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Ernährungsreport 2023 Wissen, was drin steckt

Der aktuelle Ernährungsreport der Bundesregierung zeigt: Immer weniger Menschen essen täglich Fleisch- und Wurstwaren, vegetarische und vegane Ernährung ist beliebt. Und: An die Politik gibt es viele Erwartungen.

4 Min. Lesedauer

Obst und Gemüse liegt nach Farben sortiert auf einem Tisch.

71 Prozent der Befragten im Ernährungsreport geben an, täglich Obst und Gemüse zu essen. 

Foto: picture alliance/Christin Klose

Bereits seit 2015 befragt das Bundesernährungsministerium jährlich rund 1.000 Bürgerinnen und Bürger nach ihren Ess- und Einkaufsgewohnheiten. Der daraus erstellte Ernährungsreport zeigt Trends beim Einkaufen und Kochen, formuliert Erwartungen an die Landwirtschaft und die Politik. Hier einige der Ergebnisse im Überblick.

Schmackhaft, gesund und nachhaltig

Essen muss schmecken – da sind sich 99 Prozent der Befragten einig und dies in allen Altersgruppen. Ebenso wird auf gesundes Essen Wert gelegt. Für Ältere ab 60 Jahren ist dieser Aspekt mit 94 Prozent sogar noch etwas wichtiger als für Jüngere (14 bis 29 Jahre). Hier sind es 88 Prozent. Wichtig für über die Hälfte der Befragten ist zudem, dass es einfach und schnell zuzubereiten ist.

Auch Nachhaltigkeitsaspekte legen zu: Eine deutliche Mehrheit (80 Prozent) möchte wissen, wie das Tier gehalten wurde, von dem das Lebensmittel stammt. 74 Prozent legen Wert darauf, dass ein Lebensmittel umwelt- und ressourcenschonend produziert, fair gehandelt (73 Prozent) oder ökologisch erzeugt (72 Prozent) wurde.

Gleichzeitig – geschuldet den gestiegenen Lebenshaltungskosten – geben die Befragten auch um zehn Prozent häufiger als 2022 an, darauf zu achten, dass die Lebensmittel preiswert sind.

Viel Obst und Gemüse, weniger Fleisch

Gemüse und Obst nehmen bei den Essgewohnheiten einen Spitzenplatz ein: Bei 71 Prozent der Befragten stehen sie mindestens einmal pro Tag auf dem Speiseplan. 58 Prozent essen täglich Milchprodukte wie Joghurt oder Käse. Süßigkeiten oder herzhafte Knabbereien gehören bei etwa einem Viertel zum Tag dazu.

Immer weniger Befragte verzehren jeden Tag Fleisch und Wurstwaren. Der Anteil liegt aktuell bei 20 Prozent. 2015 waren es 34 Prozent. Gleichzeitig greifen immer mehr Menschen täglich zu vegetarischen und veganen Alternativen. 2020 gaben dies fünf Prozent der Befragten an, jetzt waren es zehn. Dabei sind die Alternativprodukte bei Jüngeren angesagter als bei Älteren.

Gewünscht: Transparenz beim Einkauf

Regionalität und Nachhaltigkeit – auch diese Aspekte sind den Verbraucherinnen und Verbrauchern wichtig. Knapp zwei Drittel aller Befragten geben an, Lebensmittel, die mit Siegeln gekennzeichnet sind, sehr häufig oder häufig zu kaufen. Insbesondere jüngere Menschen unter 30 Jahren suchen Orientierung. Bei ihnen haben solche Produkte dieses Jahr eine größere Bedeutung bekommen.

Insgesamt geben zwei Drittel der Befragten an, dass sie immer oder meistens auf das Regionalfenster achten, ein Siegel, das über die regionale Herkunft eines Produkts informiert. Wert auf das BioSiegel legen 59 Prozent.

Ebenso achten rund zwei Drittel darauf, wie die Tiere gehalten wurden, aus denen ihr Lebensmittel besteht. Das Tierwohllabel hat seit 2015 einen wesentlich höheren Stellenwert bekommen. 2015 haben 36 Prozent auf diese Label geachtet – jetzt sind es 29 Prozent mehr.

