Neues Forschungszentrum in Sachsen

Innovationen für Strukturwandel

Das sächsische Görlitz erhält einen "Leuchtturm wissenschaftlicher Exzellenz", erklärte Bundesforschungsministerin Anja Karliczek bei der Eröffnung des neuen CASUS-Zentrums für datenintensive interdisziplinäre Systemforschung. Auch für ein weiteres Forschungsprojekt gibt es grünes Licht.

Karliczek und Kretschmer stehen mit weiteren Personen vor einem Modell der Stadt Görlitz.

Bundesforschungsministerin Karliczek und Sachsens Ministerpräsident Kretschmer begutachten am Modell den Standort des geplanten Forschungszentrum in Görlitz.

Foto: picture alliance/Oliver Killig/dpa

"Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit werden wir die Möglichkeit schaffen, große, vernetzte Systeme zu verstehen und zu meistern", erläuterte Bundesforschungsministerin Karliczek die Vision, die mit dem neuen Forschungszentrum verbunden ist. Der Name CASUS steht für "Center for Advanced Systems Understanding". Der Aufbau des Zentrums wird mit rund elf Millionen Euro gefördert. 90 Prozent davon steuert das Bundesministerium für Bildung und Forschung dazu, 10 Prozent kommen vom Land Sachsen.

Komplexität der Umwelt und des Lebens abbilden

In dem deutsch-polnischen Forschungszentrum werden künftig Mathematiker, Computer- und Datenwissenschaftler aus aller Welt interdisziplinär zusammenarbeiten. Bereits Ende des Jahres sollen die ersten 15 Experten ihre Arbeit für das Projekt in der Görlitzer Altstadt aufnehmen. Die Fragen sind drängend und vielfältig:

  • Was können wir über den mikroskopischen Aufbau einzelner Moleküle, Zellen und Proteine lernen – um so zum Beispiel den Krebs besser zu bekämpfen?
  • Wie können wir atomare Prozesse verstehen und kontrollieren – um so zum Beispiel neue Materialien zu entwickeln?
  • Wie machen wir autonomes Fahren sicherer?
  • Welche Auswirkungen wird der Klimawandel in fünfzig Jahren haben?

"Forscherinnen und Forscher können an CASUS die Komplexität unserer Umwelt und unseres Lebens abbilden. Mit Hilfe riesiger Datenmengen – und dank moderner digitaler Technologien", erklärte die Forschungsministerin. Sie erhoffe sich von CASUS Erkenntnisse, "damit wir die Konsequenzen und die volkswirtschaftlichen Gesamtkosen all dieser Veränderungen besser einschätzen können".

Perspektiven durch gleichwertige Lebensverhältnisse schaffen

Bei ihrem Besuch in Görlitz unterstrich Karliczek die Bedeutung des neuen Forschungszentrums für die Stadt und für die ganze Region: "Das neue Forschungszentrum bietet mehr als nur neue hochwertige Arbeitsplätze, eine bessere örtliche Verkehrsinfrastruktur, schnelles Breitbandnetz". Es schaffe auch ein attraktives Umfeld sowohl für Auszubildende, Studierende als auch für Arbeitnehmer.

CASUS sei ein klares Bekenntnis zur Region: "Wir investieren in Innovationen, damit Deutschland, damit Sachsen, auch in Zukunft stark sein kann", so die Ministerin. Denn gleichwertige Lebensverhältnisse zu schaffen sei gerade für Ostdeutschland mehr als den "Status Quo" zu bewahren. "Gleichwertige Lebensverhältnisse sind Perspektiven, die Regionen in die Lage zu versetzen, sich zu entwickeln – durch Bildung, Forschung und Innovation", betonte Karliczek.

Innovationsförderung in "Wandel-Regionen"

Auch im Hinblick auf die finanzielle und strukturelle Unterstützung der Lausitz und anderer Kohleregionen bis zum Jahr 2038 betonte die Ministerin, dass die Bundesregierung intensiv und kontinuierlich die Innovationsförderung weiterentwickelt: "Rund 600 Millionen Euro stellen wir bis 2024 für die spezifische Innovationsförderung in Wandel-Regionen bereit".

Mit dem jetzt vom Bundeskabinett verabschiedeten "Strukturstärkungsgesetz Kohleregionen" setze die Bundesregierung ein klares Zeichen: "Wir schaffen eine verbindliche Grundlage für die finanzielle und strukturelle Unterstützung der Lausitz und anderer Kohleregionen bis zum Jahr 2038. Der Bund stellt bis zu 14 Milliarden Euro allein an Finanzhilfen für die Kohleländer bereit. Davon gehen 43 Prozent in das Lausitzer Revier“.

Neues Wasserstoff-Forschungszentrum

Grünes Licht gab es auch für ein geplantes Wasserstoff-Forschungszentrum in Görlitz, das "Fraunhofer Hydrogen Laboratory Görlitz" (HLG). Die Fraunhofer-Gesellschaft und Siemens wollen das Erzeugen, Speichern und die Nutzung von Wasserstoff untersuchen. Damit soll Görlitz zu einem Kompetenzzentrum für Wasserstoff werden.