Hightech-Strategie

Einzelkämpfer waren gestern

Unternehmen setzen heute im internationalen Geschäft auf das Arbeiten in Teams. Vorreiter ist die Software-Industrie. Auch für andere Dienstleistungsbranchen wird die weltweite Teamarbeit immer wichtiger: ein Thema im Zukunftsfeld "Innovative Arbeitswelt" der Hightech-Strategie der Bundesregierung.

Mitarbeiter der SAP AG in Walldorf

Softwaredienstleistungen müssen weltweit angeboten werden.

Foto: Wolfram Scheible / SAP AG

"Wer auf dem weltweiten Software-Markt bestehen will, muss international aufgestellt sein", sagt Christian Gengenbach von der Software AG in Darmstadt. Sein Unternehmen hat dies frühzeitig erkannt und Firmenstützpunkte unter anderem in Indien, Israel, Bulgarien und den USA eröffnet oder in diesen Ländern passende Unternehmen erworben.

Den Einzelkämpfer gibt es nicht mehr

Der Betrieb von Christian Gengenbach stellt Software für Großunternehmen her, die weltweit tätig sind. Einige Großbanken arbeiten mit den Programmen, ebenso die deutschen Finanzämter oder Firmen wie Coca Cola. Man kann sich gut vorstellen, welche Auswirkungen es hat, wenn der internationale Börsenhandel einer Großbank auch nur durch den Ausfall eines Programms für wenige Minuten ausfällt. Es soll ausgeschlossen werden, dass der zuständige Entwickler in Deutschland seine verdiente Nachtruhe genießt, während in den USA ein Fehler auftritt.

Hightech-Strategie

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Es darf nicht mehr den einzelnen Spezialisten für ein Programm oder einen Kunden geben, sondern internationale Teams. Diese entwickeln gemeinsam eine Anwendung oder passen sie an die Bedürfnisse eines Kunden an und sind dann auch rund um die Uhr rund um den Erdball ansprechbar.

Ausgangspunkt Kostensenkung

Die sozialwissenschaftliche Forschung unter anderem im Projekt GlobePro und digit-DL befasst sich mit den Auswirkungen auf die Situation der Beschäftigten. Softwareentwickler beispielsweise aus Indien oder den osteuropäischen Staaten erhielten zunächst Aufträge, um Kosten einzusparen. Das funktionierte allerdings nur sehr bedingt. Hochkomplexe Produkte lassen sich nach heutiger Erkenntnis der Forscher nur in internationalen Teams in enger Kooperation entwickeln. Der indische Kollege muss - auch wenn nur virtuell - täglich oder zumindest bei wöchentlichen Besprechungen dabei sein und im ständigen Austausch mit den deutschen Kollegen und denen aus anderen Ländern stehen.

Was wirtschaftlich notwendig ist, hat jedoch massive Auswirkungen auf die Arbeit der Beschäftigten. Das erste Problem ist die Tatsache, dass Mitarbeiter ganz unterschiedlicher Zeitzonen zusammenarbeiten. Gibt es die Möglichkeit einer Videokonferenz mit den Kollegen aus Indien und den USA? Bei der Ostküste der USA geht es gerade noch, mit Kollegen aus San Francisco zu konferieren wird schwierig.

Kulturelle Besonderheiten beachten

Ganz wesentlich ist weiterhin der Umgang mit kulturellen Besonderheiten. Deutsche Pünktlichkeit kann in manchen Ländern nicht erwartet werden. Bei manchen indischen Kollegen muss man wissen, dass es landestypisch ist, immer Ja zu sagen, auch wenn etwas nicht verstanden wurde. Bei US-Amerikanern sollte man sehr diplomatisch vorgehen, wenn Kritik geäußert werden soll.

Die Mitarbeiter der Firma müssen nicht nur Offenheit und Toleranz mitbringen. Deutlich wurde den Forschern, dass es ohne Seminare für eine optimierte Teamarbeit und den Umgang mit kulturellen Besonderheiten nicht geht.

Ein nicht zu unterschätzendes Problem bei allen neuen technischen Möglichkeiten ist die virtuelle Zusammenarbeit. Videokonferenzen funktionieren ebenso wie die Möglichkeit, über Kontinente hinweg gemeinsam in einem Dokument zu arbeiten. Ersetzt dies aber die persönliche Zusammenarbeit? Es geht offenbar, ist aber nicht ganz einfach. Technische Innovationen werden sicher helfen, aber nicht den persönlichen Kontakt ersetzen, sodass eine weitere Anforderung an die Beschäftigten die Reise-Bereitschaft beinhaltet.

International zusammengesetztes Team

Kontinente trennen nicht mehr

Foto: Wolfram Scheible / SAP AG

Opfer der Globalisierung?

In zahlreichen Interviews der Soziologen wurde sehr deutlich, dass sich viele deutsche Beschäftigte als Opfer der Globalisierung fühlen und um ihren Arbeitsplatz bangen. Sie befürchten eine immer weitergehende Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland. Damit blockieren viele die Weitergabe ihres Wissens an die internationalen Kollegen: "Ich säge doch nicht den Ast ab, auf dem ich sitze", hörten die Forscher nicht selten.

Die Lösungsansätze der Forschung bestehen vor allem in gezielter Fortbildung und der Entwicklung von Unternehmens-Leitlinien für Dienstleistungen in einer globalisierten Wirtschaft. Mit den Arbeitnehmern zusammen sind die innovativen Arbeitsprozesse zu entwickeln. Völlig neue Konzepte der Kommunikation müssen gemeinschaftlich erlernt werden. Nur so lässt sich der Leitsatz der Wissenschaft umsetzen: "Eine global vernetzte Ökonomie braucht die Menschen."

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