Miteinander Sicherheit schaffen

Hochwasserschutz Miteinander Sicherheit schaffen

Wie können Hochwasserkatastrophen in Zukunft vermieden werden? Bund und Länder arbeiten mit dem Nationalen Hochwasserschutzprogramm bereits seit Jahren zusammen. Das Bundesumweltministerium fördert mit der deutschen Anpassungsstrategie zahlreiche Vorsorgemaßnahmen. Das Bundesforschungsministerium intensiviert die Forschung, um künftig noch besser auf Extremwetter vorbereitet zu sein.

Deichbau

Wichtiger Bestandteil des Nationalen Hochwasserschutzprogramm ist der Ausbau von Deichanlagen, so wie hier am Fluss Lippe.

Foto: picture alliance/blickwinkel/H. Blossey

Mit dem Nationalen Hochwasserschutzprogramm wollen Bund und Länder die großen Flussgebiete von Donau, Elbe, Rhein, Weser und Oder gegen Hochwasser wappnen und viele Orte besser vor Überflutungen schützen. Es werden Überflutungsflächen erweitert, Deiche und Rückhaltebecken ertüchtigt. Bund, Länder und Kommunen lernen aus den Risiken der Vergangenheit. Das Programm wurde 2013 nach den Hochwassern an Elbe und Donau aufgelegt.

Technischer Hochwasserschutz allein kann aber keine absolute Sicherheit vor extremen Wetterereignissen gewährleisten. Das zeigt auch die Unwetterkatastrophe im Westen Deutschlands. Die Bundesregierung arbeitet eng mit Ländern und Kommunen zusammen, um Vorsorge und Schutz in allen Bereichen zu stärken.

Hochwasserschutzmaßnahmen jährlich neu priorisieren

Kernstück des Nationalen Hochwasserprogramms ist eine Liste mit Maßnahmen, die Bund und Länder als besonders wirksam und daher vorrangig identifiziert haben. Bund und Länder priorisieren sie jährlich neu nach Machbarkeit, Effizienz und Wirkung.

Für die Flussgebiete von Donau, Elbe, Rhein, Weser und Oder gibt es drei Vorhabenkategorien:

  • 29 überregionale Maßnahmen, mit denen Deiche rückverlegt und natürliche Rückhalteflächen zurückgewonnen werden;
  • 57 Maßnahmen, die dazu dienen, Hochwasser gesteuert zurück zu halten, etwa durch Flutpolder und Rückhaltebecken;
  • Mit weiteren 16 Projekten werden Schwachstellen beseitigt, die fortlaufend neu identifiziert werden.

Das Programm hat ein Finanzvolumen von derzeit 5,5 Milliarden Euro und reicht weit über das Jahr 2027 hinaus. Der Bund unterstützt die Länder jährlich mit rund 100 Millionen Euro.

Die Maßnahmen des Nationalen Hochwasserschutzprogramms sehen rund 20.000 Hektar Überflutungsfläche und rund 1.180 Millionen Kubikmeter Rückhalte- oder Speichervolumen vor, wenn alles umgesetzt ist. 

Deutsche Anpassungsstrategie

Eine zeitgemäße Klimapolitik baut auf zwei Säulen auf: Neben dem Vermeiden von Treibhausgasen ist besonders auch die Anpassung an die Folgen des Klimawandels wichtig. Die deutsche Anpassungsstrategie setzt seit 2008 einen bundesweiten Handlungsrahmen, um Risiken für die Bevölkerung, die natürlichen Lebensräume und für die Volkswirtschaft vorzubeugen.

„Die Ereignisse zeigen, mit welcher Wucht die Folgen des Klimawandels uns alle treffen können und wie wichtig es ist, sich künftig noch besser auf solche Extremwetter-Ereignisse einzustellen“, so Bundesumweltministerin Svenja Schulze. „Wir sehen, dass die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Recht haben: Es gibt mehr Starkregen und mehr Trockenheit“, sagte  die Ministerin. „Die beste Vorsorge ist, wenn wir jetzt mit den Klimaschutzmaßnahmen weiter Ernst machen. Die Kommunen müssen die Möglichkeit haben, sich an den Klimawandel anzupassen. Wir machen das schon über die deutsche Anpassungsstrategie.“

Laufend forschen für besseren Schutz

Auch mehrere Forschungsstellen des Bundes begleiten die Planung und Umsetzung der Hochwasserschutzmaßnahmen. In einer aktuellen Modell-Studie stellt die Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) fest, dass die geplanten Maßnahmen maßgeblich dazu beitragen, den Hochwasserscheitel an großen Flüssen deutlich zu senken – um bis zu einem halben Meter.

