Enge Wechselwirkung von Meer und Klima

UN-Dekade für Ozeanforschung Enge Wechselwirkung von Meer und Klima

Traditionell werden die Ozeane als unbegrenzt und unerschöpflich wahrgenommen. Die Quelle lebendiger Vielfalt ist jedoch bedroht und damit auch die Lebensgrundlage von Menschen, Tieren und Pflanzen. Die Forschung zum Schutz der Meere steht daher im Mittelpunkt der UN-Dekade, die am 1. Juni begonnen hat.

UN-Dekade für Ozeanforschung

Bundesministerin Anja Karliczek (rechts) eröffente am Dienstag mit der Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts, Prof. Antje Boetius, die UN-Dekade für Ozeanforschung.

Foto: BMBF/Hans -Joachim Rickel

„Mit mehr als 70 Prozent der Erdoberfläche sind Meere und Ozeane Lebensräume für zahllose Tier- und Pflanzenarten. Für uns Menschen sind sie unverzichtbare Nahrungs- und Rohstoffquellen“, betonte Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Auftakt der UN-Ozeandekade. Daher würden die kommenden zehn Jahre – auch wegen der engen Wechselwirkung von Meer und Klima – zu einem „richtungsweisenden Jahrzehnt für unsere Zukunft“ werden.

„Die Zukunft unserer Erde hängt also wesentlich davon ab, wie wir mit den Meeren umgehen und sie nutzen, wie wir die Folgen hieraus abschätzen können und welche Lehren wir daraus ziehen“, so Merkel weiter. Hier sei die Meeresforschung von elementarer Bedeutung. Sie könne Antworten darauf liefern, was letztlich für einen wirksamen Schutz der Weltmeere und ihrer Funktionen im globalen Öko- und Klimasystem zu tun sei. 

Die UN-Dekade der Ozeanforschung unterstreiche, wie wichtig es sei, wissenschaftliche Kompetenzen weltweit zusammenzuführen. „So lassen sich auch fundierte Entscheidungsgrundlagen für politisches Handeln gewinnen“, sagte die Kanzlerin.

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Video Grußwort der Bundeskanzlerin

Weltweiter Auftakt für UN-Dekade

Unter dem Motto „Creating the Ocean We Want“ beginnt weltweit am 1. Juni die UN-Dekade der Ozeanforschung für nachhaltige Entwicklung 2021–2030. Ausgerufen von der Zwischenstaatlichen Ozeanographischen Kommission (IOC) der UNESCO soll sie bis zum Jahr 2030 Wissen über den Ozean und seine zentrale Rolle für das Weltklima stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken.

Ziel ist es, auf höchster internationaler Ebene neue Lösungen zum Schutz der Ozeane und einer nachhaltigen Nutzung zu entwickeln. Denn die Meere leiden unter massiven menschengemachten Bedrohungen wie Überfischung, Verschmutzung und Zerstörung von Lebensräumen. Dazu kommen die dramatischen Auswirkungen der Klimakrise.

Wissenschaft und Forschung sind aufgefordert, sich mit politischen Entscheidungsträgern, der Zivilgesellschaft, der Kultur und der Wirtschaft zusammenzufinden, um das außergewöhnliche Potenzial der heutigen Meeres- und Ozeanforschung weiter auszuschöpfen und wissenschaftsbasierte, innovative Lösungen für einen nachhaltigen Umgang mit dem Ozean zu finden. Diese Vernetzung ist ein zentrales Element des virtuellen High-Level-Auftakts. 

Die High-Level-Auftaktveranstaltung fand im Futurium in Berlin statt. Pandemiebedingt vor Ort im kleinen Rahmen, doch durch die Übertragung im Internet nahmen Teilnehmer aus allen Reginen der Welt teil. Bundesforschungsministerin Anja Karliczek eröffnete die Konferenz. Die Bundeskanzlerin und auch der UN-Generalsekretär António Guterres sandten Video-Grußbotschaften.

Ozeane bilden einizgartigen Lebensraum

Die Bundesforschungsministerin forderte international größere Anstrengungen für den Schutz der Meere. „Langsam geraten unsere Ozeane an ihre Belastungsgrenze“, sagte die Ministerin zum Auftakt der Dekade. „Wir müssen alles daransetzen, dieses einzigartige Ökosystem zu schützen und zu bewahren. Diese Herausforderung können wir nur bewältigen, wenn wir weltweit zusammenarbeiten.“

„Wir wollen die Ozeane und die 'Klimamaschine Meer' besser verstehen und internationale Forschungskooperation stärken“, betonte Karliczek. „Wir wollen unser Wissen in die Umsetzung bringen und einen nachhaltigen Umgang mit den Ozeanen weltweit erreichen, in dem der Schutz im Vordergrund steht und die Nutzung der vielfältigen Ressourcen in einem respektvollen Umgang mit dem Ökosystem Ozean erfolgt.“

Die Ozeane bildeten „das größte zusammenhängende Ökosystem unseres Planeten“, so die Ministerin. „Seit Millionen von Jahren bieten sie einen einzigartigen Lebensraum für unzählige Arten. Sie halten das Klima im Gleichgewicht und sind zugleich Lebensgrundlage für viele Menschen auf der Welt.“ Daher finanziert die Bundesregierung die deutsche Meeresforschung jährlich mit rund 400 Millionen Euro.

Sieben Ziele für die Ozeanforschung

Die Generalversammlung der Vereinten Nationen hat sieben Ziele für die Ozeandekade bis zum Jahr 2030 beschlossen. Der Umsetzungsplan für die Ozeandekade wurde in einem umfassenden Konsultationsprozess entwickelt, der alle Weltregionen einbezog und von der Generalversammlung der Vereinten Nationen verabschiedet wurde. Die internationale Gemeinschaft hat sich bereits mit der Verabschiedung des UN-Nachhaltigkeitsziels 14 „Leben unter Wasser“ (SDG 14) verpflichtet, die nachhaltige Nutzung des Ozeans bis 2030 zu erreichen. Die Ozeandekade soll wissenschaftliche Grundlagen und Handlungsempfehlungen für die Umsetzung der marinen Ziele der Agenda 2030 entwickeln.

Die sieben Ziele:

  • ein sauberer Ozean, dessen Quellen der Verschmutzung identifiziert und reduziert oder entfernt werden,
  • ein gesunder und widerstandsfähiger Ozean, dessen Ökosysteme verstanden, geschützt, wiederhergestellt und verwaltet werden,
  • ein produktiver Ozean, der eine nachhaltige Nahrungsmittelversorgung und eine nachhaltige Meereswirtschaft unterstützt,
  • ein vorausschauender Ozean, das heißt, dass die Gesellschaft die sich verändernden Bedingungen im Meer versteht und darauf reagieren kann,
  • ein sicherer Ozean, vor dessen Gefahren Leben und Lebensgrundlagen geschützt sind,
  • ein zugänglicher Ozean mit offenem und gleichberechtigtem Zugang zu Daten, Informationen, Technologien und Innovationen,
  • ein inspirierender Ozean, das heißt, dass die Gesellschaft den Ozean in Bezug auf das menschliche Wohlergehen und die nachhaltige Entwicklung versteht und wertschätzt.
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