Flugzeugabsturz in Südfrankreich

"Tragödie von schier unfassbarer Dimension"

Die Bundeskanzlerin hat sich tief getroffen über die neuen Erkenntnisse zum Flugzeugunglück gezeigt. Die Bundesregierung werde alles Erdenkliche tun, um die Ermittlungen zu unterstützen, versicherte sie. Am 17. April wird Merkel am zentralen Trauerakt für die Opfer im Kölner Dom teilnehmen.

Bundeskanzlerin Merkel

Merkel: "Wir versuchen zu begreifen, was dort geschehen ist."

Foto: Bundesregierung/Denzel

"Wir können kaum das Leid ermessen, das mit dieser Katastrophe über so viele Familien gekommen ist. Wir versuchen zu begreifen, was dort geschehen ist", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel am vergangenen Donnerstag in einer Ansprache vor der Presse im Bundeskanzleramt. "Heute nun haben uns Nachrichten erreicht, dass dieser Tragödie eine neue, eine schier unfassbare Dimension gegeben wird."

Die Auswertung der Audiodateien des Stimmrekorders durch deutsche und französische Ermittler hatte zu neuen Erkenntnissen über das Unglück geführt. Demnach soll der Co-Pilot das Flugzeug bewusst zum Absturz gebracht haben. Der Pilot soll das Cockpit verlassen haben. Später sei ihm der Zugang zurück ins Cockpit verweigert worden.

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Die Bundeskanzlerin zu den jüngsten Erkenntnissen zum Flugzeugabsturz

Umstände restlos aufklären

Da noch nicht alle Hintergründe des Unglücks bekannt seien, sei es wichtig, dass weiter ermittelt werde, forderte Merkel. Bei ihrem Besuch des Unglückortes am Mittwoch in Südfrankreich habe sie zusammen mit dem französischen Präsidenten und dem spanischen Ministerpräsidenten den Einsatzkräften für ihre äußert schwierige Arbeit gedankt. "Und wir haben versprochen, dass wir von Seiten unserer Regierungen alles tun werden, um zu helfen, alle Umstände dieses Absturzes restlos aufzuklären."

Den Angehörigen der Opfer, der Familien und Freunde, aber auch allen Bürger versicherte sie, dass die Bundesregierung und die deutschen Behörden alles Erdenkliche tun würden, um die Ermittlungen zu unterstützen. "Das sind wir allen Menschen, die am Dienstag in dieser Katastrophe ihr Leben lassen mussten und ihren Angehörigen, die jetzt so schrecklich leiden, schuldig."

Die heutigen Nachrichten seien noch einmal eine fürchterliche Belastung für die Angehörigen der Opfer. "In dieser so leidvollen Stunde und in diesen so leidvollen Tagen denken wir noch einmal besonders an sie", sagte die Kanzlerin.

Am 17. April finden im Kölner Dom ein staatlicher Trauerakt und ein ökumenischer Gottesdienst zum Gedenken an die Opfer des Airbus-Absturzes statt. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Joachim Gauck werden daran teilnehmen. Erwartet werden auch ausländische Gäste aus Spanien, Frankreich und weiteren Heimatländern der Opfer.

De Maizière zu den laufenden Ermittlungen

Es gebe keine Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund, sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière zu den laufenden Ermittlungen. Er habe sich mit seinem französischen Amtskollegen telefonisch über den Erkenntnisstand zur Absturzursache ausgetauscht. Dabei ging es um Hintergrund und Motiv des offenbar zum Unglückszeitpunkt für die Steuerung der Maschine verantwortlichen Co-Piloten.

De Maizière teilte mit, dass deutsche Sicherheitsbehörden noch am Tag des Absturzes nachrichtendienstliche und polizeiliche Informationen nachgefragt hätten. Diese Abfragen seien ohne Ergebnis geblieben.

Der Bundesinnenminister betonte, dass die Sachlage nun weiter aufzuklären sei. Er verwies dabei auf die Verfahrenshoheit der französischen Staatsanwaltschaft. Diese arbeite eng mit der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft zusammen, die ein Todesermittlungsverfahren eingeleitet hätte.

Dobrindt: Neue Erkenntnisse plausibel

Zuvor hatte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt erklärt, dass für ihn die Bewertung der französischen Staatsanwaltschaft zum Absturz der Maschine plausibel sei. Nun hoffe man, den Flugdatenschreiben zu finden, um die Erkenntnisse zu den letzten Minuten des Fluges zu konkretisieren, sagte er in Berlin. Die Darstellungen der Staatsanwaltschaft seien "mehr als erschütternd", so der Minister.

Er stehe in ständigem Kontakt mit Experten vor Ort, seinen französischen Kollegen und der Deutschen Lufthansa, sagte Dobrindt. Ziel sei es, den Unfall aufzuklären und die richtigen Schlussfolgerung zu ziehen.

Gedenken im Bundestag

Mit einer Schweigeminute hatte der Bundestag am Donnerstagmorgen der Opfer des Flugzeugsabsturzes gedacht. Das Unglück habe Deutschland, Spanien und Frankreich in Schock und Schmerz vereint, sagte Bundestagspräsident Norbert Lammert zu Beginn der Sitzung.

Deutschland habe viel internationale Anteilnahme erfahren und sei dankbar dafür. Lammert dankte auch den Rettungs- und Bergungsmannschaften, die unter schwierigsten Bedingungen im Einsatz seien.

Merkel am Unglücksort

Am Mittwoch war die Bundeskanzlerin an den Unglücksort nach Südfrankreich gereist. In einer Pressebegegnung mit dem französischen Präsidenten François Hollande und dem spanischen Ministerpräsidenten Rajoy gedachte Merkel in Seyne-les-Alpes der Opfer des Absturzes: "Es ist eine wahrhafte Tragödie; das hat uns der Besuch heute noch einmal vor Augen geführt." Sie fuhr fort: "Den Familien und den Angehörigen aller Opfer wünsche ich viel Kraft, egal ob sie aus Deutschland kommen oder aus anderen Ländern."

Beispiellose Hilfsbereitschaft

Es seien nicht nur ihre Gedanken, die bei den Angehörigen, den Familien der Opfer und den Freunden der Opfer seien, sondern auch "und das ist das Bewegende am heutigen Tag, die Gedanken der Franzosen, aber vor allen Dingen der Menschen hier in dieser Region, die in einer beispiellosen Hilfsbereitschaft mit einem unglaublichen Engagement und einem großen Herzen hier Hilfe leisten."

Den Angehörigen der Opfer versicherte sie, sie würden vor Ort aus vollem Herzen willkommen sein. "Und es wird alles getan werden, um zu versuchen, das Unfassbare, das geschehen ist, so weit wie möglich aufzuklären."

Die Kanzlerin schloss mit einem Wort des Dankes an den französischen Präsidenten: "Und lieber François – ein ganz herzliches Dankeschön im Namen von Millionen Deutschen, die das zu schätzen wissen und die wissen, dies ist gelebte deutsch-französische Freundschaft."

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