Energieforschungsprogramm beschlossen

Innovationen für die Energiewende

Mit dem 7. Energieforschungsprogramm stellt die Bundesregierung von 2018 bis 2022 insgesamt rund 6,4 Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung von Zukunftstechnologien zur Verfügung. Das ist eine Steigerung von rund 45 Prozent gegenüber dem Vorläuferprogramm. Das Kabinett hat dafür nun grünes Licht gegeben.

Professor Laurenz Thomsen von der Jacobs University in Bremen stellt im OceanLab den Versuchsaufbau zu einem Algen-Bioreaktor vor.

Forscher suchen nach Alternativen zu fossilen Brennstoffen. Eine Möglichkeit: Biokraftstoff aus Algen.

Foto: picture-alliance/ dpa

"Digitalisierung und Sektorkopplung sind der Schlüssel zu einer erfolgreichen Energiewende. Mit den neuen Innovationen werden wir nicht nur beim Strom, sondern auch bei der so wichtigen Wärme Fortschritte machen", erklärte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier.

Den Industriestandort Deutschland und die gesamtgesellschaftliche Risikovorsorge zu stärken und die Energiewende voranzubringen, sind strategischen Ziele der Bundesregierung für die Energiewende. Der Minister bezeichnete die Energiewende als "ambitioniertes Modernisierungsprojekt für unsere Volkswirtschaft. Mit dem 7. Energieforschungsprogramm werden wir unsere Vorreiterrolle weiter stärken."

"Reallabore der Energiewende – große und thematisch umfassende Demonstrationsobjekte – werden eine neue Fördersäule zur Vorbereitung der Markteinführung innovativer Lösungen. Der dynamische Praxistransfer durch Start-ups soll sich verbessern."

Neben den zentralen Forschungsfeldern Energieeffizienz und Erneuerbare Energien setzt das 7. Energieforschungsprogramm Schwerpunkte im Wärme-, Industrie- und Verkehrssektor. Mit diesen systemübergreifenden Forschungsthemen rückt die Transformation des Gesamtsystems in den Fokus der Forschungsförderung.

Effizienz steigern

Trotz aller bereits erzielten Erfolge steht Deutschland vor der gewaltigen Aufgabe, die Energielandschaft einer modernen, industriegeprägten Volkswirtschaft in den kommenden Jahrzehnten tiefgreifend umzugestalten.

Deshalb wird die Forschung zur Energieeffizienz in den Verbrauchssektoren Gebäude, Industrie und Verkehr ausgeweitet. Bundesforschungsministerin Anja Karliczek betonte, dass Energieforschung die Energiewende erst möglich macht. "Nur mit anwendungsorientierter Grundlagenforschung können wir die notwendigen Innovationen schaffen – etwa für die Wasserstoffproduktion, die Wärme- und Mobilitätswende und auch für die gesellschaftliche Beteiligung. So ermöglichen wir Innovationssprünge für ein bezahlbares und klimafreundliches Energiesystem."

Erneuerbare Energien, Netze und Speicher spielen eine Schlüsselrolle. Sie sind zentrales Thema der Förderung. Dazu erarbeitet die Bundesregierung eine sektorübergreifende Effizienzstrategie mit dem Ziel, den Primärenergieverbrauch bis zum Jahr 2050 um 50 Prozent gegenüber 2008 zu senken.

Im Rahmen des 7. Energieforschungsprogramms stellt die Bundesregierung in den Jahren 2018 bis 2022 insgesamt rund 6,4 Milliarden Euro für die Forschung, Entwicklung und Erprobung zukunftsfähiger Technologien und Konzepte zur Verfügung. Das entspricht einer Steigerung von 45 Prozent gegenüber dem Vorläuferprogramm im Vergleichszeitraum 2013 bis 2017.

Ausbau regenerativer Energieträger beschleunigen

Mit ihrem Energiekonzept hat die Bundesregierung Weichen für die zukünftige Energieversorgung in Deutschland gestellt: Bis 2050 sollen die Treibhausgasemissionen um mindestens 80 Prozent gegenüber 1990 sinken.

Mit der Dekarbonisierung des Energiesystems setzt sie auf den Einsatz regenerativer Energieträger wie Wind- und Sonnenenergie bei der Stromproduktion und auf Biomasse und Erdwärme bei der Bereitstellung von Wärme.

"Bioenergie trägt in erheblichem Ausmaß zur Energiewende und Minimierung der Treibhausgase bei", sagte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner. "Deshalb fördern wir die Bioenergieforschung im Rahmen unseres Förderprogramms 'Nachwachsende Rohstoffe' mit rund 50 Millionen Euro jährlich."

Die Bundesregierung setzt auch auf Elektromobilität, alternative Antriebe und einen Kraftstoffmix – auch mit synthetischen Kraftsoffen – im Verkehr.

Derzeit läuft der Transformationsprozess in den einzelnen Sektoren mit unterschiedlicher Geschwindigkeit ab. Während die Erfolge im Stromsektor bereits deutlich sichtbar sind, machen Wärme- und Verkehrssektor nur langsam Fortschritte.

Energieversorgung sicherstellen

Wirtschaft und Gesellschaft sind auf eine zuverlässige Energieversorgung angewiesen. Angesichts ungleichmäßiger Einspeisung und digitaler Vernetzung ist die technische Robustheit und Resilienz des Versorgungssystems eine strategisch wichtige Aufgabe mit wirtschafts-, sicherheits- und gesellschaftspolitischer Relevanz.

Um die Sicherheit der Energieversorgung auch langfristig zu gewährleisten, müssen wir sie mit dem Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen in Einklang zu bringen, heißt es im Energieforschungsprogramm. Die Substitution fossiler und nuklearer Energieträger durch Erneuerbare werde dazu wichtige Beiträge liefern.

In Zukunft wird es darauf ankommen, die notwendige Balance zwischen digitalem Fortschritt, gesellschaftlicher Akzeptanz und Risikominimierung herzustellen.

Gesamtgesellschaftliche Risikovorsorge

Durch den technologieoffenen Programmansatz trägt die Energieforschung dazu bei, rechtzeitig ein breites Spektrum an Technik-Optionen für den Transferprozess im Energiebereich zu entwickeln und für die Anwendung bereit zu stellen. Dies schafft die erforderlichen Gestaltungsspielräume, um in Zukunft auf heute noch nicht absehbare Entwicklungen reagieren zu können.

Da Klima- und Umweltauswirkungen nicht vor Staatsgrenzen haltmachen, sind hocheffiziente und erneuerbare Energietechnologin und Systemlösungen auch unter dem Aspekt zu entwickeln, zu Problemlösungen weltweit beitragen zu können. Altmaier betonte: "Wir gehen die Zukunftsthemen an, indem wir uns systemübergreifenden Fragestellungen widmen."

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