Welcher Kommunikationstyp bin ich?

Neue Hightech-Strategie Welcher Kommunikationstyp bin ich?

Die neuen digitalen Kommunikationsmedien sind nicht nur ein Gegenstand technischer Forschung. Sie beschäftigen auch Sozialwissenschaftler, Juristen und Ethiker im "Forum Privatheit". Damit sind diese Studien Teil der Zukunftsaufgabe "Zivile Sicherheit" der Hightech-Strategie der Bundesregierung.

Die Geschäftsführer der stagelink GmbH, Berlin, Nikolas Schriefer und Michael Schütz

Kommunikation online und offline

Foto: Burkhard Peter

Wer in der Bahn sitzt und die auf ihre Smartphones starrenden und mit ihren Apparaten kommunizierenden zumeist jungen Leute sieht, fragt sich, was aus der menschlichen Kommunikation geworden ist. Können die jungen Menschen nur noch elektronisch kommunizieren? Neueste Ergebnisse aus der Forschung scheinen das Gegenteil zu belegen: Hohenheimer Psychologen werden auf anstehenden Fachtagungen über eine Längsschnittstudie zum Kommunikationsverhalten berichten. Danach zeigen erste Ergebnisse, dass Chatten dazu führt, dass Menschen sogar mehr miteinander sprechen.

Online oder offline kommunizieren

Die Wissenschaftler haben sich der Kommunikation im persönlichen Gespräch und über digitale Medien angenommen und fragen, welche Bedürfnisse Menschen haben, wenn es um ihre privaten Daten geht. Mehr als 3.000 repräsentativ ausgewählte Personen beantworteten Fragen zu ihrer Kommunikation, den Daten, die sie preisgeben und ihrer Einstellung zum Schutz ihrer Daten.

Die Einstellung insbesondere junger Menschen dazu, was privat und was öffentlich ist, hat sich scheinbar durch die neuen sozialen Medien gewandelt. Was immer sie erleben, teilen sie brühwarm mit- über Twitter, Facebook, WhatsApp oder andere Plattformen. Die Nachricht geht natürlich nur an "Freunde", aber wie viele Freunde haben sie? Sind es zehn, hundert, tausend, und sollen wirklich alle alles erfahren, was ich zwitschere?

Telefonieren mit dem Smartphone

Man kann auch noch über das Smartphone sprechen!

Foto: Bundesregierung/Stutterheim

Die Hightech-Strategie befasst sich nicht nur mit den neuen Kommunikationstechniken und den ständig wachsenden Möglichkeiten. Sie greift auch die damit verbundenen juristischen, ethischen, soziologischen, psychologischen und ökonomischen Fragen auf unter dem Stichwort "Forum Privatheit – Selbstbestimmtes Leben in der Digitalen Welt". Gleichzeitig geht es um ein Thema im Forschungsrahmenprogramm der Bundesregierung zur IT-Sicherheit "Selbstbestimmt und sicher in der digitalen Welt".

Privatheit: schützenswertes Gut

Für 98 Prozent der deutschen Bevölkerung ist Privatheit ein wichtiges und schützenswertes Gut. Dennoch denken 45 Prozent, dass Privatheit in unserer Gesellschaft als weniger wichtig angesehen wird. 37 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass auch beim Verdacht auf Kriminalität die Privatheit einzelner Personen geachtet werden muss. 61 Prozent der Deutschen finden jedoch ebenso, dass es keine Alternative zur Preisgabe von persönlichen Informationen gibt, wenn man bestimmte Dienste nutzen will.

Trotz nicht unerheblicher Bedenken über den Schutz der eigenen Daten besitzt der größte Teil der Befragten ein Smartphone und verschickt hier Informationen vor allem mit so genannten Instant Messengern. Das sind Programme, die Textnachrichten und meist auch Bilder sofort an einen oder mehrere Empfänger versenden. Mehr als 70 Prozent der Smartphone-Nutzer verwenden diese Dienste. Soziale Netzwerke wie Facebook nutzen dagegen nur knapp ein Drittel der Befragten. Entscheidender Unterschied ist, dass Daten in den sozialen Netzen quasi öffentlich zumindest für eine große Zahl von "Freunden" sind.

Was gebe ich preis?

Besondere Sorge haben Menschen über die Sicherheit ihrer Daten im Internet. 75 Prozent sind besorgt bis sehr besorgt, dass sie keinen Einblick haben, was mit ihren Daten online geschieht. 62 Prozent befürchten, dass Informationen über ihre Online-Aktivitäten anderen Menschen zugänglich werden könnten. 58 Prozent der deutschen Bevölkerung haben Angst, dass Institutionen und Geheimdienste ihre Daten sammeln und auswerten.

Grafik Uni Universität Hohenheim

Sorgen mit der Online-Kommunikation

Foto: Universität Hohenheim

Um allerdings die Angebote des Internet nutzen zu können, bleibt den meisten nichts anderes übrig, als E-Mail-Adresse, Namen und Anschrift anzugeben. Zurückhaltender sind die Befragten aber bei der Angabe weiterer Informationen. So haben bisher nur 79 Prozent schon einmal ihre Telefonnummer eingegeben, 61 Prozent den Beruf und 59 Prozent Informationen zu ihrer Ausbildung. Angaben zur Finanzsituation und Fotos haben weniger als 40 Prozent preisgegeben, medizinische Daten nur 20 Prozent.

Kommunikationstypen

Darüber hinaus interessiert die Forscher, ob es unterschiedliche Typen von Menschen gibt in der Art ihrer Kommunikation und ob sich diese Typen in ihrem Wunsch nach Privatheit unterscheiden. Die vier mit statistischen Methoden gebildeten Gruppen sind

  • Menschen, die am liebsten persönlich kommunizieren, schon älter sind, viel Zeitung lesen und besonders besorgt um Datensicherheit im Internet sind,

  • Menschen, die Messenger und Facebook nutzen, meist jünger sind und nur geringe Sorge wegen ihrer Privatheit haben,

  • Menschen, die auf allen Kanälen intensiv kommunizieren, besonders viel Zeit am Bildschirm verbringen und die geringsten Bedenken wegen ihrer Privatheit haben und

  • Menschen, die vor allem Messenger, aber nur selten öffentlichen Kanäle nutzen, dafür häufig persönlichen Kontakt haben, insgesamt jünger und gebildeter als die anderen Gruppen sind. Sie haben aufgrund des offenbar vorsichtigen Umgangs mit digitalen Medien wenig schlechte Erfahrungen gemacht und daher wenig Sorge um den Datenmissbrauch.

Die Forscher befragen die ausgewählten Personen dreimal im Abstand von einem halben Jahr. Sie erwarten dadurch, Veränderungen im Kommunikationsverhalten feststellen zu können und eventuell auch die Gründe für diese Veränderungen.

Durch den Austausch mit Experten anderer Fachrichtungen ist so längerfristig ein klareres Bild über den Umgang mit den neuen Medien zu erwarten. Ergebnisse werden dann auch hilfreich sein, um gesetzliche Regelungen zu treffen. Ebenso könnte ein neues Bewusstsein zum Umgang mit den neuen Möglichkeiten, aber auch mit den Auswirkungen auf die Privatsphäre entstehen.

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