Einblicke in den Klimawandel

Arktisforschung Einblicke in den Klimawandel

Ein deutsch-russisches Forscherteam rekonstruiert die Klima- und Umweltgeschichte der vergangenen 130.000 Jahre. Damit sollen Voraussagen über das Klima und die Nutzung der Arktis möglich werden.

Das Forscherteam arbeitet auf dem zugefrorenen See Bolshoye Shuchye.

Das Forscherteam arbeitet auf dem zugefrorenen See Bolshoye Shuchye.

Foto: © Martin Melles, Universität zu Köln

Eine Eisfläche im Nirgendwo, 20 Grad Minus, dazu oftmals stürmischer Wind - mehrere Wochen haben Forscherinnen und Forscher unter diesen abenteuerlichen Bedingungen in der russischen Arktis campiert, um Probenmaterial für das Projekt PLOT zu gewinnen. Ihr Ziel ist es, neue wichtige Erkenntnisse zum arktischen Klimasystem zu erhalten - um daraus ein Kompass für die künftige Entwicklung der Region zu erhalten. Gefördert wird das Vorhaben vom Bundesforschungsministerium im Rahmen der wissenschaftlich-technischen Zusammenarbeit mit Russland.

6000 Kilometer breiter Korridor

Die während des seit 2013 laufenden Projekts durchgeführten Feldkampagnen konzentrierten sich auf fünf Seen entlang eines 6000 Kilometer breiten West-Ost-Korridors im nördlichen Russland. Einige der Seen sind von weitgehend unberührten Naturlandschaften umgeben und wurden durch Menschen kaum verändert. Sie sind also äußerst wertvoll für geologische Untersuchungen.

Enormer logistischer Aufwand

Die Seen wurden zunächst mit Hilfe einer modernen seismischen Technik erkundet. Anschließend kam neuartiges Bohrgerät zum Einsatz, mit dem von der geschlossenen Eisdecke oder von einer schwimmenden Plattform aus bis zu 50 Meter tief in die Sedimentschichten am Boden der Seen vorgedrungen wurde. "Der logistische und zeitliche Aufwand war enorm", sagt Professor Martin Melles, Projektleiter von PLOT und Leiter der Arbeitsgruppe Quartärgeologie am Institut für Geologie und Mineralogie der Kölner Universität. Hubschrauber transportierten Einzelteile für die Bohrcamps direkt auf die Seen. Standorte an Land erreichten die Wissenschaftler nur mit Kettenfahrzeugen.  

Erstklassige Klima-Archive durch Bodenproben

Die in den entlegenen Seen gewonnenen Proben rechtfertigten den Aufwand: Die bis zu 130.000 Jahre alten Sedimentkerne stellen Klima-Archive ersten Ranges dar, deren chemische, physikalische und biologische Analyse wissenschaftliche Einblicke in die gesamte letzte Kaltzeit erlaubt. Diese erdgeschichtliche Epoche setzte vor rund 115.000 Jahren ein und endete vor etwa 12.000 Jahren. "Wir können aus den Sedimenten wie aus einem Buch lesen und mehr über die damaligen Umweltbedingungen erfahren", sagt Melles.

Empfehlungen für die Nutzung der Arktis

Die bisherigen Analysen haben nach seiner Aussage vielversprechende Ergebnisse erbracht. Erste Daten wurden bereits publiziert. Das Forscherteam will einen bedeutenden Beitrag dazu leisten, das Klimasystem des nördlichen Russlands weiter zu entschlüsseln und Hinweise zur künftigen Klimaentwicklung liefern. Politik und Gesellschaft sollen Empfehlungen für die nachhaltige Nutzung der russischen Arktis erhalten. "Wir wissen noch zu wenig über die Steuerungsmechanismen in der Arktis", erklärt Melles.