Erinnern und Gedenken

Bundestag gedenkt der Holocaust-Opfer

Die Erinnerung wach halten

Der Bundestag hat am 31. Januar in einer Gedenkstunde an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert. Auch die Kanzlerin nahm daran teil. Professor Saul Friedländer hielt die Hauptrede. Als Zeitzeuge und Historiker gibt er den ermordeten Juden ihre Stimme zurück. Dafür erhielt er 2007 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

Gäste der Gedenkstunde des Deutschen Bundestages zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus applaudieren Saul Friedländer, der die Hauptrede hielt.

Professor Saul Friedländer ist Zeitzeuge und Historiker. Er hielt die Hauptrede im Bundestag zur Gedenkstunde.

Foto: Bundesregierung/Steins

74 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz hat der Deutsche Bundestag der Opfer der NS-Diktatur gedacht. Millionen von Menschen – meist jüdischen Glaubens – starben in den nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslagern.

Neben Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nahmen die Vertreter aller anderen Verfassungsorgane an der Gedenkstunde teil.

Weiter für Toleranz, Menschlichkeit und Demokratie kämpfen

"Ich sehe im heutigen Deutschland ein grundlegend verändertes Land“, sagte Professor Saul Friedländer, der in diesem Jahr die Gedenkrede hielt. "Wir alle hoffen, dass sie die moralische Standgfestigkeit besitzen, weiterhin für Toleranz, Menschlichkeit und Freiheit, kurzum für die wahre Demokratie, zu kämpfen."

Friedländer wurde 1932 in Prag als Kind deutschsprachiger Juden geboren und überlebte den Nationalsozialismus unter falschem Namen in einem französischen katholischen Internat. Seine Eltern wurden in Auschwitz ermordet.

Nach dem Ende des Krieges wanderte Friedländer nach Israel aus und lehrte an der Hebräischen Universität in Jerusalem, an der Universität Tel Aviv und an der University of California in Los Angeles. Für seine Arbeit als Historiker erhielt er zahlreiche renommierte Auszeichnungen, unter anderem den Pulitzer-Preis und dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

In ihrem Podcast hatte Bundeskanzlerin Merkel am Samstag (26. Januar) dazu aufgerufen, das Gedenken wach zu halten. Jeder Einzelne habe die Aufgabe, auch Verantwortung dafür zu tragen, dass wir null Toleranz gegen Antisemitismus, Menschenfeindlichkeit, Hass und Rassenwahn zeigen.

Schäuble: Verantwortung aus der Schuld

"Keine Nation kann sich ihre Geschichte aussuchen oder sie abstreifen. Geschichte ist die Voraussetzung der Gegenwart und der Umgang mit ihr ist die Grundlage der Zukunft jedes Landes. Aus der deutschen Schuld erwächst unsere Verantwortung, nicht vergessen zu dürfen“, betonte Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble in seiner Ansprache. Erinnerungskultur sei deshalb nicht nur Sache der Zivilgesellschaft - "sie gehört mit zu den staatlichen Aufgaben", sagte Schäuble.

"Friedländer hat Maßstäbe in der Erforschung des Holocaust gesetzt", sagte der Bundestagspräsident. "Es beschämt uns, dass Juden wieder mit dem Gedanken spielen, auszuwandern, weil sie sich in unserem Land nicht sicher fühlen." Scham allein aber reiche nicht. "Es braucht neben der Härte der Gesetze vor allem im Alltag unsere Gegenwehr gegen Antisemitismus, Rassismus, Diskriminierung aller Art“, mahnte Schäuble.

Der 27. Januar ist Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Der Gedenktag wurde 1996 durch Proklamation von Bundespräsident Roman Herzog eingeführt. Am 27. Januar 1945 wurde das Konzentrationslager Auschwitz von sowjetischen Truppen befreit. Dort waren etwa 1,1 Millionen Menschen ermordet worden. Die Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus findet seit 1996 jährlich im Deutschen Bundestag statt.

Schlagwörter