

Wohin können sich betroffene Frauen wenden?

Es gibt Möglichkeiten und Wege, sich gegen Gewalt zu wehren. Folgende Hilfsangebote können erste Anlaufstelle sein:

  • Frauenhilfetelefon: Unter der kostenlosen Telefonnummer 08000 116 016 beraten und informieren die Mitarbeiterinnen des Hilfetelefons „Gewalt gegen Frauen“ rund um die Uhr in 17 Sprachen zu allen Formen von Gewalt gegen Frauen.
  • Frauenberatungsstellen: Bundesweit gibt es mittlerweile mehr als 600 Fachberatungsstellen, an die sich Betroffene wenden können. Sie sind darauf spezialisiert, Frauen zu beraten, unterstützen und begleiten, die Opfer von Gewalt geworden sind.
  • Frauenhäuser:  Um Frauen mit ihren Kindern schnell, unbürokratisch und zuverlässig Schutz und Beratung anbieten zu können, gibt es rund 350 Frauenhäuser in ganz Deutschland.

Was tut der Bund für gefährdete Frauen?

Neben dem Frauenhilfetelefon fördert die Bundesregierung weitere Programme, die helfen sollen, Gewalt gegen Frauen zu bekämpfen:

  • Initiative Stärker als Gewalt: Mit ihr soll mehr Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit für häusliche Gewalt erreicht werden. Das Ziel ist, dass mehr Menschen genau hinschauen und sich auch einschalten, wenn Gewalt droht. Betroffene sollen ermutigt werden, sich Unterstützung zu holen. Zudem gilt es, Hilfsangebote besser bekannt zu machen. Die Internetseite der Initiative gibt einen Überblick über Stellen, die Hilfe bieten - auch bei Partnerschaftsgewalt gegen Männer, die aber deutlich seltener vorkommt.
  • Runder Tisch gegen Gewalt an FrauenEr hat das Ziel, durch enge Vernetzung Finanzhilfen und die Unterstützung vor Ort besser abzustimmen. Denn es gibt Lücken und große regionale Unterschiede im Hilfesystem.
  • Förderprogramm „Geimeinsam gegen Gewalt an Frauen: Damit investiert der Bund in den Ausbau von Beratungsstellen und Frauenhäusern in Deutschland. Hierfür stehen in den kommenden vier Jahren 120 Millionen Euro bereit - zur Unterstützung von Ländern und Kommunen.
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