Die wirtschaftliche Lage der DDR vor der Wende 1989

Die wirtschaftliche Lage der DDR vor der Wende 1989

Flüsse vergiftet, Böden verseucht; hustende Kinder und täglich kiloweise Flugasche überall. Das Chemiekombinat hatte nicht genügend Produktionsanlagen, Ersatzteile, Spezialisten, Rohstoffe und Zwischenprodukte. Das war Bitterfeld in Sachsen-Anhalt 1989, ein Sinnbild der ruinierten DDR.

Zwei Gesichter der DDR

Vollbeschäftigung, freie medizinische Versorgung und niedrige Mieten – das SED-Regime hob diese Errungenschaften gerne hervor. Doch sie waren am Ende immer weniger finanzierbar. Die Politik der SED führte die DDR in den Bankrott.

Nach Einführung der Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion zum 1. Juli 1990 kam die ganze Wahrheit über die wirtschaftliche Lage der DDR ans Licht. Die DDR konnte Erich Honeckers Konzept der "Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik" nicht durch die eigene Wirtschaftsleistung finanzieren.

Planwirtschaftliches System gescheitert

Das Scheitern des zentralstaatlich geplanten Wirtschaftssystems der DDR war 1989 offensichtlich. In der DDR entschied der Staat über Produktion, Produktionsmittel, Preise und Löhne.

Es fehlte der Wettbewerb. Wirtschaftlichkeit, Nachfrageorientierung, Qualität und Innovationen blieben auf der Strecke. Die Wirtschaft war so international kaum wettbewerbsfähig.

Geringe Arbeitsproduktivität

Die Arbeitsproduktivität der DDR lag im Jahr 1988 bei nur etwa 20 bis 25 Prozent des Westens. Der Arbeitsaufwand für die Herstellung vergleichbarer Produkte war in der DDR erheblich höher als im Westen. Das konnten auch längere Arbeitszeiten nicht kompensieren.

Schrottreife Industrieausrüstungen

Wegen immer älterer und reparaturbedürftiger Industrieausrüstungen ging die Wirtschaftskraft der DDR stetig zurück. Dies bestätigt auch ein Papier, das dem SED-Politbüro im Herbst 1989 vorlag. Im Jahr 1989 waren durchschnittlich 47 Prozent der industriellen Produktionsanlagen verschlissen. In manchen Bereichen lag die Zahl noch deutlich höher: 70 Prozent der maschinellen Anlagen in der Bauwirtschaft waren schrottreif.

Nicht ausreichende Investitionen

Die Investitionen in der Industrie reichten bei weitem nicht aus, um den hohen Instandhaltungs- und Reparaturbedarf zu decken. Von einer "stetigen Vervollkommnung der sozialistischen Produktion auf der Basis der höchstentwickelten Technik", wie Lenin es vorhergesagt hatte, konnte also keine Rede sein.

Mangelhafte Qualität der Produkte

Die niedrige Arbeitsproduktivität und die verschlissenen Produktionsanlagen hatten Folgen für die Produktqualität. Die Produkte waren oftmals nicht wettbewerbsfähig. Die DDR konnte sie wegen mangelhafter Produktqualität nicht absetzen. Die Importe lagen so weit über den Exporten.

Hohe Verschuldung durch fehlende Exporte

Zudem verbrauchten Staat und Bevölkerung über Jahre mehr Sachgüter und Dienstleistungen, als im eigenen Land hergestellt wurden. Dies finanzierte die DDR hauptsächlich durch zusätzliche Kredite in Westdeutschland.

Die DDR konnte im Jahr 1989 nur noch 35 Prozent der Westimporte, Kredittilgungen und Zinsen mit Devisenerlösen aus Exporten decken. Dies belegt auch das bereits zitierte SED-Papier. Die Verschuldung im Westen war damit "auf eine Höhe gestiegen, die die Zahlungsfähigkeit der DDR in Frage stellt". Der Staatsbankrott war unvermeidlich.

Zerstörte Umwelt

Aufgrund der desolaten finanziellen Lage nahm die DDR-Wirtschaft keine Rücksicht auf die Umwelt. Fast alle Binnengewässer waren stark verschmutzt, die Qualität des Trinkwassers bedenklich. Hinzu kam die europaweit höchste Pro-Kopf-Belastung mit Schwefeldioxid und Staub.

Positive Bilanz des Aufbaus Ost

Nach 20 Jahren sind die neuen Länder mit einer hochmodernen Infrastruktur gut erreichbare Produktions- und Dienstleistungsstandorte. Der Weg ist geebnet für eine nachhaltige, wirtschaftlich dynamische und ökologisch verträgliche Entwicklung.

Beispiel Bitterfeld-Wolfen: Wieder bedeutender Industriestandort

Bitterfeld-Wolfen ist heute einer der bedeutendsten Industriestandorte in Mitteldeutschland. Die Industrieanlagen sind umweltschonend und erfüllen den Slogan des ChemieParks Bitterfeld-Wolfen "Die Chemie stimmt" mit Leben. Natur und Chemie haben sich nach der Wende ausgesöhnt.

Namhafte internationale Unternehmen beispielsweise aus der Schweiz, Norwegen, Australien, Chile, Frankreich, Schweden, USA und Japan haben sich dort angesiedelt. Im ChemiePark arbeiten aktuell rund 11.000 Beschäftigte und über 2.000 im TechnologiePark Mitteldeutschland. Investitionen von über fünf Milliarden Euro in die Infrastruktur und neue Anlagen haben sich ausgezahlt.

Ziel: Angleichung der Lebensverhältnisse

Die Wirtschaftskraft der neuen Länder reicht noch nicht an die des Westens heran. Deshalb bleibt die Angleichung der Lebensverhältnisse zwischen Ost und West weiterhin ein zentrales Ziel der Politik der Bundesregierung. Grundlage der Förderung für Ostdeutschland ist der Solidarpakt II. Von 2005 bis Ende 2019 erhalten die neuen Länder noch Mittel in Höhe von 156 Milliarden Euro.