Ein perfektes Tandem in schwierigen Zeiten

Zwei Magdeburger helfen einer ukrainischen Familie Ein perfektes Tandem in schwierigen Zeiten

Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine konkret helfen: Das war der Antrieb von Maxie Duda und Falko Matthies aus Magdeburg. Sie übernahmen eine Patenschaft für eine ukrainische Familie. Mit großem Engagement halfen sie bei der Wohnungssuche, organisieren Arztbesuche – und sind für persönliche Treffen und Gespräche da.

Das Bild zeigt Frauen und Kinder mit Koffern. Sie sind nur von hinten zu sehen.

Deutschland hat inzwischen mehr als 320.000 Geflüchtete aus der Ukraine aufgenommen. 4,3 Millionen Menschen sind nach UN-Schätzungen aus dem Land geflohen.

Foto: picture alliance/dpa

Svitlana Konoval ist sichtlich erleichtert. Endlich hat die 41-jährige Ukrainerin für sich, ihren kleinen Sohn und ihre Mutter in Magdeburg eine geeignete Wohnung gefunden – vier Wochen nach ihrer gemeinsamen Flucht aus der damals umkämpften ukrainischen Hauptstadt Kiew. Doch ohne die Hilfe ihrer beiden deutschen Paten hätte das nicht funktioniert, hebt die Ukrainerin mit einem Lächeln im Gesicht hervor: „Ich bin Falko und Maxie so dankbar. Sie haben so ein großes Herz. Und mittlerweile sind wir so etwas wie eine große Familie“.

Maxie Duda und ihr Partner Falko Matthies engagieren sich als Patin und Pate für Svitlana, ihren eineinhalb jährigen Sohn und seine 62-jährige Großmutter. Innerhalb eines Monats habe sich ein perfektes Tandem zusammengefunden, findet die 32-jährige Maxie Duda: „Es fühlt sich an, wie wenn wir seit einem halben Jahr beste Freunde wären, weil in dieser kurzen Zeit einfach so viel passiert ist.“

Hektische Flucht aus Kiew

Alles begann mit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine. Als die Gefechte immer näher an das Haus von Svitlana Konoval in Kiew kamen, entschied sie sich mit ihrem Sohn und ihrer Mutter zur Flucht. „Mein Mann muss im Krieg kämpfen. Auch den Rest meiner Familie musste ich zurücklassen. Das war eine sehr schwere Entscheidung. Aber mein Sohn ist das Wichtigste, was ich habe, und ich entschied für ihn und für sein Leben“, betont Svitlana Konoval.

Mit zwei Rucksäcken machten sie sich auf den Weg. Es folgte eine viertägige Odyssee durch Rumänien, Ungarn und Österreich nach Deutschland. Hier ihr erster Eindruck: „Wir sehen, dass uns das Land und seine Bevölkerung helfen möchten. Das ist sehr wichtig für uns.“ Schließlich benötigten viele Geflüchtete wie sie Essen, Kleidung und Medizin.

Freiwilligenagentur vermittelt Kontakt  

Svitlanas Familie kam schließlich nach Magdeburg – und fand über einen Hinweis auf Instagram den Weg zur dortigen Freiwilligenagentur. Ein Glücksfall. Denn genau hier hatten sich Maxie Duda und Falko Matthies gemeldet, um eine Patenschaft für eine ukrainische Familie zu übernehmen. „Kurz nachdem der Krieg begonnen hatte, war für Maxie und mich schnell klar: Wir wollen ukrainischen Flüchtlingen in Magdeburg helfen“, berichtet der 44-jährige Falko Matthies. „Und zwar nicht mit anonymen Geldspenden, sondern persönlich und ganz konkret im Alltag.“

Dann ging alles ganz schnell: Die Freiwilligenagentur stellte den Kontakt zu Svitlana und ihre Familie her, es kam zum ersten persönlichen Treffen. Die erste Aufregung legte sich bald, weil es direkt viel zu erledigen gab. „Gemeinsam haben wir einen Plan entwickelt, was wir tun können. Ich brauchte ja alles, jede Art von Hilfe“, beschreibt Svitlana Konoval ihre Situation vor vier Wochen.

