AKW Gundremmingen

Block B geht vom Netz

Zum Jahresende wird Block B des Kernkraftwerks Gundremmingen in Bayern abgeschaltet. Der letzte Block C wird Ende 2021 vom Netz gehen. Was geschieht anschließend mit dem Gebäude, seinen baulichen Anlagen und dem Inventar?

Für den Block B des Kernkraftwerks Gundremmingen erlischt die Berechtigung zum Leistungsbetrieb zum 31. Dezember 2017. Das sieht die im Sommer 2011 verabschiedete 13. Novelle des Atomgesetzes vor. Block C hingegen darf demnach noch bis zum 31. Dezember 2021 Strom ins Netz speisen. Danach muss das AKW endgültig abgeschaltet sein.

Das Gebäude und seine Anlagen können dann aber nicht einfach abgeschlossen werden. Da auch nach Betriebsende einer kerntechnischen Anlage noch eine Gefährdung von Mensch und Umwelt ausgehen kann, müssen Fachleute sie "geordnet stilllegen". Was heißt das genau?

Das AKW Gundremmingen liegt an der Donau im Landkreis Günzburg in Bayern. Baubeginn für die Blöcke B und C war der 19. Juli 1976. Block B war am 9. März 1984 betriebsbereit, Block C am 26. Oktober 1984. Beide Blöcke produzieren jährlich rund 21 Milliarden Kilowattstunden Strom. Block A wurde bereits 1966 als erstes kommerziell genutztes Kernkraftwerk in Deutschland in Betrieb genommen. Nach einem Störfall am 13. Januar 1977 wurde Block A abgeschaltet. Seit 1983 wird der Block zurückgebaut.

"Grüne Wiese" ist das Ziel

Grundsätzlich umfasst der Begriff "Stilllegung" alle Maßnahmen, die nach Genehmigung zur Stilllegung durchgeführt werden. Die Stilllegung kerntechnischer Anlagen muss ein strenges Genehmigungsverfahren durchlaufen. Da Mensch und Umwelt wegen möglicher Strahlenbelastungen direkt betroffen sein können, wird die Öffentlichkeit in den Prozess der Stilllegung miteinbezogen. Bürgerinnen und Bürger können beispielsweise die Unterlagen, wie stillgelegt werden soll, einsehen. So können sie sich gegebenenfalls rechtzeitig dagegen aussprechen.

Zwischen der endgültigen Abschaltung und dem Beginn der eigentlichen Stilllegung liegt die sogenannte "Nachbetriebsphase". Diese kann mehrere Jahre oder sogar Jahrzehnte dauern. Vor allem müssen die Brennelemente noch einige Jahre weiter gekühlt werden.

Betreiber trägt Kosten für den Rückbau

Zuständig für den Rückbau eines nicht mehr betriebenen Kernkraftwerks ist – dem Verursacherprinzip entsprechend – der Betreiber. In der Nachbetriebsphase muss der Betreiber ein Stilllegungskonzept entwickeln und dies von der zuständigen atomrechtlichen Landesbehörde genehmigen lassen.

Für das AKW Gundremmingen ist der direkte Abbau in mehreren Schritten vorgesehen. Das erfolgt nach dem Prinzip "von außen nach innen": Gebäudeteile mit geringer Strahlenbelastung werden zuerst entsorgt, danach Bereiche mit entsprechend höherer Belastung.

Als Letztes werden radioaktive Verunreinigungen von der Gebäudestruktur entfernt. Erst wenn der Rückbau der belasteten Teile erfolgreich war, wird das Gebäude freigegeben.

Sicherheit und Strahlenschutz von zentraler Bedeutung

Das Betriebspersonal des Kernkraftwerks sowie die Bevölkerung und die Umwelt müssen jederzeit während des Rückbaus vor unzulässigen Strahlenbelastungen geschützt sein.

Dies betrifft alle Arbeiten im Rahmen der Stilllegung. So muss etwa das radioaktive Inventar in Systemen und Räumen eingeschlossen sein. Das Personal muss bei der Arbeit vor allem mit speziellen Schutzanzügen, Handschuhen, Überschuhen und Atemschutzmasken geschützt sein. Nicht zuletzt müssen die Abluft gefiltert und die Abwässer gereinigt werden.

Der Ausstieg aus der Kernkraft: Für die drei jüngsten Anlagen (Kernkraftwerke Isar 2, Emsland und Neckarwestheim 2) erlischt die Genehmigung zum Betrieb spätestens im Jahr 2022. Die übrigen Anlagen (Philippsburg 2, Grohnde, Gundremmingen C und Brokdorf) gehen gestaffelt bis spätestens 2019 und 2021 vom Netz.

Und wohin mit dem radioaktiven Abfall?

Zu den Rückbaukosten gehören auch diejenigen für die Entsorgung der bestrahlten Brennelemente und der radioaktiven Abfälle einschließlich deren Endlagerung. Um einen geeigneten Endlagerstandort zu finden, setzte der Deutsche Bundestag (nach Inkrafttreten des sogenannten Standortauswahlgesetzes 2013) im Jahre 2014 die "Kommission Lagerung hoch radioaktiver Abfallstoffe" ein. Deren Vorschläge und Handlungsempfehlungen wurden in dem im Mai 2017 in Kraft getreten "Gesetz zur Fortentwicklung des Standortauswahlgesetzes" umgesetzt.

Ziel des Gesetzes ist eine offene, wissenschaftsbasierte und transparente Suche eines Endlagerstandortes nach dem Prinzip der "weißen Landkarte", das heißt, keine Region wird von vornherein ausgeschlossen. Geplant ist, dieses Verfahren bis zum Jahr 2031 abzuschließen. Ab 2050 soll der Atommüll am endgültigen Standort eingelagert werden.

Die Kernenergie verliert im Vergleich mit den erneuerbaren Energien aus Sonne, Wind und Co. zunehmend an Bedeutung: Ihr Anteil am gesamten Energiemix sank von 17,6 Prozent in 2011 auf 13,1 Prozent Ende 2016. Erneuerbare Energien decken heute schon knapp 33 Prozent des Bruttostrombedarfs ab.

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