7.12.1989: Premiere für den "Runden Tisch"

7. Dezember 1989: Zum ersten Mal tagt der "Zentrale Runde Tisch". Damit ist eine Forderung der neuen Parteien und Oppositionsgruppen erfüllt. Jetzt sehen sich die Machthaber gezwungen, ihre Macht zu teilen. Die Friedliche Revolution hat eine neue Stufe erreicht.

Premiere für den Runden Tisch

1989-12-07 Premiere für den Runden Tisch

Foto: Robert-Havemann-Gesellschaft/Rolf Walter

"Bestandteil der öffentlichen Kontrolle"

Der "Runde Tisch" ist zwar nicht rund, sondern viereckig, aber das ändert nichts am Charakter dieses Forums. Man tagt auf neutralem Boden – im Dietrich-Bonhoeffer-Haus in der Nähe des Friedrichstadtpalasts – und man bestimmt drei Geistliche als Moderatoren: einen Katholiken, einen Protestanten und einen Methodisten. Eigentlich sollen sie nur die erste Sitzung leiten, doch dann sollen sie weitermachen.

Die Idee, Vertreter der Macht und der Opposition gleichberechtigt an einen Tisch zu bringen, stammt aus Polen, aus der Phase des Übergangs vom Sozialismus zur Demokratie.

Alte und neue Kräfte gleich stark

Die SED und die vier Blockparteien haben je drei Vertreter, also insgesamt 15. Dieselbe Zahl an Vertretern stellen Neues Forum (drei Stimmen) sowie die anderen neuen Gruppen (je zwei Stimmen). Später kommen noch für jede Seite vier Vertreter weiterer Organisationen hinzu.

Im "Selbstverständnis", dass der Runde Tisch in seiner ersten Sitzung beschließt, heißt es, er verstehe sich "als Bestandteil der öffentlichen Kontrolle". Und noch am selben Tag fordert er die Regierung auf, das "Amt für Nationale Sicherheit", wie die Stasi inzwischen heißt, aufzulösen. Tatsächlich wird der neue Regierungschef Hans Modrow das am folgenden Tag veranlassen – und wenige Tage später zwei neue Geheimdienste gründen lassen.

16 lange Sitzungen

Bis März 1990 tagt der Runde Tisch 16-mal. Jedes Mal mehrere Stunden. Er beschließt rund hundert Gesetzentwürfe und am Ende sogar einen neuen Verfassungsentwurf für die DDR. Dieser Verfassungstext findet jedoch kaum Resonanz – weder in der ersten frei gewählten Volkskammer, noch in der Bevölkerung. Denn die Autorinnen und Autoren haben hohe Hürden für eine Wiedervereinigung Deutschlands errichtet.

Das Wahlergebnis vom 18. März 1990 wird dagegen zeigen: Die große Mehrheit der Menschen wünscht sich, dass die Einheit zügig kommt.

Parteien und Gruppen gewinnen Profil

Gleichwohl hat der Runde Tisch mindestens zwei große Verdienste: Zum einen findet er in der ganzen DDR Nachahmer, sodass auch auf kommunaler und regionaler Ebene immer mehr "SED-Fürsten" ihre Macht abtreten müssen. Zum anderen gibt er den beteiligten Parteien und Gruppen die Chance, in der Öffentlichkeit Profil zu gewinnen.

Ab Januar 1990 überträgt das DDR-Fernsehen die Sitzungen live, sodass das Fernsehpublikum beobachten kann, wer für welche Politik steht. Die Blockparteien beweisen dabei immer mehr Unabhängigkeit von der SED.

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