Desinformation als hybride Bedrohung

Cybersicherheit Desinformation als hybride Bedrohung

Aus sicherheits- und verteidigungspolitischer Sicht ist Desinformation hybriden Bedrohungen zuzuordnen, wenn sie direkt oder indirekt durch fremde Staaten gesteuert wird. Damit ist eine Form der Kriegsführung gemeint, die nicht ausschließlich militärische Gewalt anwendet. Die Bedrohung entsteht vielmehr im digitalen Raum.

Die Überschrift in einer Zeitung "Cyber attack"

Desinformationskampagnen können eine hybride Bedrohung darstellen

Foto: mauritius images / arda savaşcıoğulları / Alamy

Das Internet bietet ideale Voraussetzungen für Angriffe in Form von Desinformationskampagnen: Sie sind leicht zu tarnen – häufig ist der Täter nicht nachvollziehbar und bleibt anonym. Sie sind verhältnismäßig kostengünstig umzusetzen und sie können enorm effektiv sein. Wenn Diskussionen in sozialen Netzwerken gezielt gesteuert werden, wenn Nachrichten manipuliert oder aus dem Kontext gerissen werden, so dass Verwirrung entsteht und öffentliche Debatten beeinflusst werden, können diese Angriffe durch Desinformation zur echten Gefahr werden.

Offene, pluralistische und demokratische Gesellschaften stellen eine leichte Beute dar, weil sie den Gegnern viele Angriffsflächen für ihre verdeckten Operationen bieten. Und aktuell gibt es Desinformationen, die dazu dienen, das Vertrauen in die Bundesregierung zu untergraben, so sind Verschwörungs- und Untergangserzählungen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie dazu geeignet, die öffentliche Sicherheit zu gefährden.

Informationen austauschen, koordiniert handeln

Die digitalen Sicherheitsfragen sind so komplex und fluide, dass ein permanenter Informationsaustausch der verantwortlichen Bundesbehörden zwingend notwendig ist. Das Nationale Cyber-Abwehrzentrum koordiniert diese Aufgabe und schafft die Voraussetzungen für eine effektive Gefahrenabwehr und wirksame Prävention im digitalen Raum. Zum Nationalen Cyber-Abwehrzentrum gehören unter anderem das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV), das Bundeskriminalamt (BKA), der Bundesnachrichtendienst (BND), das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK). Die Federführung hat das Bundesamt für Sicherheit und Informationstechnik (BSI)

Was macht das Bundesamt für Sicherheit und Informationstechnik?
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) ist die nationale Cyber-Sicherheitsbehörde. Hybride Bedrohungen und deren Abwehr gewinnen sowohl im nationalen als auch internationalen Kontext stetig an Relevanz. Staatliche aber auch nichtstaatliche Akteure greifen vermehrt auf hybride Methoden und Ansätze zurück, um destabilisierenden Einfluss auf Staaten auszuüben. Weitere Informationen enthält der Lagebericht von 2020 des BSI.

Gemeinsame Strategien gegen Hackerangriffe und Propaganda

Auch das Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) arbeitet seit längerer Zeit intensiv daran, wie Desinformation begegnet werden kann. Die Bundeswehr hat 2018 das Projekt „ Propaganda Awareness“ gestartet, um Propaganda zu entlarven, die sich gegen die Bundeswehr in den Einsatzgebieten richtet. Außerdem soll unter Federführung des BMVg und des Bundesministeriums des Inneren eine „Agentur für Innovation in der Cybersicherheit“ eingerichtet werden.

Mehrere Mitgliedstaaten der EU und der Nato haben zudem das „ Zentrum gegen hybride Bedrohungen“ in Helsinki gegründet. Gemeinsam wollen sie Strategien gegen Hackerangriffe, Propaganda und Desinformationskampagnen entwickeln.
Die Nato selbst listet unter der Überschrift „ Setting the record straight” Desinformation russischen Ursprungs auf. 

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