Flucht und Asyl

Ganz schön schlau

Omids Augen leuchten, als ihn seine Lehrerin lobt. Gerade hat der 19-jährige Afghane sein erstes Referat gehalten – zwar mit Akzent, aber in fließendem Deutsch. Und das nach erst zwei Jahren in Deutschland.

Die Schüler Omid Rezai (links) und Susan Namutebi (rechts) sitzen an einem Tisch in ihrem Klassenraum.

Omid und Susan lernen für den Hauptschulabschluss.

Foto: Tobias Hase

"Ich wollte immer die Schule besuchen", sagt Omid. Im Iran, wo er geboren ist, war das nur zwei Jahre möglich. Omid erzählt, dort hätten ihn viele Leute wegen seiner afghanischen Abstammung gedemütigt. Selbstmordgedanken, der frühe Tod seiner Eltern – Omid sah nur in der Flucht eine Perspektive. Jetzt hat er in Deutschland eine Aufenthaltserlaubnis.

Ziel: ein Schulabschluss

In der Münchener "SchlaU-Schule" blüht Omid auf. Wie die 17-jährige Susan, die in Uganda von Gewalt bedroht war. Über ihren Asylantrag ist noch nicht entschieden. In ihrer neuen Heimat büffeln beide für den Hauptschulabschluss. Mathe, Informationstechnik, Geschichte – und natürlich Deutsch. Auch Schreinern oder Klettern steht auf dem Stundenplan.

"SchlaU" steht für "schulanaloger Unterricht". 225 junge Flüchtlinge unterrichtet das Netzwerk aus Lehrkräften, Sozialpädagogen und Psychologen. "Die Motivation der oft traumatisierten Jugendlichen ist hoch. Sie verstehen die Schule für sich als große Chance", sagt Schulleiterin Antonia Veramendi.

Hohe Erfolgsquote

Einen Klassenverband gibt es nicht. Jeder kann den Abschluss in seinem eigenen Tempo erreichen. Viele brauchen nur zwei Jahre. 98 Prozent der Jugendlichen schaffen einen Abschluss. Darauf ist Michael Stenger besonders stolz. Er hat die Schule 2000 gegründet. "Es hat sich mehr als gelohnt. Auch als Zeichen für die Gesellschaft, welches Können die Flüchtlinge haben und wie wertvoll sie sind."

Omid würde später am liebsten Polizist werden: "Damit ich selbst anderen Menschen helfen kann."

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