Der Patient im Mittelpunkt

Hightech-Strategie Der Patient im Mittelpunkt

Im Krankheitsfall wünscht sich jeder eine "patientenorientierte" Versorgung. Doch wie gelingt diese, zum Beispiel in Reha-Einrichtungen? Sozial- und Wirtschaftswissenschaftler forschen intensiv zu diesem wichtigen Teil der Zukunftsaufgabe "Gesundes Leben" der Hightech-Strategie der Bundesregierung.

Ein Arztteam untersucht eine Patientin.

Der Patient im Mittelpunkt: Dies sollte das Ziel bei jeder medizinischen Versorgung sein.

Foto: Jens Komossa

"Patientenorientierung" ist ein Schlagwort, das in der Versorgungsforschung immer wieder auftaucht. Der normale Mensch wird sich fragen, woran sich denn eine Klinik sonst orientieren soll. Tatsächlich spielen aber andere Faktoren, vor allem ökonomische und organisatorische mitunter eine sehr große Rolle. Auch steht die stark hierarchische Organisation vieler Einrichtungen einer teamorientierten Ausrichtung auf den Patienten entgegen.

Patientenorientierte Teamentwicklung

Patientenorientierte Teamentwicklung ist daher das Thema, dem sich die Psychologin Mirjam Körner und ihr Team von der Universität Freiburg in einem vom Bundesforschungsministerium geförderten Projekt angenommen haben. Körner sagt: "Patientenorientierung meint ja so ziemlich alles. Die Patienten sind zufrieden, ihr Gesundheitszustand verbessert sich und die Strukturen und Prozesse in den Organisationen sind auf den Patienten ausgerichtet."

Besonders wichtig ist die enge Abstimmung der Ärzte, Physiotherapeuten, Sportwissenschaftler, Psychologen und Pflegekräfte in Reha-Einrichtungen. Regelmäßige Besprechungen sind verpflichtend, aber nicht immer wirklich effektiv. Oftmals wird viel zu lange über einen Patienten gesprochen, zu wenig über die anderen. Die Zeit ist in aller Regel zu knapp und viel Organisatorisches ist zu besprechen, so dass der Patient nicht immer im Mittelpunkt steht. Viele Sitzungen laufen unstrukturiert ab.

Therapieziele definieren

Mit dem Patienten/der Patientin zusammen sollen zunächst Therapieziele festgelegt werden. Was will der Patient mit einem Rückenleiden erreichen? Will er wieder Volleyball spielen können, möchte er schmerzfrei im Garten arbeiten? Im Verlauf der Behandlung können sich die Ziele auch verändern.

Die Freiburger Forscherinnen und Forscher haben sich in fünf Rehakliniken mit den Teambesprechungen beschäftigt, sie gemeinsam mit dem Personal analysiert. Bei mehreren Treffen erarbeiteten sie, wie die Teamarbeit effektiver und stärker patientenorientiert ablaufen kann. Gleichzeitig erfragten sie, wie erfolgreich Teammitglieder und Patienten die Veränderungen einstufen. Die Resultate waren ermutigend. Überwiegend wuchs die Zufriedenheit mit den Besprechungen. Auch die Befragung der Patientinnen und Patienten ergab, dass sie zufriedener sind als Patienten in Einrichtungen, in denen die Teams nicht optimiert wurden.

Strukturierte Besprechungen

Wie sieht nun eine verbesserte Teambesprechung aus? Allgemein sagen kann das Körner nicht, da in jedem Team andere Probleme anzugehen waren. Die Psychologen aus dem Projekt erarbeiteten gemeinsam mit dem Team Strukturen und Regeln für die Besprechungen. So wurde festgelegt, wie ein Fall durchzusprechen ist, welche Informationen vorher an alle gegeben werden und wie strukturiert ein Patient besprochen wird. Oft war es sinnvoll, jemanden aus der Gruppe als Moderator zu benennen, der für den Ablauf Verantwortung übernimmt.

Das Team – und nicht der behandelnde Arzt oder Ärztin allein – bespricht jeden Fall und jedes Behandlungsziel. Jeder Behandler macht Vorschläge, wie er dazu beitragen kann, das Therapieziel zu erreichen. Auch werden so alle, die mit dem Patienten zu tun haben, auf den gleichen Informationsstand gebracht. Das ist sehr wichtig, wenn es beispielsweise bestimmte Einschränkungen oder Allergien gibt. Darüber hinaus fühlt sich der Patient gut betreut, wenn er das Gefühl hat, dass jeder Behandler umfassend über ihn informiert ist.

Patientenkommunikation verbessern

Grafik Patientenorientierte Teamtentwicklung für Einrichtungen im Gesundheitswesen

Viele Aspekte sind zu beachten

Foto: PATENT

Auch die Kommunikation mit der Patientin/dem Patienten war Thema der Projektgruppe in einer früheren Projektphase. Wichtig ist, dass alle Mitglieder des Teams dem Patienten helfen, den Zweck jeder Behandlung zu verstehen. Der Patient soll die Möglichkeit haben zu sagen, welche Behandlung er bevorzugt. Er muss wissen, welche Alternativen es gibt und welche Vor- und Nachteile die verschiedenen Methoden haben. Therapieplan und –ziel müssen angepasst werden können.

Vieles klingt selbstverständlich, war es aber in der Praxis nicht. Deshalb ist die Projektgruppe nun dabei, Handlungsempfehlungen und Schulungskonzepte zu erarbeiten. So können die Erkenntnisse allen interessierten Einrichtungen nützen. Damit der Patient wirklich im Mittelpunkt steht.

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