Fragen und Antworten zur Vogelgrippe

Viele Menschen fragen sich: Wie hoch ist die Ansteckungsgefahr der Vogelgrippe tatsächlich? Welche Vorsichtsmaßnahmen sind im Umgang mit Geflügel zu beachten? Im Folgenden werden die wichtigsten Fragen zum Thema Vogelgrippe beantwortet.

Was ist die Vogelgrippe?

Vogelgrippe ist die eher umgangssprachliche Bezeichnung für eine Viruserkrankung des Geflügels. Sie befällt vor allem Wildvögel, Ziervögel und Geflügel in Tierhaltung, hier vor allem Hühner und Puten.

Die Vogelgrippe ist eine bereits seit über 100 Jahren bekannte Erkrankung, die von Grippeviren (Influenza-A-Virus) verursacht wird. Bei diesem Virustyp gibt es 16 Unterarten (so genannte H-Subtypen), die alle Vögel infizieren können. Die auch als "Geflügelpest" bekannten schweren Ausbrüche werden durch die mit H5 und H7 bezeichneten Subtypen verursacht.

Seit Ende 2003 breitet sich eine Vogelgrippe-Epidemie des Subtyps H5N1 aus.

Wie verbreitet sich die Tierseuche?

Eine Gefahr stellt die Einschleppung des Virus durch Zugvögel dar. Infizierte Vögel können auch in Deutschland brüten.

Auch bestimmte Säugetiere können sich mit diesen Influenza-Viren infizieren und daran erkranken. Dazu gehören zum Beispiel Schweine, Pferde, Wild- und Hauskatzen.

Auch illegale Transporte, Schmuggel und unvorsichtige Reisende stellen ein Risiko dar. Sie könnten das Virus nach Kontakt mit Geflügeln oder dem Besuch von Geflügelmärkten einschleppen.

Eine Ansteckungsgefahr für Menschen besteht jedoch nur bei sehr engem Kontakt mit den Tieren.

Die direkte Übertragung von Influenzaviren von Vögeln oder Geflügel auf den Menschen ist erst seit 1997 eindeutig belegt. Die Vögel scheiden das Virus mit dem Kot aus. Die Inhalation von Staubpartikeln oder mangelnde Hygiene bei den Händen stellen daher vermutlich die hauptsächlichen Übertragungswege dar.

Keine Infektion von Mensch zu Mensch

Es handelt sich bei der Vogelgrippe um ein Virus, das bisher nicht in der menschlichen Bevölkerung zirkulierte. Nach bisherigen Erfahrungen werden diese Viren auch nicht direkt von Mensch zu Mensch übertragen.

Es besteht aber die Gefahr, dass die Viren durch genetische Veränderungen die Fähigkeit erlangen, sich gut an menschliche Zellen anzuheften. Durch diese Änderung könnte eine effektive Übertragung von Mensch zu Mensch möglich werden. Dies könnte zu einer großflächigen, weltumspannenden Epidemie unter Menschen - einer so genannten Pandemie - führen. Wie gefährlich ein solches mutiertes Virus wäre, kann man nicht vorhersagen. 

Welche Maßnahmen gilt es einzuhalten, was gibt es zu beachten?

Die H5N1-Infektion ist bislang überwiegend auf direkten und intensiven Kontakt mit infiziertem (Haus-)Geflügel zurückzuführen.

Maßnahmen im Kontakt mit Tieren

Personen, die Geflügelpesterregern in besonderem Maße ausgesetzt sein können, sollten auf das Tragen von geeigneter Schutzkleidung achten. Dazu gehören auch Schutzmaske und -brille. Vor allem die Besitzerinnen und Besitzer von Hühnerställen müssen achtsam sein. Es ist denkbar, dass das heimische Geflügel potentiell in Kontakt mit infizierten Wildvögeln kommen kann.

Das Bundesverbraucherministerium hat deshalb für Menschen, die in der Tierhaltung arbeiten, ein gesondertes Merkblatt herausgebracht.

>> Merkblatt des Verbraucherministeriums zur Tierhaltung (PDF)

Aber auch alle anderen Bürgerinnen und Bürger sollten in den ausgewiesenen Risikogebieten den direkten Kontakt mit potentiell infizierten Wildvögeln vermeiden. Dies sind in der Regel Regionen, in denen Vogelrastplätze und Feuchtgebiete liegen. Auch Gegenden, in denen es Kontakt zwischen Wildvögeln und Hausgeflügel geben kann, sollte man meiden.

Erhöhte Vorsicht bei Reisen in betroffene Regionen

Das Bundesverbraucherministerium stellt den Botschaften in den betroffenen Ländern, dem Zoll und den Reiseveranstaltern ein Merkblatt zur Verfügung. Reisende sollten in den betroffenen Ländern Kontakt zu Geflügel meiden. Ferner sollten sie auf den Besuch von Geflügelmärkten verzichten und Geflügelfleisch nur gekocht oder durchgebraten verzehren.

