Nachhaltigkeitspolitik

Der "Grüne Knopf"

Orientierung für nachhaltiges Einkaufen

Mit einer bewussten Kaufentscheidung können Verbraucherinnen und Verbraucher die Produktionsbedingungen in der Textilbranche beeinflussen: Der "Grüne Knopf" gibt Auskunft, ob das Kleidungsstück unter menschenwürdigen Umständen und ökologisch nachhaltig produziert wurde. 

Foto zeigt Arbeiterinnen in einer Fabrik

Arbeiterinnen in einer Textilfabrik in Äthiopien: Ein herkömmliches T-Shirt hat eine Reise von 18.000 Kilometern hinter sich, bis es bei uns im Laden liegt.

Foto: Michael Gottschalk/photothek.net

Weltweit arbeiten mehr als 60 Millionen Menschen in der Bekleidungsindustrie, die meisten von ihnen in Entwicklungs- und Schwellenländern. In vielen Produktionsländern gibt es noch immer 16-Stunden-Schichten, Löhne, die kaum zum Leben reichen, Kündigung bei Schwangerschaft oder Krankheit sowie Produktionsmethoden, die Luft und Wasser verschmutzen.

Oft ungenügende Sicherheitsmaßnahmen

Die Sicherheitsmaßnahmen in den Fabriken sind oft ungenügend, was 2013 mit dem Einsturz der maroden Rana Plaza-Textilfabrik in Bangladesch mehr als deutlich wurde. Damals starben über 1.000 Näherinnen. Eine solche Tragödie darf sich nicht wiederholen.

Damit Verbraucherinnen und Verbraucher bewusst nachhaltige Kleidung kaufen können, gibt es das staatliche Textilsiegel "Grüner Knopf". Das Label zeichnet Textilien wie Kleidung, Bettwäsche oder Rucksäcke aus, die nach nachhaltigen Sozial- und Umweltstandards hergestellt wurden. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick: 

Warum wird der Grüne Knopf eingeführt? 

Drei Viertel der Verbraucherinnen und Verbraucher ist nachhaltige Mode wichtig. Sie wollen kein T-Shirt tragen, das von Kindern genäht oder mit giftigen Chemikalien gefärbt wurde. Der Grüne Knopf schafft hier Klarheit und Vertrauen. Der Staat legt die Bedingungen und Kriterien fest. Unabhängige, anerkannte Prüfer kontrollieren die Einhaltung. Das schafft Vertrauen für die Verbraucherinnen und Verbraucher.

Wo wird der Grüne Knopf in der Kleidung zu finden sein? 

Der Grüne Knopf wird gut sichtbar - als Symbol - angebracht: am Etikett, direkt auf dem Produkt oder auf der Verpackung. 

Gibt es nicht schon Siegel für fairen Einkauf?

Genau das ist das Problem. Bei den unterschiedlichen Siegeln blicken viele nicht mehr durch. Einige Siegel konzentrieren sich auf faire Arbeitsbedingungen, andere auf strenge Umweltstandards. Der Grüne Knopf schafft Orientierung. Die geprüften Textilien werden sozial und ökologisch nachhaltig hergestellt - nach festgelegten Standards. Produkte wie T-Shirts oder Bettwäsche müssen hohe Umwelt- und Sozialkriterien erfüllen. Zusätzlich wird das gesamte Unternehmen überprüft. Gibt es Beschwerdemöglichkeiten für die Näherinnen vor Ort? Legt es Risiken in der Lieferkette offen? Schafft es Missstände ab? Diese umfassende Prüfung ist das Besondere am Grünen Knopf. Einzelne Vorzeigeprodukte reichen alleine nicht aus. Das gesamte Unternehmen muss sich zu Nachhaltigkeit verpflichten.

Welche Kriterien müssen Textilien erfüllen, um den Grünen Knopf zu erhalten?

Insgesamt müssen 46 Sozial- und Umweltkriterien erfüllt werden - von A wie Abwassergrenzwerte bis Z wie Zwangsarbeitsverbot. Auch Mindestlöhne und das Verbot ausbeuterischer Kinderarbeit gehören dazu. 

Wie wird der Grüne Knopf geprüft? 

Unabhängige Prüfer kontrollieren die Einhaltung der Standards. Wenn notwendig, überprüfen sie auch die Produktionsstätten vor Ort - und das weltweit. Die unabhängige, staatliche Deutsche Akkreditierungsstelle (DAkkS) überwacht als "Prüfer der Prüfer" die Kontrollen.

Sind Kleidungsstücke mit dem Grünen Knopf teurer?

Fair muss nicht teuer sein. Die Herstellung eines Produkts macht nur einen geringen Anteil am Verkaufspreis aus. Eine Jeans wird beispielsweise in Bangladesch für circa fünf Euro eingekauft. Der Verkaufspreis liegt in Deutschland bei 25, 50 oder 100 Euro. Die Näherin in Äthiopien verdient nur 18 Cent pro Stunde. Im ersten Schritt wäre eine Verdopplung der Stundenlöhne nötig. Die Produktion der Jeans würde sich dadurch lediglich um einen Euro verteuern. 

Wird die gesamte Produktionskette von Textilien geprüft?

Der Grüne Knopf umfasst zu Beginn noch nicht die gesamte Lieferkette. Zum Start prüft das Siegel die Produktionsstufen "Zuschneiden und Nähen" sowie "Bleichen und Färben". Die sozialen und ökologischen Herausforderungen sind hier besonders groß. In den kommenden Jahren wird der Grüne Knopf auf die Arbeitsschritte "Weben und Spinnen" ausgeweitet und danach auf den Produktionsschritt "Faserproduktion und Baumwollanbau".

Wann gibt es den Grünen Knopf im Laden?

Am heutigen Montag, den 9. September, stellt Bundesentwicklungsminister Gerd Müller den Grünen Knopf vor, nennt die teilnehmenden Mode-Unternehmen sowie die genauen Kriterien bei der Vergabe des Labels. Dann können Verbraucher erste Produkte mit dem Grünen Knopf kaufen. 

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