Was erwarten die Bürgerinnen und Bürger von der Politik?

Die überwiegende Mehrheit der Befragten (94 Prozent) finden es sehr wichtig oder wichtig, dass für bessere Tierhaltungsbedingungen mit weniger Tieren in Ställen gesorgt wird. Eine verpflichtende, staatliche Kennzeichnung der Tierhaltung bei allen Fleisch- und Milchprodukten in Handel und Gastronomie befürworten 86 Prozent. Da die Befragung im Mai 2023 durchgeführt wurde, war zu diesem Zeitpunkt das staatliche Tierhaltungskennzeichen noch nicht in Kraft.

77 Prozent der Befragten halten es aus Klimaschutzgründen generell für wichtig, dass die Menschen weniger Fleisch essen. Auch die Eindämmung der Lebensmittelverschwendung liegt den Befragten am Herzen. So befürworten 92 Prozent weniger Lebensmittelabfälle in Haushalten und Betrieben. Für 93 Prozent ist eine Verpflichtung für Supermärkte, abgelaufene Lebensmittel zu spenden, eine Lösung. Fast ebenso viele befürworten es, wenn bereits entsorgte, aber noch genießbare Lebensmittel aus Müllcontainern von Supermärkten straffrei entwendet werden könnten.

Ähnlich hoch sind die Werte für den Ausbau des ökologischen Landbaus (87 Prozent). Viele sprechen sich dafür aus, dass in Restaurants und Kantinen mehr Gerichte mit oder aus Bio-Lebensmitteln angeboten werden.

41 Prozent teilen die Auffassung, dass Gemüse und Obst zu teuer sind, bei Fleisch- und Wurstprodukten sind es 21 Prozent der Befragten. Für die Abschaffung der Mehrwertsteuer auf Gemüse und Obst sprechen sich 73 Prozent aus.

Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir zeigt den Ernährungsreport

Deutschland, wie es isst: Bundeslandwirtschaftsminister Özdemir bei der Vorstellung des Ernährungsreports 2023.

Foto: picture alliance/Flashpic

Das tut die Bundesregierung

Bereits im Koalitionsvertrag wurde vereinbart, eine staatlich verbindliche Tierhaltungskennzeichnung einzuführen und die Landwirte in Deutschland dabei zu unterstützen, die Nutztierhaltung artgerecht umzubauen. Seit Ende August 2023 ist das neue verbindliche Kennzeichen in Kraft.

Es ist ein Meilenstein auf dem Weg zum Umbau der Nutztierhaltung. Gemeinsam mit Änderungen im Baurecht, mit einer nationalen Ausweitung der Herkunftskennzeichnung und neuen Leitplanken für einheitliche Auslegungen im Bereich des Immissionsschutzes sind hierzu weitere wichtige Schritte gemacht worden. Auch eine Startfinanzierung von einer Milliarde Euro wurde bereitgestellt.

Zugleich arbeitet die Bundesregierung an der Zukunftsstrategie „Ökologischer Landbau“ . Um den Anteil ökologisch erzeugter, saisonal-regionaler Lebensmittel in Kitas, Schulen und Kantinen zu erhöhen, ist Anfang Oktober 2023 ein neues Bio-Label in Kraft getreten.

Im Dezember 2023 hat die Bundesregierung mit einem Eckpunktepapier die Richtung der ihrer Ernährungsstrategie vorgezeichnet. Sie soll eine gesunde Umgebung für Ernährung und Bewegung schaffen – insbesondere mit Blick auf Kinder.

Auch das Problem der Lebensmittelverschwendung geht die Bundesregierung an. Die bereits 2019 beschlossene Nationale Strategie zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung wird permanent weiterentwickelt. Erst im Juni 2023 wurde mit Unternehmen des deutschen Groß- und Einzelhandels ein „Pakt gegen Lebensmittelverschwendung“ unterzeichnet. In Bezug auf das Thema Containern haben die Bundesminister Cem Özdemir und Marco Buschmann gemeinsam an die Länder appelliert, Änderungen bei den Richtlinien zum Verfahrensrecht vorzunehmen.

Weitere Informationen finden Sie beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft . Den vollständigen Ernährungsreport finden Sie hier zum Download .