Selbstverständlich sollten in die EU keine Produkte eingeführt werden, die entsprechenden Verboten unterliegen.

>> Hinweise für Reisende

Auch das Auswärtige Amt informiert über seine Homepage mit ständig aktualisierten Hinweisen.

>> Hinweise des Auswärtigen Amtes 

Schutz der Haustiere

Auch Besitzer von Hunden und Katzen sollten vorsichtig sein. Grundsätzlich wird geraten, überall den Regeln der Hygiene im Umgang mit ihren Schützlingen peinlich genau zu folgen. Weiter sollten Hunde generell im Uferbereich von Flüssen und Seen an der Leine geführt, Katzen ferngehalten werden. Sie dürfen nach Möglichkeit nicht mit toten Wildvögeln in Kontakt kommen.

Haustiere sollten gut beobachtet werden. Bei Verhaltensauffälligkeiten oder Krankheitssymptomen, die in Zusammenhang mit dem Grippevirus stehen könnten, ist der Tierarzt zu konsultieren.

Wenn wie erstmals in Sachsen Vogelgrippe in einem Geflügelbetrieb auftritt, werden die dort gehaltenen Tiere getötet.

Außerdem wird das Gebiet rund um den Hof im Radius von drei Kilometern gesperrt. Für diese Zone gelten strengste Bestimmungen wie etwa, dass betriebsfremde Personen außer Tierärzten und deren Hilfspersonen keinen Zugang zu den Ställen in dieser Zone haben, die Räder und Fahrzeugkästen von Fahrzeugen bei Befahren und Verlassen des Hofes zu reinigen und zu desinfizieren sind.

Der Halter des Hofes muss Matten zur Desinfektion an den Ein- und Ausgängen der Stalles anbringen. Es darf keinerlei Geflügel auf öffentlichen oder privaten Wegen befördert werden. An das Sperrgebiet schließt sich die Beobachtungszone im einem Umkreis von mindestens 10 Kilometern um den Seuchenbestand an.

Als äußerer Ring existiert die Kontrollzone, die einen Radius von 13 Kilometern hat. Alle drei Zonen sind durch Schilder an den Hauptzugangswegen kenntlich gemacht. Bei weiteren Fragen geben die Ordnungs-, die Veterinär- und/oder die Gesundheitsämter des Landes Auskunft.

Maßnahmen in Sperrgebieten, Beobachtungs- und Kontrollzonen die einen Radius von 13 Kilometern hat. Alle drei Zonen sind durch Schilder an den Hauptzugangswegen kenntlich gemacht. Bei weiteren Fragen geben die Ordnungs-, die Veterinär- und/oder die Gesundheitsämter des Landes Auskunft.

Was soll ich tun, wenn ich einen toten Vogel finde?

Von Singvögeln geht, nach bisherigem Erkenntnisstand, kein besonderes Risiko einer Übertragung der Vogelgrippe aus. Personen, die beim Spaziergang oder im Garten einen toten Singvogel finden, können ihn mit einer Plastiktüte aufnehmen, diese umkrempeln, das Tier damit umwickeln und in der Mülltonne entsorgen.

Anders ist dies bei größeren Vögeln wie Gänsen, Schwänen, Enten oder Greifvögeln. Den Fund dieser Tiere sollte man nach Möglichkeit dem zuständigen Veterinäramt oder der Polizei melden, damit die Beseitigung oder die Untersuchung auf hochpathogenes Virus H5N1 eingeleitet werden kann.

Kann ich noch Geflügel und Eier essen?

Lebensmittel wie Geflügel können ohne Einschränkungen unter Beachtung der üblichen hygienischen Maßnahmen gekauft und verzehrt werden. Für Hühnerfleisch gilt auch jetzt der Grundsatz unvermindert fort, dass diese Fleischsorte stets nur gut durchgegart gegessen werden sollte. Nach Deutschland importiertes Hausgeflügel kommt zu 99,8 Prozent aus den EU-Mitgliedsstaaten.

Der Erreger kann über rohe Eier übertragen werden, sofern die Tiere infiziert sind. Das Durcherhitzen von Eiern tötet den Erreger ab.

Zudem ist anzumerken, dass es bei einer Infektion mit H5N1 zu einer drastischen Verminderung der Legeleistung sowie zu erheblichen Todesfällen kommt. Die Vermarktungsmöglichkeit betroffener Betriebe ist also sehr eingeschränkt. Zusätzlich unterliegen die Betriebe im Verdachts- oder Ausbruchsfalle einer strengen Sperre. Sie dürfen dann keine Eier an Verbraucherinnen und Verbraucher weitergeben.

Gibt es einen Impfstoff gegen die Vogelgrippe?

Seit 2002 trifft die Bundesregierung Vorbereitungen für einen möglichen Pandemie-Fall. Sie hat deswegen zusammen mit den Ländern einen "Nationalen Influenza-Pandemieplan" entwickelt.

