Photonik

Kommunen in neuem Licht

Freiburg ist eine von 10 Städten, die nach einem Wettbewerb des Bundesforschungsministeriums die Stadtbeleuchtung auf LEDs umgestellt hat. Der Wettbewerb ist Teil der LED-Leitmarktinitiative der Bundesregierung.

Mit LED beleuchtetes Freiburger Münster

Mit LED beleuchtetes Freiburger Münster

Foto: Hess AG

Das Freiburger Münster wächst in die Höhe, es scheint von innen zu leuchten. Es ist nicht hell angestrahlt, eher dezent werden die Strukturen durch das Licht betont. Es wirkt plastisch wie noch nie mit seiner historische Sandsteinfassade, dem Maßwerk, den Winkel und Gesimsen.

Möglich ist dies durch zahlreiche Strahler, die im Boden des Platzes eingelassen, an verschiedenen Stellen des Baus platziert oder auf gegenüberliegenden Dächern angebracht sind. Gemeinsam ist allen das Leuchtmittel: LEDs, so genannte Licht emittierenden Dioden, die derzeit sparsamste und langlebigste Möglichkeit der Beleuchtung.

Interview Franz Bühler

Aber nicht nur beim Münster und anderen historischen Bauten nutzt die Freiburger Stadtverwaltung die neue Technik. Die gesamte Innenstadtbeleuchtung ist darauf umgestellt. Das gilt gleichermaßen für historische Straßenlaternen, die umgerüstet wurden wie auch für neue Straßenlaternen. Im Stadtgarten wird besonders deutlich, wie das angenehm warmweiße Licht die Farben richtig erkennen lässt. Das gilt vor allem für einige Strahler, die Akzente setzen durch angestrahlte Bäume und Uferbepflanzung. Erfreulicherweise zieht das Licht weit weniger Insekten an als herkömmliche Lampen.

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Freiburger Stadtgarten

Foto: Stadt Freiburg

"Ohne die zwei Millionen Euro vom Bund hätten wir die Umstellung der Beleuchtung nicht in Angriff nehmen können", sagt der Leiter des Sachgebietes Neubau beim Garten und Tiefbauamt Freiburg und Projektleiter Franz Bühler. Die kommunalen Finanzen sind zu knapp, zumal der Bürger wenig Verständnis für eine derartige Investition hätte angesichts anderer wichtiger Aufgaben. Andererseits sei die Resonanz auf die neue Beleuchtung fast durchweg positiv.

LED-Masterplan

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung investierte insgesamt 20 Millionen Euro in einen Wettbewerb "Kommunen in neuem Licht". Für 10 Städte standen jeweils bis zu 2 Millionen Euro zur Verfügung. Ziel des Wettbewerbes ist es, die Umsetzung der LED-Technik in Deutschland voranzutreiben.

Strahlendes Rietberger Rathaus

Strahlendes Rietberger Rathaus

Foto: Stadt Rietberg

Auch Rietberg konnte als weiterer Wettbewerbsgewinner seine historische Altstadt mit LEDs beleuchten. Das Ergebnis kann sich ebenfalls sehen lassen: Im Rahmen des Projektes tauschte die Stadt nicht nur alle Straßenleuchten innerhalb des historischen Stadtkerns gegen energiesparende LED-Leuchten aus, sondern realisierte zusätzlich Fassadenbeleuchtungen stadtbildprägender Gebäude. Zudem erhielten Bäume und Bürgergärten eine Illuminierung.

Insgesamt führte dies zu einer erheblichen Attraktivitätssteigerung des gesamten Altstadtgebietes. Zur Erhöhung des Sicherheitsaspektes wurde ein LED-Lichtband für sehbehinderte Fußgänger zwischen Historischem Rathaus und dem Bürgerbüro eingebaut.

Energiesparen leicht gemacht

Tatsächlich sind LEDs die beste Möglichkeit, um Energie einzusparen. Herkömmliche Glühbirnen setzen 95 Prozent der Energie in Wärme um und nur 5 Prozent in Licht. Bei LED entsteht dagegen sehr viel weniger Wärme. Und diese nur im Steuerchip, so dass die Energie fast komplett in Licht umgewandelt wird. Derzeit werden knapp 20 Prozent des weltweiten Stromverbrauchs für die Beleuchtung eingesetzt. LED-Lichtquellen kombiniert mit intelligenten Lichtmanagementsystemen könnten bis zu zwei Drittel dieser Energie einsparen. Damit sinkt gleichzeitig der Ausstoß des klimaschädlichen CO2 erheblich.

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Mit LEDs beleuchtete Straße in Rietberg

Foto: Stadt Rietberg

Nach den Berechnungen der Freiburger Verwaltung spart die Stadt durch die Umrüstung der Beleuchtung in der historischen Altstadt 23.100 Kilowattstunden ein, was 64 Prozent des früheren Bedarfs entspricht.

Der Zentralverband der Elektrotechnik und Elektronikindustrie kommt zu dem Ergebnis, dass eine Umrüstung der Stadtbeleuchtungen bundesweit zu einer Einsparung von 2,7 Milliarden Kilowattstunden führen würde. Das entspricht deutlich mehr als der Jahresleistung eines Kernkraftwerks und bedeutet 400 Millionen Euro eingesparte Stromkosten. Gleichzeitig werden 1,6 Millionen Tonnen CO2 weniger in die Atmosphäre abgegeben.

Hohe Akzeptanz von LED

Kosten sind aber nur eine Seite der Medaille, eine andere ist die Akzeptanz der neuen Technik. Befragungen von 400 Personen aus den beteiligten Städten kamen zu dem Ergebnis, dass drei Viertel der Beteiligten die Beleuchtung nach der Umrüstung auf LED als insgesamt gute Lösung bezeichneten. Mit der alten Beleuchtung war nur gut ein Drittel der Befragten zufrieden.

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Park in Rietberg: sicher und schön beleuchtet

Foto: Stadt Rietberg

Hielten die Befragten die Altanlage als eher zu dunkel, wird die LED-Lösung als optimal, sogar leicht zu hell wahrgenommen. Als deutlich besser erscheinen auch Farbwiedergabe sowie die Identifikation von Personen und Hindernissen. Entsprechend positiv wird auch die Steigerung des subjektiven Sicherheitsempfindens bewertet.

Private Haushalte sollen folgen

Bei so viel positiver Resonanz und Einsparpotential fragt es sich, warum die meisten privaten Haushalte und Unternehmen ihre Beleuchtung nicht umrüsten. Die Antwort ist recht einfach: LEDs sind noch verhältnismäßig teuer. Trotzdem amortisieren sich diese Anschaffungskosten durch deutlich niedrigeren Stromverbrauch und eine Lebensdauer, die in Jahren zu rechnen ist.

Noch ist der Verbraucher zögerlich und scheut die Erstinvestition, obwohl die Anschaffungspreise auf längere Sicht deutlich fallen werden. Es ist daher sinnvoll, wenn Städte eine Vorreiterrolle übernehmen und durch eine LED-Stadtbeleuchtung zeigen, wie leistungsfähig die neue Technik ist.

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