eTwinning – über Ländergrenzen hinweg kommunizieren

Schüler engagieren sich für Europa eTwinning – über Ländergrenzen hinweg kommunizieren

Zum EU-Schulprojekttag diskutiert Bundeskanzlerin Merkel am 15. Juni virtuell mit Schülerinnen und Schülern vom Gymnasium Sanitz. Die Schule in Mecklenburg-Vorpommern engagiert sich besonders in Sachen Europa: Sie beteiligt sich an eTwinning, einer Online-Plattform des Erasmus-Programms, über die Schulen in Europa gemeinsam Projekte entwickeln können.

eTwinning am Gymnasium Sanitz

Begeistert vom Unterricht mit eTwinning: die Schülerinnen Wencke Fiegenbaum, Sophie Biemann, Kaja Dickert und ihre Lehrerin Rebecca Radant (v.l.).

Foto: Bundesregierung

Verantwortliche Lehrerin für das eTwinning-Programm am Gymnasium Sanitz ist Rebecca Radant. Sie unterrichtet Englisch und Spanisch. „Ich habe mit eTwinning angefangen, als ich Referendarin war. Ich wollte es einsetzen, damit meine Schülerinnen und Schüler ihre Fremdsprachenkenntnisse in realen Situationen anwenden können“, erzählt sie. Seitdem seien diese Projekte fester Bestandteil ihres Unterrichts, inzwischen habe sie langjährige Kontakte zu Partnerschulen geknüpft.

Doch es geht nicht nur um das Erlernen von Fremdsprachen. „Um in unserer vernetzten Welt gut zurechtzukommen, müssen die Schülerinnen und Schüler fähig sein, ihre Gedanken zu kommunizieren, um gemeinsam mit anderen kreative Antworten für Probleme zu finden“, erklärt sie.

Die Plattform eTwinning ist eine sichere Plattform für Schulen in Europa, um über Ländergrenzen hinweg zu kommunizieren und Projekte zu entwickeln. eTwinning ist Bestandteil des europäischen Bildungsprogramms Erasmus+ und wurde 2005 als Teil des E-Learning-Programms der Europäischen Union initiiert. Lehrkräfte können sich bei eTwinning registrieren und einfach und unkompliziert Onlineprojekte mit ihrer Klasse und Partnern aus Europa und aus weiteren Staaten umsetzen. Derzeit sind mehr als 900.000 Lehrkräfte aus 43 Ländern mit gut 122.000 Projekten bei eTwinning registriert.

Projektarbeit in internationalen Teams

Bei Schülerinnen und Schülern kommt die Onlineplattform gut an. „eTwinning war eine großartige Abwechslung zum normalen Unterricht“, sagt die 18-jährige Kaja Dickert. Im Spanischunterricht erstellten die Jugendlichen im Schuljahr 2018/2019 gemeinsam mit Schulen aus Frankreich und Tschechien eine Zeitung. Darin beleuchteten sie verschiedenste Themen, unter anderem wie sich das Selbstbild durch Soziale Medien verändert, oder welche Vorbilder die jungen Leute haben. „Es war einfach großartig, am Ende die gedruckte Zeitung in der Hand zu halten – das Ergebnis unseres gemeinsamen Projektes, das wir über die Grenzen Deutschlands hinaus in Teamarbeit realisiert haben“, schwärmt Dickert.

Wencke Fiegenbaum, ebenfalls Schülerin der Oberstufe, berichtet von einem Podcast-Projekt im Englisch-Leistungskurs, das die Jugendlichen mit Schulklassen aus Finnland, Italien, Spanien, Belgien und der Türkei realisiert haben. Das Hauptthema: „Different cultures, and one continent – Europe”. Die Podcasts entstanden unter dem Titel: „Listen to my radio – Breaking news!“ und thematisierten in verschiedenen Folgen die 17 UN-Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030. Das Projekt erhielt ein eTwinning-Qualitätssiegel und wurde zudem mit dem ersten Platz des Deutschen eTwinning-Preises 2020 ausgezeichnet. Trotz Sprachbarrieren und anfänglicher technischer Probleme fand die 18-jährige Wencke es spannend, neue Leute kennenzulernen, die in anderen Ländern aufgewachsen sind und denen sie ohne das Projekt nie begegnet wäre.

Auch ihre Mitschülerin Sophie Biemann fand es gut, durch eTwinning neue Kontakte zu knüpfen. „Vor allem wenn man in einer eher ländlichen Region wohnt und nicht viel reist, ist so ein Projekt eine gute Gelegenheit, Menschen aus anderen Ländern kennenzulernen und sich mit ihnen auszutauschen“, betont sie.

Zusammenarbeit über Grenzen hinweg

Und was haben die Schülerinnen und Schüler bei ihren Projekten über Europa gelernt? Gemeinsame Projektarbeit schweißt über Grenzen hinweg zusammen – auch wenn Ansichten, Kultur und Sprache im Team verschieden sind. Da sind sich alle einig. 

„Ich habe gelernt, dass wir eine Gemeinschaft sind mit ähnlichen Problemen und Konflikten, und wir deswegen zusammenhalten müssen“, sagt Biemann. Dickert ergänzt, es sei „nicht wichtig, wie weit entfernt wir voneinander sind, sondern dass wir uns gegenseitig unterstützen und aufeinander verlassen müssen – und das gilt auch für Europa“. Nur durch verschiedene Sichtweisen, Toleranz und aktive Zusammenarbeit könnten die Probleme gelöst werden und könne man mehr erreichen. Fiegenbaum ist sicher, dass man den Facettenreichtum in Europa noch viel intensiver nutzen kann, indem etwa noch viel mehr eTwinning-Projekte an Schulen realisiert werden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel ist am 15. Juni virtuell im Gymnasium Sanitz zu Gast. Anlass ist der EU-Projekttag an Schulen, an dem jedes Jahr deutschlandweit Politikerinnen und Politiker in Schulen gehen und mit jungen Menschen über Europa diskutieren. 2021 ist das rund um den 14. Juni. Der Projekttag geht auf eine Initiative der Bundeskanzlerin während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft 2007 zurück.

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