Aus Bundesmitteln wird die Entwicklung eines Impfstoff-Prototyps mit 20 Millionen Euro gefördert. Dies verkürzt die Zeit bis zum Einsatz eines geeigneten Impfstoffs gegen einen mutierten Vogelgrippe-Virus auf das geringst mögliche Maß. Ein wirksamer Impfstoff kann nämlich derzeit erst dann entwickelt werden, wenn das tatsächlich von Mensch zu Mensch übertragbare Virus identifiziert ist.

Mit einem weiteren Forschungsprogramm zu vom Tier auf den Menschen übertragbaren Krankheiten wie der Vogelgrippe (Zoonosen) vom März 2006 intensiviert die Bundesregierung die Forschung zur Vogelgrippe auf dem Gebiet der Veterinär- wie der Humanmedizin. Dabei geht es insbesondere auch darum, einen Breitbandimpfstoff "der zweiten Generation" zu entwickeln, der auf mehrere Virusmutanten zugeschnitten ist.

Im Falle einer Pandemie sieht der Influenza-Pandemieplan vor, die rund 80 Millionen Bürgerinnen und Bürger nach Beginn der Pandemie mit einer ersten Impfdosis zu versorgen. Dies soll innerhalb von 16 Wochen geschehen. Nach weiteren sechs Wochen soll eine weitere Dosis folgen.

Gibt es einen Impfstoff für Tiere gegen die Vogelgrippe?

Es gibt Impfstoffe. Diese führen bei Anwendung aber dazu, dass geimpfte und infizierte Tiere nicht mehr von einander unterschieden werden können. Denn beide Gruppen weisen Antikörper gegen das Virus auf. Entsprechend wurde das Friedrich-Löffler-Institut für Tiergesundheit von der Bundesregierung gebeten, einen so genannten Marker-Impfstoff zu entwickeln.

Anhand dieses Präparats mit gentechnischen Markierungen lässt sich dann erkennen, ob ein Tier krank oder geimpft ist. Das Institut hat bereits einen Prototyp entwickelt und arbeitet an einem Impfstoff für den serienmäßigen Einsatz.

Die von der Bundesregierung im März 2006 verabschiedete Forschungsvereinbarung mit einem Volumen von 60 Millionen Euro hat unter anderem zum Ziel, die Strategien zur Bekämpfung der Vogelgrippe weiterzuentwickeln. Dazu gehört auch die weitere Forschung an Impfstoffen für Tiere.

Sind Katzen und Hunde Überträger des gefährlichen Vogelgrippevirus?

Auf der Insel Rügen gab es den ersten Fall der Infektion einer Katze, Österreich meldete einen weitere Infektion einer Katze. Nach Meinung der Experten ist die Wahrscheinlichkeit der Übertragung auf den Menschen aber sehr gering.

Dennoch sollen - so eine Verordnung der Bundesregierung vom März 2006 - Katzenbesitzer in Sperr- beziehungsweise Überwachungszonen - drei Kilometer bziehungsweise zehn Kilometer Radius um den Fundort eines infizierten Vogels - die Katze vorbeugend im Haus behalten. 

Außerdem müssen Hunde angeleint werden. Hinweise, dass H5N1 auf Hunde übertragbar ist, gibt es derzeit nicht. Gleichwohl kann dies nicht ausgeschlossen werden.

Kann ich Wildvögel wie Enten und Schwäne noch füttern oder mein Vogelhäuschen aufbauen?

Vögel scheiden mit ihrem Kot immer verschiedenste Erreger aus. Deshalb sollte man sich nach dem Kontakt mit Wildvögeln oder ihren Ausscheidungen gründlich die Hände waschen.

Wie lange wird das Problem der Vogelgrippe andauern?

Die Vogelgrippe führt in Asien schon seit Jahren zu Erkrankungen an Tieren und auch an Menschen. 2006 hat die Vogelgrippe auch Afrika und Europa erreicht. Aufgrund der Tatsache, dass Zugvögel auf ihren Wegen in und von den Winterquartieren in vielen Ländern rastmachen, muss damit gerechnet werden, dass diese Krankheit als Problem bestehen bleibt.

Da noch Wissenslücken bestehen, wie das Virus sich genau überträgt, wieso manche Geflügelarten schneller daran sterben als andere und was die Übertragung begünstigt, hat die Bundesregeirung im März 2006 ein 60 Millionen Euro umfassendes Forschungsprogramm auf den Weg gebracht. Diese Forschungsvereinbarung sieht die vernetzte Forschung von Wissenschaft und Industrie, von Tier- und Humanmedizin vor.  

Besonderes Ziel ist dabei auch, die Diagnostik der Vogelgrippe zu beschleunigen, die Bekämpfungsstrategien zu verbessern und dabei auch geeignete Impfstoffe für Tiere und für den Menschen zu entwickeln. Das Forschungsprogramm widmet sich dabei der Vogelgrippe wie auch anderen, vom Tier auf den Menschen übertragbaren Krankheiten (Zoonosen). 

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