Problem: fehlende Deutschkenntisse

Das Dringendste damals: die gemeinsame Wohnungssuche. „Wenn Du kein Deutsch kannst und nicht genau weißt, an wen Du dich wenden sollst, ist es sehr schwierig“, erzählt die Ukrainerin auf Englisch. Die schließlich erfolgreiche Wohnungssuche ist bis heute nicht die einzige Hilfe ihrer beiden Paten. „Sie übersetzen mir zum Beispiel Informationen vom Sozialamt, organisieren für uns Termine und eine deutsche Telefonkarte. Wir besuchten gemeinsam den Magdeburger Zoo, essen gemeinsam, gehen einen Kaffee trinken oder spielen alle zusammen mit meinem Sohn. Auch die Wohnungseinrichtung kauften, organisierten und brachten sie in unsere neue Wohnung“, freut sich Svitlana Konoval.

„Schön, immer wieder ein Lachen auf den Gesichtern zu sehen“

Falko Matthies berichtet von einer weiteren Aufgabe für ihn und Maxie Duda. „Svitlanas Mutter hat aktuell gesundheitliche Probleme. Wir organisierten, dass sie einen Arzttermin bekommt und die nötige medizinische Betreuung, die sie braucht.“ Besonders wertvoll an der Patenschaft ist für Svitlana Konoval der intensive, tägliche Kontakt. „Ich kann Falko und Maxie schon in der Früh schreiben und sie jederzeit um Hilfe bitten. Sie kümmern sich immer und nehmen so viel Arbeit auf sich.“

Ihr großes ehrenamtliches Engagement wird laut Patin Maxie jeden Tag dadurch belohnt, „dass es so schön ist, immer wieder ein Lachen auf den Gesichtern von Svitlana, Ivan und Nadiia zu sehen. Gerade wenn man berücksichtigt, was sie seit Kriegsausbruch durchmachen.“

Wunsch nach Rückkehr

In Gedanken ist die Ukrainerin täglich bei ihrem Mann und ihren Angehörigen in ihrer Heimat. „Ich wünsche mir, dass die schlimme Situation endet und alle Menschen wieder nach Hause kommen können“, sagt Svitlana Konoval. „Sollte das jedoch nicht möglich sein, möchte ich in Deutschland zur Arbeit gehen, die Sprache und Kultur verstehen. Das möchte ich tun für das Land, das uns gerade hilft.“

Bedeutungsvolles Engagement

Die „besondere Verbindung“, als die sie den Kontakt zu ihren Paten beschreibt, wird auf jeden Fall fortbestehen, da ist sich das Tandem sicher. Und Maxie Duda und Falko Matthies sind heute noch mehr als vor vier Wochen von der Richtigkeit ihrer Entscheidung überzeugt, eine freiwillige Patenschaft zu übernehmen.

Maxie Duda: „Es ist vermutlich das erste Mal in unserem Leben, dass wir so etwas machen. Menschen zu helfen, die wir vorher nicht kannten und die nichts mehr haben. Ich glaube, jeder der darüber nachdenkt, sollte es tun. Es wird das Bedeutungsvollste sein, was wir bisher in unserem Leben gemacht haben werden. Es gibt noch so viele Menschen, die unsere Hilfe benötigen“. 

Die Freiwilligenagentur Magdeburg unterstützt Menschen, die sich engagieren wollen. Bei der Vermittlung von Kontakten arbeitet sie eng mit Politik und Verwaltung, Wirtschaft und Gesellschaft zusammen. Der Verein ist zudem regionaler Partner der Bundesarbeitsgemeinschaft für Freiwilligenagenturen. Das Bundesfamilienministerium fördert und unterstützt mit dem Bundesprogramm „Menschen stärken Menschen“ bürgerschaftliches Engagement in Form von Patenschaften.  

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