Mehr Achtsamkeit ist gefragt – auch beim Umgang mit fragwürdigen "Informationen"

Gezielte Desinformationen Mehr Achtsamkeit ist gefragt – auch beim Umgang mit fragwürdigen "Informationen"

Die Vereinten Nationen, die Europäische Union und die Bundesregierung kämpfen derzeit nicht nur gegen das gefährliche Virus mit aller Kraft. Auch Falschmeldungen, gezielte Desinformationen und Verschwörungstheorien im Zusammenhang mit der Pandemie, die sich vor allem im Internet viral verbreiten, können eine Gefahr sein.

Foto zeigt einen Mann mit Smartphone

Falsche Behauptungen sind gefährlich: Vor allem in den sozialen Plattformen und in Messenger-Diensten kursieren zahlreiche Gerüchte zum Coronavirus.

Foto: Darius Ramazani

Seit alters her gilt: In Krisenzeiten haben falsche Propheten Hochkonjunktur. Im Internetzeitalter verbreiten sich leichtfertige Falschmeldungen und vorsätzliche Desinformation noch schneller als der Krankheitserreger selbst. In einer Video-Botschaft forderte UN-Generalsekretär António Guterres deshalb die Anbieter sozialer Medien zu einem verstärkten Kampf gegen Falschnachrichten in der Corona-Krise auf. Um "Hass und schädliche Behauptungen über COVID-19" an der Wurzel zu packen, müssten die Plattformen mehr tun.

Vereint gegen die "Epidemie der Falschnachrichten"

Laut Guterres infizieren wilde Verschwörungstheorien das Internet, eine wahre "Epidemie der Falschnachrichten" verbreite sich viral. Sie stigmatisiere einzelne Menschen und ganze Bevölkerungsgruppen. Auch gegen diese Krankheit müsse die Welt gemeinsam vorgehen: "Die Impfung ist Vertrauen. Zuerst in die Wissenschaft", so der UN-Generalsekretär.

Regierungssprecher Steffen Seibert erläuterte die auch in dieser Krise feste Haltung der Bundesregierung: Bürgerinnen und Bürger sowie die Medien seien "transparent und umfassend darüber zu informieren, wie die Bundesregierung diese gewaltige Herausforderung für unser Land und Europa bewältigen möchte", sagte Seibert in einem Interview.

Keine Chance den Panikmachern

Bewusst gesteuerte Falschinformationen dienten nur einem Ziel, so der Regierungssprecher: "Vertrauen zu untergraben, Menschen zu verunsichern, ihnen einzureden, der Staat oder ‘die da oben‘ sage ihnen nicht die Wahrheit." Tatsächlich stellten sich alle Regierungsmitglieder – und das buchstäblich auf allen Kanälen – Tag für Tag den berechtigten Fragen der Bürger. Die Redaktion der Regierungskanäle in den sozialen Medien - das so genannte "Community Management" - stelle Missverständnisse, unwahre Behauptungen und absichtliche Desinformation richtig.

Darüber hinaus sei der Bundesregierung die Sensibilisierung der Bevölkerung und die Steigerung ihrer Kritikfähigkeit ein wichtiges Anliegen, so Seibert: "Wir erstellen zum Beispiel Posts, wie man sich vor Falschmeldungen schützt bzw. wie man sie erkennt." Die Redaktion gebe immer wieder den "Hinweis, auf seriöse Quellen zu achten und Nachrichten zweifelhafter Herkunft mit Vorsicht zu begegnen." Schließlich könnten auch private Absender – oft unwissentlich – zur Verbreitung von "Fake News" beitragen.

EU warnt vor staatlichen Akteuren

Außenminister Heiko Maas stellte nach dem virtuellen Nato-Außenministertreffen am 2. April fest, "dass es Einige gibt, die versuchen, diese Lage propagandistisch auszunutzen, um sich selber in einem besseren Licht erscheinen zu lassen." Deshalb sei es sowohl in der EU als auch in der Nato angezeigt, “dass Gegenmaßnahmen ergriffen werden“.

Nach Beobachtungen der Europäischen Union kommen viele Falschnachrichten zur Corona-Pandemie aus Russland. EU-Vizepräsidentin Vera Jourova erläuterte hierzu laut dpa, dass zahlreiche "Pro-Kreml-Informationen", die derzeit kursierten, aus Russland stammten. In Verbindung mit offiziellen Erklärungen russischer Behörden sollten "Ängste und Nervosität in der Bevölkerung hervorgerufen" werden. Bereits mehr als 150 Fälle derartiger kremlnaher Desinformation zu Covid-19 habe die EU-Kampagne " EUvsDisinfo" gesammelt, so Jourova.

Andere Akteure, wie die Volksrepublik China, arbeiteten "eher mit Propaganda". Dazu gehöre das – falsche – Narrativ, Europa komme nicht allein mit den Folgen des aus China stammenden Virus zurecht. Die EU-Kommissarin stellte klar: "Im Moment gibt es eine hohe Nachfrage nach Fakten und glaubwürdigen Informationen. Und das ist unsere Antwort, nicht Propaganda."

Im aktuellen Podcast der Bundesregierung "Corona aktuell" spricht Lutz Güllner, Leiter der Strategischen Kommunikation im Europäischen Auswärtigen Dienst, darüber, wie gefährlich Falschinformationen sind, wer hinter der Irreführung steckt und wie man sie erkennen kann.

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