Die Analyse ermittelt, welche Einflüsse die Maßnahmen auf die Scheitelwasserstände und den Wellenablauf von außergewöhnlichen Hochwassern in den drei größten Flussgebieten Donau, Elbe und Rhein haben. Es wurde ein bundesweit einheitlicher Untersuchungsansatz entwickelt, der künftig ebenso für Hochwasserschutzmaßnahmen an anderen Flussgebieten anwendbar ist.

Forschung in Extremwetter intensivieren

Um künftig noch besser auf Extremwetter vorbereitet zu sein, will das Bundesforschungsministerium seine Forschung intensivieren. Auch in kleineren Gemeinden gilt es verstärkt Vorsorge zu treffen. „Es geht um den Schutz von Menschenleben und um den Schutz von Eigentum und unschätzbaren Kulturgütern“, erläuterte Bundesforschungsministerin Anja Karliczek. Es müsse möglich sein, Extremwetter noch genauer in den Regionen vorherzusagen und Risikopläne für Hochwasser und Hitze zu erstellen, so Karliczek. Anhand von Daten aus hochaufgelöster Klimamessungen und Modellierungen sind belastbare Aussagen möglich. Entsprechende Initiativen seien bereits gestartet.

Böden entsiegeln, wo Hochwasser entstehen

Die zunehmende Häufigkeit von Starkregen und Hochwassern wird oft als eine Folge des Klimawandels gesehen. Bei solchen Wetterereignissen wird immer wichtiger, wie viel Wasser in kurzer Zeit in einem Gebiet versickern und rückgehalten werden kann. Das betrifft vor allem Gebiete, in denen große Wassermassen aufgrund von Starkregen oder Schneeschmelze in kurzer Zeit abfließen, etwa in Hanglagen. Hier erhöhen sich die Hochwassergefahren.

Um Gefahren durch Hochwasser und Überflutungen -auch durch Starkregen - zu vermeiden oder zu verringen, können die Länder Hochwasserentstehungsgebiete durch Rechtsverordnung ausweisen. In solchen Gebieten ist es wichtig das natürliche Wasserversickerungs- und -rückhaltevermögen zu erhalten oder zu verbessern, indem Böden entsiegelt werden oder geeignete Flächen aufgeforstet werden. Strengere Genehmigungs-, Bebauungs-, Nutzungs- und Ausgleichsauflagen sollen verhindern, dass Böden verdichtet und so das Entstehen von Hochwassern begünstigt werden.

Bundesweite Raumordnungsplanung für besseren Hochwasserschutz

Auch mit dem ersten länderübergreifenden Raumordnungsplan will die Bundesregierung den Hochwasserschutz verbessern.  Der "Bundesraumordnungsplan Hochwasserschutz" (BRPH) soll Regelungen der Wasserwirtschaft ergänzen und bundesweit festlegen, wie bestimmte Flächen genutzt werden können. Dadurch lassen sich Hochwasserrisiken minimieren – besonders für Siedlungsflächen und wichtige Verkehrs- und Energienetze.

Von Seiten der Landes- und Kommunalplanung sowie der Wasserwirtschaft ist der Hochwasserschutz in den letzten Jahren schon deutlich verbessert worden. Der neue Bundesraumordnungsplan soll bestehende Regelungen mit neueren Anforderungen effizient verzahnen.

Umfassendes Hochwasser-Risikomanagement

Ein absoluter Hochwasserschutz ist weder technisch machbar, noch wirtschaftlich sinnvoll. Um Hochwasserfolgen zu reduzieren und weitestgehend zu vermeiden, stellen Bund und Länder ein umfassendes Hochwasser-Risikomanagement in den Mittelpunkt.

Dabei werden Hochwasserrisiken zunächst bewertet und dargestellt. Außerdem gehören dazu vorbeugende Maßnahmen wie Flächenvorsorge, Festsetzung von Überschwemmungsgebieten, an potentielles Hochwasser angepasstes Bauen, technische Maßnahmen, Verhaltensvorsorge sowie Hochwasservorhersagen und Frühwarnsysteme.