Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), Bundesinstitut für Tiergesundheit

Tiergesundheit als Forschungsziel

Interessant sieht sie aus, die Asiatische Tigermücke. Aber sie kann eine Gefahr für die Gesundheit von Menschen und Nutztieren darstellen. Daher ist sie ein Forschungsgegenstand des Friedrich-Loeffler-Instituts für Tiergesundheit.

FLI Tigermücke D.Zielke H.Kampen

Tigermücke: gefährlich oder nicht?

Foto: FLI/D. Zielke / H.Kampen

Heimisch ist die Asiatische Tigermücke in tropischen und subtropischen Regionen, wo sie Krankheiten wie Chikungunya- und Denguefieber übertragen kann. Durch den weltweiten Waren- und Reiseverkehr findet man sie zunehmend auch in Deutschland.

Ob sie auch bei uns als Krankheitsüberträger zur Gefahr wird und wie stark sie schon verbreitet ist, untersucht Helge Kampen am Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), Bundesinstitut für Tiergesundheit.

Mücken fangen und einsenden

Labor

Insektarium

Foto: FLI

Im Insektarium des FLI stellt er in Versuchen fest, ob sich die Mücke mit Krankheitserregern infizieren kann, die sie dann beim Blutsaugen an Mensch oder Tier weitergibt. Bei der Frage der Verbreitung unterstützen Helge Kampen Tausende deutscher Hobbyforscher. Sie sind aufgerufen, Mücken zu fangen und einzusenden.

Aus der Artbestimmung von jährlich 8.000 bis 12.000 Mücken entsteht der Mückenatlas. Forscher können so feststellen, wo eine für die Krankheitsübertragung gefährliche Art besonders stark auftritt und eventuell mit biologischen Mitteln bekämpft werden sollte.

Blutsaugende Insekten wie Zecken, Gnitzen oder Bremsen spielen als Überträger von Tierseuchen eine wichtige Rolle. So übertragen sie Bakterien, die für die Blauzungenkrankheit verantwortlich sind, oder das Schmallenberg-Virus, das schwere Krankheiten bei Wiederkäuern auslöst.

Kampf den Tierseuchen

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Hauptgebäude des FLI auf der Insel Riems

Foto: FLI

In großen Laboren, die teilweise der höchsten Sicherheitsstufe unterliegen, untersuchen Forscherinnen und Forscher des FLI auf der Ostseeinsel Riems bei Greifswald Erreger von Tierseuchen. Friedrich Loeffler, Namensgeber und erster Leiter der seit mehr als 100 Jahren bestehenden Einrichtung, gilt als Begründer der Virologie. Er entdeckte 1898 den Erreger der damals weit verbreiteten Maul- und Klauenseuche und schuf so die Voraussetzungen, um virusbedingte Infektionskrankheiten zu bekämpfen.

Heute forschen die etwa 900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des FLI an fünf Standorten und neun Instituten für Gesundheit und Wohlbefinden landwirtschaftlicher Nutztiere. Wie FLI-Leiter Thomas Mettenleiter erläutert, geht es dabei um Lebensmittel liefernde Tiere, also "von der Honigbiene auf der einen Seite bis zum Rind". Einbezogen sind Fische, die vom Menschen gezüchtet werden. Ein Schwerpunkt der Arbeit sind Zoonosen, das heißt zwischen Mensch und Tier übertragbare Infektionen.

FLI

Interview Prof. Dr. Dr. h.c. Thomas C. Mettenleiter, Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts

Erfreuliches Resultat der FLI-Arbeit des Instituts ist die Ausrottung vieler Tierseuchen in unseren Breiten - neben der der Maul- und Klauenseuche auch der Schweinepest sowie der Tollwut.

Zum Wohl der Schweine

Schweine

Schweinen soll es besser gehen

Foto: FLI

Dem Wohlbefinden und der Tiergesundheit dient ein weiteres Forschungsprojekt des FLI-Instituts für Tierschutz und Tierhaltung in Celle: Nach wie vor ist es üblich - obwohl nach EU-Richtlinie aus Tierschutzgründen verboten -, Ferkeln in den ersten Lebenswochen ohne Betäubung die Schwänze zu kürzen. Der Grund dafür ist immer wieder auftretendes Schwanzbeißen. Dabei wird der Schwanz teilweise bis zum Rückenmark abgebissen, was zu Entzündungen und Abszessen führen kann.

Schwanzbeißen kann übrigens auch bei Schweinen mit kupierten Schwänzen auftreten. So schlimm das für die Tiere ist, stellt es auch einen wirtschaftlichen Schaden für den landwirtschaftlichen Betrieb dar und belastet den Tierhalter.

Eine Management-Hilfe

Schwanzbeißen zu verhindern, ist nicht ganz einfach. Es wird von zahlreichen Risikofaktoren aus Bereichen wie Gesundheit, Futter oder Beschäftigung beeinflusst. FLI-Forscherin Sabine Dippel und ihr Team entwickelten deswegen die Management-Hilfe SchwIP (Schwanzbeiß-Interventionsprogramm). SchwIP hilft landwirtschaftlichen Experten und Tierärzten bei der Beratung gegen Schwanzbeißen. SchwIP besteht aus einer Software, mit der man auch im Stall Beobachtungen erfassen kann.

Eine SchwIP-Anwendung erstellt aus Angaben des Landwirts und Beobachtungen im Stall einen individuellen Risikobericht. Dieser hilft dem Tierhalter, Verbesserungen für seinen Betrieb gezielt zu planen. Macht man dies regelmäßig, kann man Schwanzbeißen besser vorbeugen.

Inzwischen wurden 240 Tierärzte und landwirtschaftliche Berater für SchwIP geschult. Die Management-Hilfe wird Interessenten auch kostenlos im Internet zur Verfügung stehen.

Das FLI ist eine selbstständige Bundesoberbehörde des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. Das Tierseuchengesetz und das Gentechnikgesetz weisen dem Institut spezielle Aufgaben der Überwachung und Forschung zu. Es betreibt über 75 nationale Referenzlaboratorien für anzeigepflichtige Tierseuchen und meldepflichtige Tierkrankheiten.

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