B20-Dialogforum

Nachhaltiges Wirtschaften – ohne Abschottung

"Nationalismus und Protektionismus sind nie die richtige Antwort", so Bundesfinanzminister Schäuble beim Business20-Gipfel in Berlin. Wie Bundesumweltministerin Hendricks auf dem B20-Dialogforum hervorhob, sei globaler Wohlstand nur auf der Basis einer nachhaltigen Wirtschaftsweise möglich.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und Gastgeber Jürgen Heraeus unterhalten sich beim 'Business20-Dialogforum in Berlin.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und der Präsident der Initiative B20 Germany 2017, Jürgen Heraeus.

Foto: picture alliance / dpa

Die Globalisierung könne nicht zurückgedreht, aber gemeinsam zum Besseren gestaltet werden, sagte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble auf dem B20-Dialogforum in Berlin. Die G20 arbeite effektiv und sei das beste Format dafür, betonte er.

Das B20-Dialogforum wird live im Internet übertragen. Am 3. Mai werden die B20 der G20-Vorsitzenden, Bundeskanzlerin Angela Merkel, ihre Politikempfehlungen in einer offiziellen Zeremonie übergeben. Interessierte können den Livestream am 2. und 3. Mai auf www.g20germany.de verfolgen.

Wirtschaften sollen robuster werden

Schäuble hob erneut die Gefahren einer Politik des extrem billigen Geldes hervor. Eine ultralockere Geldpolitik der Zentralbanken berge neue Risiken. "Wir können die Möglichkeit künftiger Turbulenzen nicht ausschließen", bekräftigte der Minister. Noch spüre man die Folgen der jüngsten Finanzkrise.

Deshalb gelte es, die ökonomische Widerstandsfähigkeit der einzelnen Länder zu stärken. Schäuble forderte: "Wir müssen unsere Volkswirtschaften robuster machen." Ausdrücklich warnte er vor den negativen Konsequenzen einer Tendenz zu mehr Handelsprotektionismus.

Die B20 sind seit 2010 der offizielle Wirtschaftsdialog der G20. Das Beratungsgremium unterstützt die G20 bei der Lösung globaler Herausforderungen. Koordiniert wird die internationale Arbeit der B20 von den Wirtschaftsvertretern desjenigen Landes, das die G20-Präsidentschaft innehat.

Folgen der Finanzmarktregulierung untersuchen

Mit Blick auf die Finanzmarktregulierung räumte der Bundesfinanzminister ein, dass deren Auswirkung auf kleine Banken untersucht werden müsse. Jedoch gelte: "Wir können uns nicht von den Kernregeln entfernen, die wir in der Lehman-Krise ergriffen haben", betonte Schäuble in seiner auf Englisch gehaltenen Rede.

Der Unternehmer Jürgen Heraeus hat den Vorsitz der deutschen B20-Präsidentschaft 2017 inne. Sie steht unter dem Motto "Resilience, Responsibility, Responsiveness" - auf Deutsch: "Widerstandsfähigkeit, Verantwortung, Reaktionsfähigkeit".

Klimaschutz ist ein Modernisierungsprogramm

"Globale Herausforderungen können nicht nationalstaatlich gelöst werden", unterstrich Bundesumweltministerin Barbara Hendricks in ihrer Rede auf dem B20-Dialogforum. Globaler Wohlstand bedürfe einer nachhaltigen Wirtschaftsweise. Deshalb habe Deutschland den Klimaschutz zu einem Schwerpunkt der deutschen G20-Präsidentschaft gemacht.

Mit der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung und dem Pariser Klimaschutzabkommen hätten sich die Staaten dieser Erde zu einer klima- und umweltverträglichen Wirtschaftsweise bekannt, bekräftigte Hendricks. Leitend sei das verpflichtende gemeinsame Ziel, die Erderwärmung auf unter zwei Grad Celsius zu begrenzen. Dies stelle viele Wirtschaftsbranchen vor große Veränderungen. "Wir müssen uns darum kümmern, dass dieser Strukturwandel gelingt, ohne dass wir Strukturbrüche verursachen", betonte die Bundesumweltministerin.

Klimafreundliche Investitionen zahlen sich aus

Die Wirtschaft brauche verlässliche langfristige Ziele, so Hendricks. Das sei die Voraussetzung dafür, dass sich klimafreundliche Investitionen auszahlen. Ebenso wichtig seien umweltfreundliche Kriterien für neue Investitionen. Deutlich zeige sich dies beispielsweise bei der klimafreundlichen Stromerzeugung.

"Klima- und Umweltschutz sind ein riesiges Modernisierungsprogramm für unsere Volkswirtschaften – mit positiven Effekten für die Wettbewerbsfähigkeit, den Arbeitsmarkt, die soziale Inklusion und die politische Stabilität", hob die Bundesumweltministerin hervor.

Wohlstand für Alle – bei weniger Ressourcenverbrauch

Deutschland wolle das Thema Ressourceneffizienz im engen Schulterschluss mit den G20 voranbringen. "Die nachdrückliche Unterstützung der B20 und die vielen positiven Reaktionen aus dem G20-Kreis zeigen mir, dass es richtig, ja überfällig war, dieses Thema auf die G20-Agenda zu setzen", zeigte sich Hendricks überzeugt.

Vom bevorstehenden G20 Gipfel unter deutscher Präsidentschaft in Hamburg solle deshalb ein starkes Bekenntnis für den Klimaschutz und die Umsetzung der 2030-Agenda für nachhaltige Entwicklung ausgehen. "Gute Politik geht nur gemeinsam mit den Unternehmerinnen und Unternehmern, mit der Zivilgesellschaft und mit der Wissenschaft", sagte Hendricks.